Bond auf dem Berg in den Ötztaler Alpen

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Bond auf dem Berg in den Ötztaler Alpen

Von: Olaf Neumann
Letzte Aktualisierung:
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Spektakuläres Panorama: Die James-Bond-Erlebniswelt wurde in den Fels des Gaislachkogels gebaut. Foto: Christoph Nösing
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Ebenfalls großartig ist der Blick von innen auf die Bergwelt. Foto: Christoph Nösig
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Action in den Ötztaler Alpen: Daniel Craig in einer Szene aus dem Bond-Film „Spectre“. Foto: © 2015 Danjaq, LLC, Metro-Goldwyn-Mayer Studios Inc., Columbia Pictures Industries, Inc
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Bond-Installation: Blick in einen der Räume von „007 Elements“. Foto: Kristopher Grunert

Wer in die neueste Erlebniswelt des Meisterspions James Bond eintauchen will, muss hoch hinaus: und zwar auf den Dreitausender Gaislachkogel in den Ötztaler Alpen. Die vorgestern eröffnete multimediale Dauerausstellung „007 Elements“ ist in einem maßgeschneiderten Gebäude untergebracht, das im Inneren des Berges angelegt wurde.

 

Dieses spektakuläre Panorama bildete 2015 die Kulisse für den Agenten-Thriller „Spectre“. James Bond muss schwindelfrei sein. Seit 1969 jagt der Geheimagent ihrer Majestät immer wieder Bösewichte in Eis und Schnee – auf dem Montblanc, in den Dolomiten, im Berner Oberland und zuletzt 2015 in den Ötztaler Alpen. Auf dem 3056 Meter hohen Gaislachkogel wurde eine halsbrecherische Szene des Agentenabenteuers „Spectre“ gedreht.

Das Wrack des Originalflugzeugs, in dem der Schauspieler Daniel Craig durch einen Heuschober im Dörfchen Obertilliach donnerte, ist jetzt neben anderen Artefakten aus der Bond-Historie auf dem Gaislachkogel zu sehen: der „Golden Gun“, dem Roboterfahrzeug „Snooper Dog“, der „Omega-Uhr“. „007 Elements“, das laut Betreiber höchste Museum der Welt, beherbergt nicht weniger als eine von weltweit drei autorisierten Bond-Ausstellungen.

Und das kam so: Als Location-Scouts auf der Suche nach geeigneten Schauplätzen für den „Spectre“-Dreh in ganz Europa unterwegs waren, schauten sie mehrmals bei Jakob Falkner vorbei. Er ist Chef und Miteigner der Söldener Bergbahnen, einer der modernsten Seilbahnen der Welt. Grund ihres Interesses war das postmoderne Bergrestaurant „ice Q“, das der Innsbrucker Architekt Johann Obermoser auf den Gaislachkogel gestellt hatte.

Eine perfekte Location für ein Bond-Abenteuer, fand Falkner und setzte alles daran, den Dreh nach Sölden zu holen. Das Filmteam, das dann tatsächlich mit 500 Leuten anrückte, muss schwer beeindruckt gewesen sein von Obermosers Glas-Kubus vor dem spektakulären Bergpanorama. Die Crew gestaltete das Gebäude kurzerhand um in die futuristische „Hoffnerklinik“ von Bond-Girl Dr. Madeleine Swann (Léa Seydoux).

Falkner sorgte dafür, dass die Dreharbeiten in der touristischen Hauptsaison reibungslos verliefen, und ebnete damit den Weg für ein noch größeres Projekt: Die „007 Elements“-Erlebniswelt. Ein spektakuläres, ästhetisch reizvolles Gebäude auf einem Alpengipfel mit großer optischer Wirkung. Es beherbergt eine „Cinématique Installation“ zum Thema James Bond. So lautete die gemeinsame Vision von Jakob Falkner, Architekt Johann Obermoser, Bond-Art-Director und -Set-Designer Neal Callow und dem deutschen Hollywood-Film-Designer Tino Schaedler.

Der kühne Bau, der sich unterirdisch auf 1300 Quadratmeter verteilt, kommt in einer kühlen Betonoptik daher und wurde bereits als architektonische Meisterleistung gelobt. Von den verwinkelten Gängen aus kann der Besucher die Berglandschaft und die Drehorte von „Spectre“ bestaunen, darunter die sich dahin schlängelnde Gletscherstraße und das Restaurant „ice Q“. An sonnigen Tagen sieht man von hier sogar die Zugspitze im Norden und die Dolomiten im Süden.

Das für die Dauerausstellung maßgeschneiderten Gebäude wurde komplett in Permafrostfelsen hineingebaut. „Es war extrem kompliziert, sowohl logistisch als auch vom Zeitdruck her“, erinnert sich Tino Schaedler, der maßgeblich an der Umsetzung des Ausstellungskonzepts beteiligt war. „Dort oben kann man nur in der Nebensaison von Ende April bis Ende November bauen.

Aber letztes Jahr schneite und stürmte es von September an ständig, so dass das Betonieren immer wieder verschoben werden musste. Das Wetter war so extrem, dass man dort kaum arbeiten konnte. Deswegen hat sich der Eröffnungstermin um ein halbes Jahr verschoben. Dazu kommen die Probleme, alle Materialien auf 3000 Meter Höhe zu bekommen.“

Im Schneeanzug

Probleme sind dazu da, um gelöst zu werden. So darf das Gebäude nur auf zwei Grad geheizt werden, weil es direkt auf einem Gletscher sitzt. Würde man die Raumtemperatur erhöhen, würde der Permafrost schmelzen und das Fundament nicht mehr sicher sitzen. Die meisten Besucher werden wohl im Schneeanzug durch die Ausstellung gehen, weil sie sowieso auf der Piste sind. Das Gebirgsklima im Gebäude ist elementarer Teil des Gestaltungskonzepts.

In neun archaischen Hallen und Kammern wird James Bond multimedial präsentiert. Die „Cinematique Installation“ hat jedoch so wenig mit einem klassischen Museum zu tun wie ein Kamel mit einem Nadelöhr. Johann Oberhofer, Tino Schaedler und Neal Callow haben die Erlebniswelt quasi von innen heraus entworfen. Sie wollten elegante, minimalistische Räume kreieren, die sich anfühlen wie eine Location des legendären Bond-Designers Ken Adams, und zitieren sogar die London Underground, die in den letzten zwei Bond-Filmen den MI6 beherbergte.

Alle Bond-Mimen

Das Grundkonzept der Installation „007 Elements“ basiert auf der Verräumlichung von digitalen Bildern. Sprich: ganz neu editierten Ausschnitten aus den Bond-Filmen. In dem Raum „Villaine_SSRqs Lair“ zum Beispiel läuft eine Videoinstallation auf zwei großen Screens, gegenüber sind zwei riesige Spiegel angebracht. Sie reflektieren das Gezeigte: zentrale Sequenzen aller Bond-Mimen von Sean Connery bis Daniel Craig. Die Besucher stehen inmitten dieser Projektionsflächen und werden ganz anders angesprochen als in einem Kino. Reale Requisiten sind aufgrund der extremen Temperaturen eher die Ausnahme.

Die „007 Erlebniswelt“ steht stellvertretend für die Filmsprache aller 24 Bond-Streifen: In jedem gibt es eine Opening-Action-Sequenz. Eine Titel-Sequenz mit dem Song. Die ikonischen Charaktere James Bond, Miss Moneypenny, Q, die Bösen. Die Gadgets und die Autos. Die imposanten Locations und Sets. Die Action-Sequenzen. Bei Bond wird noch viel per Hand gemacht, zum Beispiel die Stunts. In der Tech Lab bringen einen computergenerierte Spezialeffekte zum Staunen. Jeweils ein Raum des Gebäudes ist einem Aspekt der Bond-Formel gewidmet. Stets aus der Perspektive des Films „Spectre“ und im Kontext der Bond-Legacy.

Der 1972 im niedersächsischen Hildesheim geborene Tino Schaedler war drei Jahre für die Architekten Daniel Libeskind und Barkow Leibinger in Berlin tätig. Später arbeitete er in Hollywood als Filmdesigner, Art Director und Architekt. Er entwarf digitale Sets für Big-Budget-Filme wie „Charlie und die Schokoladenfabrik“ und „Harry Potter und der Orden des Phönix“. Heute ist Schaedler Chefdesigner bei seiner eigenen, in Los Angeles ansässigen Firma Optimist Inc.

Wie wird man eigentlich Mitglied des exklusiven Bond-Clubs? „Sölden ist das einzige stationäre Bond-Museum, das von Barbara Broccoli und Michael Wilson autorisiert wurde, die mit ihrer Londoner Firma EON Productions die Bond-Filme produzieren“, erzählt Schaedler. „Ich habe 2004 an Tim Burtons ,Charlie und die Schokoladenfabrik‘ mit Johnny Depp mitgearbeitet.

Dabei habe ich Neal Callow, Art-Director und Set-Designer der letzten Bond-Filme, kennengelernt und mich mit ihm angefreundet. Bei den Dreharbeiten zu ,Casino Royale‘ traf Neal auf seine heutige Frau, die Enkeltochter von Albert Broccoli. EON Productions, die das letzte Wort über die künstlerische Qualität haben, schickte Neal nach Sölden, der wiederum meine Designfirma Optimist Inc dazuholte.“

Schaedler und Callow haben den Oscar-Preisträger Sam Mendes in London für einen informativen Intro-Film aufgenommen, der in der Lobby gezeigt wird. Daniel Craig haben sie leider nicht bekommen, aber Naomie Harris, die neue Darstellerin der Miss Moneypenny, ist als Erzählerin dabei.

 

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