Das ewige Machtspiel zwischen Genie und Neid

Von: Grit Schorn
Letzte Aktualisierung:
dasdabild
„Rock me Amadeus”: Philipp Scholz als Mozart und (im Hintergrund) Jens Eisenbeiser als Salieri im Das Da Theater. Foto: Wilfried Schuhmacher

Aachen. Kühl und starr verharren die bezopften Gestalten zunächst in ihrer Pose. Das Podest in Form einer riesigen Mozartkopf-Silhouette, der hohe lichte Raum und das Cembalo führen in die Welt des einstigen „Wunderkinds” Wolfgang Amadeus Mozart, der 1791 - noch keine 36 Jahre alt - völlig verarmt in Wien starb.

Das imponierende und gleichzeitig schlicht anmutende Bühnenbild von Frank Rommerskirchen spiegelt vieles wider: den Hof von Kaiser Joseph II., Salieris Wohnung, den Prater, Mozarts Behausung, sein Armengrab. Ob der ehrgeizige Hofkomponist Antonio Salieri tatsächlich Mozarts tückischer Rivale war oder nicht, spielt in Peter Shaffers effektvollem Schauspiel „Amadeus”, das jetzt in der sensiblen und einfallsreichen Regie von Tom Hirtz im Aachener Das Da Theater triumphal Premiere feierte, kaum eine Rolle. Dass der Italiener dem Wiener Musikgenie mit Neid und Eifersucht begegnete, ist allerdings historisch verbürgt.

Faszinierend von der ersten Szene an entfaltet sich die berührende Geschichte zweier Menschen, die auch gegenseitige Bewunderung verband. Wenn Jens Eisenbeiser als Salieri aus der bläulichen Höhlung im Marmorblock auftaucht, ist Mozart schon lange tot. „Verzeih, Mozart! Verzeih deinem Mörder!”, flüstert und schreit der gealterte Salieri seine Verzweiflung hinaus. Da sind die Venticelli, die Zuflüsterer, die ihm alle Gerüchte um Mozart hinterbracht haben, längst verstummt. Tatsächlich hat sich Salieri vor seinem Tode in geistiger Umnachtung selbst angeklagt, Mozart vergiftet zu haben. Shaffers Drama spielt kongenial auf der Klaviatur dieses Verdachts. Der Kampf zwischen Mittelmaß (Salieri) und Genie (Mozart) wird in opulenten Rückblenden lustvoll, witzig und spannend ausgetragen.

Besonders geglückt ist die Mozart-Besetzung mit Philipp Scholz, der viele Facetten des oft blödelnden, zuweilen sehr pubertär wirkenden Genies auslotet. Kindliche Unschuld, derbe Zoten und die Unfähigkeit, mit Geld umzugehen, sind die eine, die Genialität und sinnliche Kraft des Komponisten eine völlig andere Seite des Menschen Mozart. Im Gehrock aus Jeansstoff und mit einer fast punkigen Perücke (Kostüme: Michaela Gabauer und Frank Rommerskirchen) punktet Scholz fast wie ein Popstar à la Falco.

Ebenso famos Jens Eisenbeiser als erfolgreicher „Hofkompositeur”, der - von Neid und Eifersucht zerfressen - immer mehr zum intriganten Rivalen und bösartigen Feind Mozarts wird. Unverstellt und sehr natürlich Franziska Holitschke als Mozarts geliebtes und dennoch oft betrogenes „Weibchen Stanzerl” (Constanze), ebenfalls in witzig drapiertem Jeansstoff. Karen Lauenstein, Mike Kühne, Jakob Blessing und Patricia Rabs komplettieren in verschiedenen Rollen das Ensemble.

Und nach einem fantastischen Finale voll dunkler Schrecken bricht im begeisterten Publikum jubelnder Beifall aus: Standing Ovations zu - natürlich - Falcos „Rock me Amadeus”.

Termine und Karten

Peter Shaffers „Amadeus” war bereits vor 20 Jahren im Aachener Das Da Theater zu erleben. Die jetzige Produktion ist bis zum 13. März donnerstags, freitags, samstags und sonntags jeweils um 20 Uhr im Haus an der Liebigstraße zu sehen.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert