Chorbiennale in Aachen: „Eine Vision ist Wirklichkeit geworden”

Von: Sabine Rother
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Mit vereinten Kräften ist ihnen die erste Chorbiennale Aachen gelungen: (vorn, v.li.) GMD Marcus R. Bosch, Kulturdezernenet Rombey, Harald Nickoll (Carmina Mundi), oben (v. li.)Produktionsleiter Ansgar Menze, Udo Rüber (Verwaltungsdirektor Theater Aachen), Hans Leenders (Madrigalchor Aachen), Fritz ter Wey (Junger Chor Aachen), Martin te Laak (Kammerchor Aachen) und Olaf Müller (Kulturbetrieb Aachen). Foto: Harald Krömer

Aachen. Damit hatten die Macher selbst in ihren schönsten Träumen nicht gerechnet: Mit rund 12.000 Besuchern hat sich die erste Internationale Chorbiennale Aachen einen fest Platz im kulturellen Leben der Stadt erobert, wie Produktionsleiter Ansgar Menze gemeinsam mit Aachens Generalmusikdirektor Marcus R. Bosch konstatiert.

„Aachen hat sein Festiival”, freut sich auch ein euphorischer Kulturdezernent Wolfgang Rombey, der nun bereits, wo alle Koffer gepackt und alle Gäste abgereist sind, die Initiatoren ausgeschlafen und ihre Unterlagen sortiert haben, verkünden kann: „Es gibt 2011 die zweite Chorbiennale, wir beginnen damit, mögliche Sponsoren zu gewinnen.”

Die stürmischen Reaktionen des Publikums an zehn musikalischen Tagen, da sind sich alle einig, haben bewiesen, wie tief die Chortradition in dieser Region verankert ist und wie spontan der „Weckruf” der Veranstalter beantwortet wurde. „Selbst Karl der Große hatte dafür schon einen Sinn”, wirft Rombey einen Blick zurück.

Doch Gegenwart und Zukunft sind ihm und den vier „Initiativchören” (Carmina Mundi, Junger Chor und Madrigalchor Aachen sowie Aachener Kammerchor) wichtiger, die zugleich Gastgeber der internationalen Sängerinnen und Sänger waren.

„Noch nie erlebt”

„700 Menschen im Rathaussaal beim Lunchkonzert, Menschen, die eine Stunde lang auf den Einlass zur Chorprobe für das Sinfoniekonzert warten, das habe ich noch nie erlebt”, nennt Rombey nur zwei Beispiele. Und selbst die eintrittspflichtigen Konzerte waren ausverkauft.

Jetzt gelte es, die vorhandenen Potentiale weiterhin zu pflegen, Qualität, Internationalität und Professionalität beizubehalten. Sein Ziel: Nach der Chorbiennale 2011 im Jahr 2014 als den Deutschen Chorwettbewerb nach Aachen holen.

„Die Mischung hat es ausgemacht”, bringt Bosch ein Gefühl zum Ausdruck, das er mit allen teilt. „Zum ersten Mal saß ich in einer Kirche, hörte um mich herum viele Sprachen und kam mir vor, wie im Urlaub.”

Die „Farben” der Chorbiennale wurden einerseits durch die regionalen Chöre geprägt, andererseits durch Gäste wie Segakoor Noorus aus Estland, Oreya aus der Ukraine und den Tel Aviv Chamber Choir aus Israel. Studium Chorale und WDR Rundfunkchor rundeten ein Programm ab, das alles andere als bieder war.

So war der Europasaal des Eurogress zweifach ausverkauft, wo 220 Aktive auf der Bühne gemeinsam mit Solisten und dem Sinfonieorchester Leonard Bernsteins höchst kompliziertes Werk „Kaddish” interpretierten, gab es eine Uraufführung und jede Menge Gegenwartskompositionen.

„Wie hier die neue Musik aufgenommen wurde, diese Vorurteilsfreiheit ist exemplarisch”, freut sich Bosch. „Bei der Chorbiennale hatte die Musik tatsächlich die Chance, ursprünglich zu überzeugen. Der Star der Biennale ist das Publikum.” Wobei die akustischen Probleme gerade im Eurogress erneut die Forderung nach einem Konzerthaus aufleben lassen.

Glücklich - nicht zuletzt über den Schritt, gemeinsam zu handeln - sind die „Initiativen” Chorleiter. „Es ist das erste Großprojekt, das aus einer Diskussion entstanden ist”, sagt Harald Nickoll (Carmina Mundi). Fritz ter Wey (Junger Chor) war Gastgeber des estnischen Chorleiters Raul Talmar.

„In Tallinn gibt es eine große Chortradition, dort hat man sich kulturell viele Jahre lang geradezu über den Chorgesang national identifiziert, alle fünf Jahre treffen sich 20.000 Sänger dort. Und selbst er war tief beeindruckt.”

Mit Gilad Hochman, dessen Auftragskomposition „Et She Ahava Nafshi” zur Uraufführung kam, hat Martin te Laak Kontakt: „Er hat mir gesagt, dass er unbedingt weiterhin Chormusik schreiben möchte und von Aachen sehr viel Inspiration mitgenommen hat.”

Und Hans Leenders (Madrigalchor), der in Maastricht lebt meint: „Ich hätte nie gedacht, dass so etwas passiert, ich habe mir schon überlegt, ob ich nach Aachen ziehen soll!”

Alle haben sie ihre Chöre unter anderem auf die gemeinsame „Kaddish”-Aufführung vorbereitet. „Jeder hat seinen Stil, das war für die Chöre faszinierend”, berichtet Fritz ter Wey, der für 2011 einen Vorschlag hat: „Man sollte mit den internationalen Gästen zusätzliche Konzerte in der Euregio, etwa in Lüttich, planen.”

Und plötzlich ist man mittendrin im „Chorgespräch” - Fahnen für 2011? Ein umfangreiches Stadtmarketing? Ein Team für Ansgar Menze, der die Produktionsleitung vielfach als Einzelkämpfer bewältigen musste?

Vielleicht schon im nächsten Jahr ein „Chorwochenende”, damit das Biennale-Ereignis nicht so schnell „abkühlt”? Wenn Kulturdezernent Rombey alles Bisherige zusammenfasst, lautet sein Resümee: „Eine Vision ist Wirklichkeit geworden.”
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