Bruckner: Schwingende Verläufe

Von: Pedro Obiera
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In der Kirche St. Michael als
In der Kirche St. Michael als Ausweichquartier erklang mit dem Sinfonieorchester die 1. Symphonie c-Moll von Bruckner. Foto: Andreas Steindl

Aachen. Mit der 1. Symphonie in c-Moll schloss jetzt Marcus R. Bosch seinen Zyklus der neun „offiziellen” Symphonien Anton Bruckners ab. Rechtzeitig zu seinem Abschied nach Nürnberg wird er im nächsten Jahr noch die ominöse „Nullte” nachschieben.

Das auf exzellent klingenden und international erfolgreich vertriebenen CDs dokumentierte Projekt hat mittlerweile Kultstatus erreicht.

Die akustischen Probleme der halligen Nikolaus-Kirche, die derzeit nicht verfügbar ist, ließen sich im Ausweich-Quartier, der in Domnähe gelegenen Kirche St. Martin, leider nicht verringern. Zum Glück ist auf den Mitschnitten, die demnächst auf CD erscheinen, vom überakustischen Klangbrei in den dynamischen Höhepunkten nichts zu hören.

Bruckners „Erste” steht im Schatten seiner berühmten späteren und erheblich längeren Symphonien. Sie lediglich als tastenden Versuch abzutun, wird ihrer Bedeutung nicht gerecht. Bruckner war immerhin 40 Jahre alt und hatte bereits zu seiner ureigenen Tonsprache gefunden. Auch in der verwendeten „Linzer” Urfassung.

Die Symphonie ist ein unverkennbarer Bruckner, wenn auch formal straffer angelegt und durch den Verzicht auf mystische Überhöhungen direkter ansprechend als gewohnt.

Das kommt Boschs Bruckner-Bild durchaus entgegen, der auch schon bei den späten Symphonien den Weihrauchkessel in der Sakristei ließ und eine frische, bisweilen forsche Gangart einschlug.

Dass sich dadurch kein Eindruck trockener Ernüchterung einstellt, liegt an der sorgfältigen Phrasierung der auch hier weit schwingenden melodischen Verläufe, an einem sonoren, runden Klangbild des vorzüglich aufspielenden Orchesters und nicht zuletzt an Boschs spürbar innerer Beteiligung.

Kopfsatz und Scherzo gelangen so aus einem Guss. Mögliche Schwächen des Werks, wie etwa das melodisch etwas dünnblutige Adagio und das formal bereits im Erstling zersplitterte Finale, kann auch Bosch mit seinem beherzten Elan nicht voll auffangen.

Insgesamt eine würdige Fortsetzung einer äußerst verdienstvollen Reihe mit dem 50-minütigen „Zwerg” des Zyklus. Begeisterter Beifall in der vollbesetzten Michaels-Kirche.
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