Würselen - Burg Wilhelmstein: Afropop-Diva Kidjo bittet zum Tanz

Christopher Robin Kino Freisteller Winnie Puuh

Burg Wilhelmstein: Afropop-Diva Kidjo bittet zum Tanz

Von: Michael Loesl
Letzte Aktualisierung:
8249049.jpg
Reißt ihre Fans auf Burg Wilhelmstein von den Sitzen: die große Botschafterin des Afropop, Angélique Kidjo. Foto: Wolfgang Sevenich

Würselen. Das ganze Leben ist Körperbeherrschung und Taktung: Angélique Kidjo feiert mit ihrem Musiktheater der Paradoxien Einstand auf Burg Wilhelmstein. Die kleine Frau mit der großen Stimme lässt keinen Zweifel daran, wie modernistisch ihr Traditionsbewusstsein geprägt ist.

Gleich zu Beginn ihres Auftritts schließt sie mit Hilfe moderner Technologie den Kreis zwischen ihrem noch unbeholfenen Bühnendebüt in ihrer westafrikanischen Heimat Benin und ihrem heutigen Normalzustand als letzte große Botschafterin des Afropop. Damals, vor 47 Jahren, wurde sie von ihrer theatertreibenden Mutter buchstäblich auf die Bühne geschubst. Eine Sängerin war ausgefallen. Jetzt, 53 Jahre jung, singt sie gemeinsam mit der verwitterten Stimme ihrer 87-jährigen Mutter Yvonne Kidjo, die via Sampler „zugeschaltet“ ist, das kongolesisch inspirierte Duett „Bana“.

Zum resoluten Afrobeat „Shango Wa“ huldigt Kidjo der westafrikanischen Yoruba-Gottheit des Donners, Shango, die gleichzeitig Frau und Mann ist. Das Bild passt. Sie, die Streitbare mit der frechen Schnauze, die auf den Weltmusik-Begriff mit Gift und Galle reagiert, verabscheut das klassische Geschlechterrollenverständnis. Das Zelebrieren der Frauen Afrikas als Leitfaden ihres aktuellen Albums „Eve“ lässt sie mit ihrem goldenen Millimeterhaaransatz unter sorgsam gefaltetem Kopftuch fast zur Nebensache werden.

Ihr Selbstverständnis als Komponistin, Bühnenakteurin und Sängerin ist so freiheitlich geformt, wie ihre Musik grenzenlos polyrhythmisch ist. Das ist die Kernaussage des Abends.

Der Westafrika-Funk, dessen Groove selbstverständlich von der starken Stimme ihrer Chefin vorgegeben wird, geht den vier exzellenten Musikern in Kidjos Rücken angenehm unangestrengt von der Hand. Hier und da nerven ihre Ansagen durch ein Zuviel an aufklärerischer Philanthropie. Immer wieder gibt es aber auch diese überwältigenden Kidjo-Momente, wenn auf einmal alles, was von langer Hand choreographiert scheint, in Hormonausschüttung kulminiert. Hüftsteif bleibt praktisch niemand, wenn Madame Kidjo „Pata Pata“, die tonale Insignie ihrer Lehrmeisterin Miriam Makeba, intoniert.

Mit einer 15-Minuten-Version von „Tumba“ aus ihrem Opus Magnum „Black Ivory Soul“ unterstreicht sie, wie wohl Würselen zur afrikanischen Diaspora gekürt werden darf. Da wird die Bühne mit rund 25 „Freiwilligen“ zum Tanzauditorium, dessen Zeremonienmeisterin mit Standing Ovations bedacht wird. Hierbei hebt die Burg förmlich ab, und man weiß spätestens jetzt, warum Peter Gabriel seine Freundin Angélique Kidjo vorzugsweise als „Feuerball“ bezeichnet.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert