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Bitterböse Farce voller Wahrheit: „Die Grönholm-Methode” im Theater K

Von: Grit Schorn
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Sie schenken sich nichts: Anna
Sie schenken sich nichts: Anna Scholten, Mona Creutzer, Oliver Matthiae und Matthias Fuhrmeister (von links) in „Die Grönholm-Methode” im Aachener Theater K. Foto: Andreas Schmitter

Aachen. Fast zehn Jahre liegt die Uraufführung von „El método Grönholm” zurück, geschrieben von dem Katalanen Jordi Galceran unter dem Eindruck der spanischen Finanz- und Wirtschaftskrise.

Aktueller denn je kommt den Zuschauern heute die verbissene Jagd nach dem Traumjob vor - ein grausamer, aber auch satirisch-unterhaltsamer Kampf ohne Gewinner. Nach dem Grenzlandtheater im Jahr 2007 hat sich jetzt das Aachener Theater K des Stoffs angenommen.

In einem tristen Sitzungsraum mit Wasserspender treffen die vier Kandidaten aufeinander, die nach einem langen Auswahlverfahren im Konzern Dekia übrig geblieben sind. Vier Menschen, die sich schon als Sieger sehen - oder zumindest so auftreten. Der Dress-Code stimmt: gedeckte Farben, Krawatte für die Herren, die Damen zeigen auch mal viel Bein.

Die erste Überraschung: Niemand will das ehrgeizige Quartett befragen oder prüfen. Die Bewerber sollen gegeneinander antreten. An einer Wand öffnet sich des Öfteren eine Klappe, die verblüffende Weisungen ausstößt. Unter der pointiert-witzigen Regie von Sebastian Jacobs, der auch am Theater Aachen inszeniert hat, fällt die „Viererbande” übereinander her. Wer die anderen zerfleischt, wird gewinnen? So sieht es jedenfalls aus.

Wenn Mona Creutzer als Ricarda herumstolziert und eine ziemlich traurige Lebens- und Berufsgeschichte erzählt, kann sie auf Verständnis von Mercedes (Anna Scholten) hoffen, weniger bei den Herren, dem flotten Fernando, selbstbewusst wie George Clooney (Neuzugang Matthias Fuhrmeister ähnelt ihm sogar), und dem Youngster Carlos (Oliver Matthiae). Carlos wiederum kennt Mercedes recht gut - waren sie nicht einst kurzfristig liiert?

Schnell kommt der Verdacht auf, dass nicht alle vier Bewerber sind, einer könnte ein „Maulwurf” aus der Personalabteilung sein. Die Anweisung aus der Klappe, sich bestimmte Hüte aufzusetzen, löst beim Publikum Heiterkeit aus, selbst der arrogante Fernando muss sich die Bischofsmütze überstreifen.

Clown, Torero und Politikerin (köstlich Mona Creutzer als „Merkel-Double”) müssen wie der Bischof schnell und treffend darlegen, warum sie - und kein anderer - den einzigen Fallschirm im abstürzenden Flugzeug benutzen dürfen. Die gegenseitigen Anwürfe spitzen sich zu, Fernando, der eben noch so liebevoll von seinen Eltern sprach, sieht sich plötzlich Mercedes gegenüber, die ihm eine überraschende Eröffnung macht. Hat er jetzt die Stelle - oder nicht?

Das Finale ist herrlich überspitzt, jeder der ausgezeichneten Schauspieler kann die tragikomischen Elemente des raffinierten Stücks auf seine Weise bloßlegen, mal ganz alltägliche Aspekte, dann wieder Bosheit und Verstellung, Angst und Wut. Nichts ist wie es scheint in diesem ausweglosen Gemetzel, in dem es am Ende seitens des Konzerns heißt: „Wir suchen nicht einen guten Menschen, der nach außen ein Arschloch ist. Was wir suchen, ist ein Arschloch, das nach außen ein guter Mensch ist!”

Kräftiger Applaus für eine bitterböse Farce voller Wahrheit.

Weitere Termine,Tickets und Infos

„Die Grönholm-Methode” ist noch am 2., 3., 7., 11., 16., 17., 21., 23., 24. und 28. November im Aachener Theater K, Ludwigsallee 139, zu sehen.

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