Charmant, sexy, witzig, virtuos

Von: Eckhard Hoog
Letzte Aktualisierung:
Salut
Klassische Musik ganz anders: Damenquartett Salut Salon kommt nach Alsdorf.

Alsdorf/Hamburg. Sie kombinieren Schuberts Forellenquintett mit Mussorgskys Bildern einer Ausstellung, verschmelzen griechische Volkslieder mit finnischer Polka, geben „Bruder Jakob” auf Chinesisch zum Besten, machen Faxen, spielen virtuos auf ihren Instrumenten und bringen damit ausverkaufte Säle in Spanien ebenso wie in Russland, Italien, China und in den USA zum Kochen - vier originale Hamburger Deern.

Sie nennen sich Salut Salon und haben kürzlich das Thalia Theater zwei Wochen lang en suite bespielt mit ihrem neuen Programm „Ein Haifisch im Aquarium”. Das, was man in Klassikkreisen gerne als „Crossover” bezeichnet, treibt das Quartett buchstäblich auf die Spitze.

Am 12. Oktober in der Stadthalle

In der Alsdorfer Stadthalle geben die vier am 12. Oktober, 20 Uhr, ein Gastspiel. Wir sprachen mit Iris Siegfried, die mit ihrer Freundin Angelika Bachmann - beide spielen Violine - Salut Salon vor knapp zehn Jahren gegründet hat.

„Alles fing mit einem Salonabend in einer Privatwohnung an”, erzählt die 39-Jährige, die von Kindesbeinen an ihre musikalische Ader pflegt und so ganz nebenbei auch noch als Familienanwältin arbeitet. Angelika und Iris - seit ihrer gemeinsamen Schulzeit sind sie befreundet. Den Dirigenten ihres Schulorchesters brachten sie mit ihren Lachanfällen zur Verzweiflung.

Den ausgeprägten Sinn für Witz und Humor haben sich beide seit ihrer Kindheit bewahrt. Der prägt heute intensiv ihr Programm. Musizieren, Singen, Improvisieren, klassische Stücke neu gemixt, Lieder der 20er und 30er Jahre - die muntere Mischung sprach sich schnell herum, es dauerte nicht lange, bis die ersten Konzertanfragen kamen. 2003: der erste Live-Auftritt in einer größeren Halle. 2005: Konzerte im Kom(m)ödchen und im Senftöpfchen. Danach stand dem Kleeblatt mit Sonja Lena Schmid (Cello) und Anne-Monika von Twardowski (Klavier) jeder Saal offen. Mittlerweile kennt man Salut Salon diesseits und jenseits des Atlantiks.

Den maritim klingenden Titel „Ein Haifisch im Aquarium” erwartet man nicht unbedingt als Motto für ein Kammerkonzert, doch genau darin liegt der Witz und vor allem der ganz besondere Einsatz der Instrumente, der Salut Salon auch zu ihrem Erfolg verholfen hat. Iris Siegfried erklärt, was gemeint ist. „Wir wollen auf musikalische Weise Bilder schaffen, eine Art Kopfkino, Assoziationen.” Unsterbliche Filmmusiken wie „Der weiße Hai” und „Das Boot” signalisieren bereits, wohin die klangliche Seereise gehen wird. „Übers Meer eben”, sagt die Geigerin. Und über aufgewühlte Wellen, die man am besten mit Stücken moderner Komponisten zum Rauschen bringt. Und dass ein Cello täuschend echt wie ein Schiffshorn klingen kann und eine Geige wie der Schrei einer Möwe, das erfährt das verblüffte Salut-Salon-Publikum, das nicht unbedingt zu den klassischen Konzertbesuchern gehört, auch so ganz nebenbei. Klassik-Neulinge und Klassik-Freunde kommen bei dem selbst arrangierten Schabernack gleichermaßen auf ihre Kosten - schließlich beherrschen die Damen ihre Instrumente aufs Feinste.

Chinesen sind begeistert

Dabei scheuen die vier keinerlei Grenzübertritt - künstlerisch gesehen: Die Menschen in Shanghai rissen sie von den Stühlen mit einem selbstkreierten chinesischen Popsong. Musik jedweder Art begreifen sie als Schatztruhe, aus der man nur einfallsreich schöpfen kann. Couplets aus eigener Feder, Volksmusik aus Irland, Russland und Finnland - selbstverständlich in der Landessprache dargeboten: All das ergibt eine Mischung, die trotz aller Sprachbarrieren international verstanden wird.

Der Haifisch scheut an diesem Abend auch nicht den Umweg über die Donau und die Moldau, um nach China zu gelangen. Dem Klassikkenner wird diese musikalische, ein reines Konzert sprendende Reise viel sagen. Astor Piazzolla, Erneuerer des argentinischen Tangos, der nebenbei auch ein leidenschaftlicher Hochseeangler war, und Camille Saint-Saen standen Pate für das aktuelle Programm.

„Unser Publikum reicht von kleinen Kindern bis zu den Senioren”, freut sich Iris Siegfried über den großen Zuspruch. „Das Schönste, was wir zu hören bekamen, war: ?In diesem Konzert sind wir zum ersten Mal nicht eingeschlafen.”

Kein Wunder: Eine gelegentliche Puppenspiel- oder sogar artistische Einlage macht selbst den hartnäckigsten Schnarcher im Publikum wieder wach. Außerdem wären da noch das „kurze Schwarze” und die „Haihiels” der Damen, die vor allem die männlichen Konzertbesucher davon abhalten, die Lider herunterzuklappen. Auch wenn Iris Siegfried das Kalkül dabei energisch bestreitet - das Kokettieren mit sexy Attributen gehört bei Salut Salon ebenso dazu wie eine gehörige Portion Charme, Schwung und Selbstironie.

Schwer sympathisch macht das Quartett darüber hinaus ihre soziale Ader: In Chile fördern sie eine alternative Musikschule, die sie regelmäßig besuchen, den Knackis in Hamburg-Billwerder geben sie Konzerte ohne Gage, und Kindern aus allen sozialen Schichten ermöglichen sie einen Zugang zu klassischer Musik mit einem eigenen Projekt. Hut ab!
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