Düsseldorf - Beuys trifft Kandinsky: „Revolution” in Kunstsammlung NRW

Beuys trifft Kandinsky: „Revolution” in Kunstsammlung NRW

Von: Gerd Korinthenberg, dpa
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Kunstsammlung NRW
Ein Kunstwerk von Donald Judd (untitled, 1989-90) steht im Ständehaus NRW. Die Kunstsammlung NRW eröffnet nach ihrem Umbau mit der Sammlungspräsentation Silent Revolution die Depandance im Ständehaus. Foto: dpa

Düsseldorf. Beuys trifft auf Kandinsky, Gerhard Richter auf Piet Mondrian: Einen „revolutionären” Blick auf die jüngere Kunstgeschichte wirft die Ausstellung „Silent Revolution” in der Kunstsammlung NRW in Düsseldorf.

Rund 170 Kunstwerke von der Klassischen Moderne bis heute, von Matisse und Picasso bis Schütte sind ab Samstag bis zum 13. Juni erstmals nicht historisch, sondern nach ästhetischen und inhaltlichen Gesichtspunkten geordnet. Als neue Direktorin hat Marion Ackermann (45) damit den international bekannten Kunstbesitz des Bundeslandes völlig „anders” präsentiert - und auch mutig interpretiert.

„Ich wollte demonstrieren, wie gut das funktioniert, wie neue Erkenntnisse, neue Einblicke und neue Aspekte sichtbar werden”, sagte Ackermann, die nach Jahren als Leiterin des Kunstmuseums Stuttgart damit am Rhein ihr Ausstellungsdebüt gibt. Der einem zellenartigen, kantigen Stein-Kunstwerk des Jenaers Georg Herold entlehnte Titel soll die von dem Bildhauer eingeforderte grundsätzliche Freiheit jedweder Interpretation unterstreichen, betont die Museumsleiterin.

Erstaunliche „Funken” sprühen aus der Begegnung von klassischem Werk mit der Gegenwartskunst: Ein intellektuelles „Feuer” entfacht die Begegnung von vier Spitzenwerken des spröden De-Stijl-Meisters Piet Mondrian der 30-er und 40-er Jahre mit dem optischen Gitter in Gerhard Richters matt spiegelnden „7 Scheiben”. Ein sprühendes Farbfeuerwerk entwickelt sich da, wo Donald Judds kantiger, bunter Alu-Kasten der sommerlichen „Terrasse” (1928) des Malers Pierre Bonnard und zwei fast fluoreszierenden Bildern der Düsseldorferin Katharina Fritsch von 1990 begegnen. Und wie neu lässt sich der künstlerische Umgang mit dem Körper betrachten, wenn Thomas Schüttes postmodern zergliederte „Bronzefrau” (2002) gleich von einem halben Dutzend Frauenbildern Picassos umgeben ist.

Nie zuvor wurde das musikalische Wechselspiel von Farben und schwarz strukturierenden abstrakten Linien in Kandinskys Meisterwerk „Komposition IV” (1911) so klar, wie im Dialog mit den pfeilförmig ausgelegten schroffen Basaltblöcken aus dem „Ende des 20. Jahrhunderts” von Joseph Beuys. Reine Poesie im Ausstellungsraum kommt auf, wenn Paul Klees kleinformatiges „Kamel in rhythmischer Baumlandschaft” von 1920 dem „TV-Garden” (1977) mit flimmernden Bildschirmen und hunderten Topfpflanzen des Video-Pioniers Nam June Paik begegnet.

Die gruselige Mord-und-Totschlagsszene „Die Nacht” (1918) des jungen Max Beckmann neben dem brutal demolierten Modellhaus „Two Families” von 2002 des Schweizers Thomas Hirschhorn mag als Metapher von Gewalt ein wenig platt erscheinen. Doch sofort tröstet die innige Zwiesprache zwischen Jeff Walls 1999 entstandenem Leuchtkasten- Großfoto „Morning Cleaning” des Mies-Pavillons in Barcelona und der Architektur-Etüde „Proun G7” (1923) aus dem Atelier des russischen Bild-Konstrukteurs El Lissitzky.

Nicht selten „hebt” die Nachbarschaft der großen Meister das Werk der jüngeren Künstler: So bekommt etwa Katharina Fritschs ein wenig glatte Alptraum-Szene „Mann und Maus” von 1991 in der Nachbarschaft tief schockierender surrealer Gemälde von Oelze und Magritte eine deutliche Tiefendimension.
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