Da hat selbst die Tuba Sex-Appeal

Von: Stefan Schaum
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Gut organisiertes Chaos: Hazma
Gut organisiertes Chaos: Hazmat Modine auf der Bühne von Burg Wilhelmstein. Foto: Stefan Schaum

Würselen. Landläufig gilt die Tuba als Instrument mit eher geringem Sex-Appeal. Es muss schon einer wie Joseph Daley kommen, um es mit ihr mal so richtig knistern zu lassen. Derart lässig handhabt der Mann sein Instrument, dass es eine Freude ist.

Und es gibt ja noch mehr. Beim Auftritt von Hazmat Modine auf Burg Wilhelmstein ist sein ungewöhnliches Spiel nur einer von vielen Höhepunkten.

Acht Musiker, acht Könner

Acht Musiker, acht Könner: Diese Combo aus New York ist ein Haufen zügelloser Künstler, der sich einen Dreck um musikalische Grenzen schert. Calypso und Reggae, Blues und Klezmer, rumänische Folklore und ganz viel Jazz - die Präsentation der Songs des aktuellen Albums „Cicada” gerät zu einem wilden Ritt, der gut 500 Zuhörer ganz schön atemlos macht.

Die einzelnen Stücke dienen als Fundament für raumgreifende Soli, die zum Glück nie ausfransen. Stets stehen die experimentierfreudigen Eskapaden der Instrumentalisten im Dienst des großen Ganzen, und das hat im Fall von Hazmat Modine auch einen gewaltigen Groove. Diese Band macht ordentlich Druck, wird stellenweise richtig funky. Und wenn dann Pam Fleming an der Trompete loslegt oder Wade Schuman zur Mundharmonika greift, legen die Kollegen gern noch einen Zahn zu.

Überhaupt Wade Schuman: Der Gründer und musikalische Kopf erntet reihenweise Ovationen des Publikums. Denn die Art, wie er die Mundharmonika spielt, ist unerhört. Sie kreischt in seinen Händen, wimmert, faucht. Dazwischen grummelt und schreit Schuman und man weiß nie so genau, wo sein Spiel endet und der Gesang beginnt. Die Hingabe, mit der die Musiker in diesem gut organisierten Chaos zu Werke gehen, ergreift das Publikum, das heftig applaudiert. Auch aus exotischen Instrumenten wie armenischen Flöten kitzeln die Musiker viel heraus, selbst eine kleine Triangel wird auf der Bühne nicht zum Gimmick, sondern völlig ernst in den Dienst der Musik gestellt. Und auch das ist irgendwie ganz schön sexy.
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