Aachen - Charles Gounods Oper „Faust” feiert in Aachen Premiere

Charles Gounods Oper „Faust” feiert in Aachen Premiere

Von: Sabine Rother
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Manchmal müssen sogar sie noch im Wörterbuch „Französisch-Deutsch ” nachschlagen: (von links) Dramaturg Kai Weßler, Regisseur Michael Talke und Dirigent Daniel Jakobi bereiten die Premiere von Gounods Oper „Faust” vor. Foto: Andreas Steindl

Aachen. Ein romantischer „Schauerstoff”, schwungvolle Melodien und ein wunderbar trauriges Ende: Mit seiner Oper „Faust”, uraufgeführt vor beinahe genau 150 Jahren im Pariser Théâtre Lyrique, traf Komponist Charles Gounod mit Perfektion den Nerv seines Publikums, das sich unterhalten und freuen wollte, das aber auch Gänsehaut und Tränen der Rührung liebte.

In einer Inszenierung von Michael Talke kommt die Oper nun unter der musikalischen Leitung des Ersten Kapellmeisters Daniel Jakobi auf die Bühne des Theaters Aachen (Premiere Sonntag, 24. Mai, 18 Uhr). Damit setzt nach „La Prichole”, „Hoffmanns Erzählungen” (beide Jacques Offenbach) und „Werther” (Jules Massenet) die vierte Produktion der „französischen Linie” des Hauses fort. Sind die meisten Zuschauer an die italienische Oper gewöhnt, zögern selbst Musikfreunde manchmal, wenn Französisches zu erwarten ist.

„Dabei ist die Sprache hier viel enger mit der Melodie verflochten als beim Italienischen”, meint Dramaturg Kai Weßler, der für die Aachener Inszenierung gemeinsam mit dem Regisseur eine einfühlsame und geschickte Lösung fand. Aufgeführt wird eine Fassung, die einerseits nachträglich von Gounod hinzukomponierten Kostbarkeiten wie die Romanze des Siébels, die Arie des Valentin und die Serenade des Mephisto enthält, andererseits mit in Deutsch gesprochenen und von Weßler stilistisch bearbeiteten Dialogen die Handlung deutlich strukturiert.

Musikalische Besonderheiten

Gleichzeitig gibt es musikalische Besonderheiten: „Das Melodram ist ein Mittelding aus Sprache und Musik”, erzählt Jakobi. „Der Darsteller spricht, aber dem Text ist Musik unterlegt, die Stimmung und Gefühle spiegelt.” So „grummelt” das Orchester, wenn der Teufel sich ankündigt. „Und man hört deutlich den Sekt perlen, den Mephisto herbeizaubert, weil ihm das Bier nicht schmeckt”, versichert Jakobi.

Reizvoll ist für Michael Talke der Typ des Werks: „Tolles Theater, auf das man Lust hat”, schwärmt er. „Es beginnt komödiantisch und wird dann dunkel und tragisch.” Was ihn begeistert: „Man kann die emotionale Fallhöhe verstärken, wenn man den Kontrast zwischen Heiterkeit und Tragödie herausarbeitet.” Da sich die Librettisten Jules Barbier und Michael Carré auf die französisch- leichte Fassung des Faust-I-Stoffes „Faust et Marguerite” stützten, war in Frankreich Goethes Dichtung - und damit der deutsche Nationalmythos - übrigens gar nicht präsent. Warum er ausgewählt wurde? „Die historischen Stoffe, quasi die ,Mantel-und-Degen-Opern´, waren nicht mehr modern, man sehnte sich nach romantischen Stoffen”, erläutert Weßler.

„Gounod spielt mit den Klischees, er demaskiert eine Gesellschaft, die fromm und bieder daherkommt, in der aber der Teufel sein Spiel treibt”, meint Talke. „Ich vertraue diesen Figuren und nehme ihr Schicksal ernst.”

Das Werk war von Anfang an ein enormer Erfolg - sogar in New York, wo „Faust” 1883 auf die Bühne der Metropolitan Opera kam und dort noch heute häufig gezeigt wird. „Schöne Musik und eine gut erzählte Geschichte”, fasst es der Dramaturg in kurze Worte. Und die Tatsache, dass der belgische Comiczeichner Hergé die „Juwelenarie” der Margarete in den Tim-und-Struppi-Heften als Lieblingsstück seiner Opernsängerin „Bianca Castafiore” gewählt hat, spricht zusätzlich für die Popularität des schaurig-schönen Werkes.
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