Das Credo von Wolfgang Rombey: Ohne Kungeln geht es besser

Von: Eckhard Hoog
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In dieser Woche nimmt er als Dezernent für Bildung und Kultur, Schule, Jugend und Sport nach sieben Jahren in Aachen seinen Abschied: Wolfgang Rombey (65). Das Theater hat ihm als Kulturdezernenten ganz besonders am Herzen gelegen. Foto: Andreas Steindl

Aachen. Für Wolfgang Rombey heißt es in dieser Woche, Abschied zu nehmen. Seit April 2006 leitet er in Aachen das Dezernat für Bildung und Kultur, Schule, Jugend und Sport. Zuvor war er 16 Jahre lang Beigeordneter der Stadt Mönchengladbach.

Ein Nachfolger in Aachen steht zurzeit nicht in Aussicht, nachdem die CDU-Fraktion im Stadtrat dem Kandidaten des Koalitionspartners, der Grünen Fraktion, in letzter Minute eine Absage erteilte. Im Interview mit unserer Zeitung zieht Wolfgang Rombey eine Bilanz seiner Zeit als Kulturdezernent in Aachen.

Sie waren 16 Jahre Kulturdezernent in Mönchengladbach, sieben in Aachen. Wo war es schwieriger für Sie?

Rombey: In Aachen.

Wieso?

Rombey: Weil Aachen für mich neu war. Ich kannte die Stadt nicht, und ich kannte die Menschen nicht. Das war eine große Anstrengung im ersten Jahr, um herauszufinden: Wie tickt die Politik? Aber letztlich hat es sich gelohnt. Und es war ein krönender Abschluss meiner langen Berufslaufbahn. Das Amt hat viel Spaß gemacht und mir viel gegeben, besonders in einer Stadt wie Aachen, die einen so großartigen Ruf hat im Land, die eine so große Geschichte hat.

Was war die größte Baustelle?

Rombey: Baustellen gab es viele, das ist ja ein Riesendezernat. Es umfasst ja nicht nur Kultur, sondern auch Jugend, Sport und Bildung. In jedem Bereich ging es zunächst darum, Grundlagen zu schaffen, in der Kultur zum Beispiel das Leitprofil zu entwickeln, den Sportentwicklungsplan, einen Kita- und einen Schulentwicklungsplan aufzustellen.

Wieso war es so wichtig, im Kulturbereich für Aachen ein Leitbild zu entwickeln? Dazu hatten Sie 230 Initiativen und 30 000 Bürger befragen lassen.

Rombey: Es galt damals noch dieses alte Motto: „sprudelnde Vielfalt“. Das war aus den Quellen abgeleitet und eigentlich eine gute Sache. Nur, ich habe damals auch gesagt: Vielfalt alleine reicht nicht. Das ist auch ein Stück weit Beliebigkeit. Wir müssen etwas Spezifisches herausfiltern. Was also ist das spezifische Element der Aachener Kultur? Dabei ist nach vielen Befragungen ein neues Motto herausgekommen: Kultur in Aachen – grenzüberschreitend. Das hat sich als passend erwiesen für den internationalen Raum, in dem wir hier im Dreiländereck leben. Wir sind eine internationale Stadt, wir machen interkulturelle Angebote, Crossover-Produktionen, arbeiten spartenübergreifend, und wir fordern die Menschen heraus, die Grenzen in ihren Köpfen zu sprengen, was die Wahrnehmungsfähigkeit, die Hörgewohnheiten angeht. Insofern war dieser Prozess wichtig, auch um die Akteure kennenzulernen und mit ihnen ins Gespräch zu kommen.

Ist das immer gelungen?

Rombey: Zum Schluss ist mir noch einmal bewusst geworden, dass man diesen Prozess vor allem mit der freien Szene besser nach fünf Jahren noch einmal wiederholt hätte. Das ist in der Fülle der Aufgaben ein Stück weit untergegangen.

Hören wir da ein Stück Selbstkritik heraus?

Rombey: Ja, klar. ich bin mit mir selber immer kritisch, ich war immer Perfektionist.

Sie haben das Gefühl, dass Sie die freie Szene ein Stück weit vernachlässigt haben?

Rombey: Zumindest, was das Gespräch angeht.

Hochgekocht ist der Konflikt, als es um die Kosten für einen neuen Eingangsbereich des Ludwig Forums für über 300 000 Euro ging und dieser Summe die Subventionen für die freie Kulturszene gegenübergestellt wurden?

Rombey: Die Entscheidung für die Umgestaltung des Eingangsbereiches des Ludwig Forums halte ich nach wie vor für richtig. Allerdings ist mir in dem Moment bewusst geworden, dass bei der freien Szene im Verborgenen eine Unzufriedenheit schlummerte.

Die berechtigt war?

Rombey: Teils, teils – zum einen ist die freie Szene eine tragende Säule unseres Kulturlebens, zum anderen kann daraus aber nicht der Anspruch einzelner Künstler abgeleitet werden, von der öffentlichen Hand alimentiert zu werden, dann wäre sie ja nicht mehr frei. Aber ein paar Euro mehr, um gute Projekte unterstützen zu können, wären sicher sinnvoll angelegtes Geld.

Wie sind Sie Ihre Aufgabe als Kulturdezernent einer mittleren Stadt wie Aachen, die über ein Theater und ein Orchester verfügt, angegangen?

Rombey: Als man mir schon 1994 in Mönchengladbach den Kulturdezernenten angetragen hat, da habe ich gesagt: Leute, das kann ich nicht, weil ich nicht dieses Bildungsbürgertum als Hintergrund habe. Ich bin kein umfassend gebildeter Mensch. Ich kann aber ein anderer Kulturdezernent sein, kein Hilmar Hoffmann, der sich selbst als Kulturfigur inszeniert. Ich kann dafür sorgen, dass die Kultur vernünftige Räume findet, vernünftige Rahmenbedingungen. Und ich kann dafür sorgen, gute Leute zu holen. Ich habe mit Kazem Abdullah einen guten GMD geholt, mit Harald Nickoll einen guten Leiter der Musikschule, Brigitte Franzen als Direktorin des Ludwig Forums. Den Vertrag mit Museumsdirektor Peter van den Brink habe ich verlängert, den Vertrag mit Michael Schmitz-Aufterbeck zweimal. Es ging immer darum, Leute zu holen, die selber gute Ideen haben. Sie in ihren Ideen zu unterstützen und Freiraum zu schaffen, dass sie sich entfalten können. Das beste Beispiel ist die Theaterstrukturkommission, mit der wir transparent gemacht haben, wie die Finanzströme laufen, wie sich so eine Produktion zusammensetzt, wofür das Geld draufgeht. Da haben dann auch die Politiker erklärt, anders geht es nicht.

Das hat offenbar gut gefruchtet.

Rombey: Die Kämmerin hat die aufgelaufenen Verlustvorträge des Theaters über den Gesamthaushalt ausgeglichen. Damit wurde es dem Theater möglich, das unbelastete Budget so zu bewirtschaften, dass wieder Rücklagen gebildet werden konnten. Dieses Jahr kommen wieder 160 000 Euro zusammen, die der Rücklage zugeführt werden können.

Die Personalentscheidungen gingen ausgesprochen glatt über die Bühne. Wie ist das gelungen?

Rombey: Indem man Transparenz herstellt, alle mitnimmt, nicht kungelt und offene Verfahren durchführt.

Welches ist die wichtigste kulturelle Veranstaltungsreihe, die in den letzten Jahren in Aachen entstanden ist?

Rombey: Die Chorbiennale, die gerade gelaufen ist. Das ist auch etwas, was aus einer Kritik heraus entstanden ist. Harald Nickoll, Chorleiter Carmina Mundi , hatte öffentlich gesagt, wir sind hier Meisterchor, und in Aachen nimmt das überhaupt keiner wahr. Da habe ich ihn angerufen und ein Gespräch angeboten. Er ist zu mir gekommen und gemeinsam ist die Idee entstanden, ein Format für Chöre zu schaffen.

Hatten Sie das Gefühl, für die Kultur als einen gefährdeten Bereich zu kämpfen?

Rombey: Kultur steht immer mit dem Rücken an der Wand, sie umfasst eine der wenigen freiwilligen Leistungen, die im Haushalt stehen. Kultur aber nur als freiwillige Leistung abzutun, wird ihrem Stellenwert und ihrer Bedeutung nicht gerecht. Ich kann mir diese Stadt gar nicht vorstellen ohne Theater, ohne Bibliothek, das gehört einfach zum deutschen Kulturgut dazu

Welche Chancen hat Aachen für die Zukunft, was gibt es für Ihren Nachfolger zu tun?

Rombey: Das Damoklesschwert hängt über uns: Das ist der Zensus. Dass Aachen offiziell nur noch 236 000 Einwohner zählt, wird Folgen haben. Das Problem ist, dass die Schlüsselzuweisungen um 20 Millionen Euro geringer werden nach diesen Zahlen. Und wenn dann das Loch im Haushalt klafft, werden die großen Posten wieder angeschaut. Das wird ein harter Kampf, deshalb bedaure ich es, dass man nicht sukzessive einen Nachfolger gefunden hat. Deshalb bin ich in der Theaterinitiative im Beirat, um von der Seite aus noch einmal mitreden zu können.

Wenn es eine gute Fee gäbe, die Ihnen einen Wunsch erfüllt, welcher wäre das?

Rombey: Eine Vision, die ich immer wieder für Aachen geäußert habe, ist, den kulturhistorischen Bauten eine zeitgenössische Architektur gegenüberzustellen. Eigentlich gehört auf den Platz, wo das Generalvikariat in der Nähe des Doms steht, das ja wirklich nicht schön anzuschauen ist, ein neues Stadtmuseum, in dem man das Ludwig Forum und das Suermondt-Ludwig-Museum unterbringen könnte. Die periphere Lage des Ludwig Forums ist immer noch ein Problem. Aber im Lichte von Bürgerbegehren, Bauhaus Europa und Campusbahn ist das natürlich nur eine vage Vorstellung.

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