Aachen - Das Da Theater schreibt Rekorde, Ensemble verdient weiter wenig

Das Da Theater schreibt Rekorde, Ensemble verdient weiter wenig

Von: hjd
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„Unser Etat ist absolut auf Kante genäht“: Tom Hirtz, Leiter des Das Da Theaters. Foto: Harald Krömer

Aachen. Es ist eine Binsenweisheit, dass sich der Erfolg eines Theaters wahrlich nicht nur an den Besucherzahlen ablesen lässt. Trotzdem: Betrachtet man die nackten Ziffern, so war das Kalenderjahr 2012 das erfolgreichste in der 25-jährigen Geschichte des Aachener Das Da Theaters.

Elf Produktionen, 471 Vorstellungen (davon 305 für Kinder und Jugendliche und 259 mobil), 47.724 Zuschauer (davon 29.929 Kinder und Jugendliche), eine Auslastung von 96,6 Prozent: ein höchst ambitioniertes Zahlenwerk für ein Haus, das professionell arbeitet, bei den öffentlichen Zuschüssen allerdings der sogenannten freien Kulturszene zugerechnet wird.

Und hier fangen die Probleme an. „Wir arbeiten seit zehn Jahren mit einem städtischen Zuschuss von 50.000 Euro pro Jahr. In diesem Zeitraum ist die Förderung durch die Stadt pro Eintrittskarte von 2,50 Euro auf 1,05 Euro gesunken“, rechnet Theaterleiter Tom Hitz vor. „Unser Etat ist absolut auf Kante genäht. Wenn wir unsere Erfolgsgeschichte weiterschreiben wollen, braucht es strukturelle Veränderungen in der Förderung.“

Das Theater erwirtschaftet gut 76 Prozent seines Umsatzes über Eintrittskarten, knapp 15 Prozent kommen über Spenden und Sponsorengelder hinzu, knapp neun Prozent über öffentliche Zuschüsse von Stadt und Land NRW, das übrigens gerade 30.000 Euro Fördergeld zusätzlich zugesagt hat. Geld, das Hirtz für das Personal – nicht nur das achtköpfige Ensemble – ausgeben will. Der Theaterleiter kann den Darstellern nach eigenen Angaben nicht mehr als ein Bruttogehalt von 1250 Euro zahlen – was noch unter der tariflich festgeschriebenen Mindestgage an Stadt- und Staatstheatern von 1600 Euro liegt. „Bei der immensen Arbeitsbelastung ist das eigentlich nicht vertretbar“, sagt der Theaterleiter selbst. „Ich möchte eine Angleichung an das Tarifgehalt.“

Nun kann man ja fragen, ob es denn notwendig ist, so viele Vorstellungen zu spielen und die Belastung (gerade bei den mobilen Vorstellungen in Kindergärten und Schulen, wo die Schauspieler nicht nur auf der Bühne stehen, sondern diese auch selbst transportieren, auf- und später wieder abbauen) so hoch zu halten. Hirtz hält dem entgegen: „Wir müssen so viele Vorstellungen spielen, um den Umsatz zu halten. Außerdem ist der Bedarf ja da. Im Bereich des Kinder- und Jugendtheaters bieten wir als einziges Theater in der Städteregion Aachen ganzjährig ein lückenloses Programm an.“ Dabei hat das Haus zuletzt stark von der Bildungszugabe der Städteregion profitiert. Da hier aber jetzt auch andere Anbieter mehr und mehr unterwegs sind, befürchtet Hirtz, dass die Stücke vom Kuchen kleiner werden könnten. „Das Theater braucht da Planungssicherheit.“

„Wir sind in Gesprächen mit allen Beteiligten“, sagt der Theaterleiter. Für die Stadt Aachen müsse es möglich sein, den Zuschuss auf 100.000 Euro zu verdoppeln – „denn de facto sind wir der freien Szene längst entwachsen. Das sollte sich dann auch in der Bezahlung der Schauspieler widerspiegeln.“

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