Beutekunst: Ukrainische Museumschefin bei Aachener Symposium

Von: dpa
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Aachen. Im Aachener Beutekunst-Fall stattet die Chefin des ukrainischen Staatsmuseums dem Aachener Suermondt-Ludwig-Museum einen Gegenbesuch ab. Larina Vladimirnova Kudryaschova nimmt an einem Symposium zum Thema Beutekunst teil.

87 seit dem Zweiten Weltkrieg verschollene Gemälde waren vor einigen Monaten im Staatsmuseum auf der Krim von Touristen zufällig in einer Ausstellung entdeckt worden. Der Aachener Oberbürgermeister Jürgen Linden (SPD) warb bei der Eröffnung des Symposiums um Vertrauen und um die Zusammenarbeit beider Museen.

„Es wäre ein großartiger Erfolg, wenn wir über diese ersten Kontakte hinaus zu einem Austausch einiger weniger Bilder kämen”, sagte Linden. Eine Aachener Delegation war kürzlich auf Einladung des Museums in Simferopol und hatte die Gemälde identifiziert.

Der Beutekunst-Experte der Bundesregierung, Frijthof Berger betonte, Beutekunst sei ein sensibles innenpolitisches Thema, egal ob in der Ukraine oder in Russland. Deutsche eingelagerte Kunst sei während und nach dem Krieg von sowjetischen „Trophäenkommissionen” beschlagnahmt worden und so in alle Nachfolgestaaten der Sowjetunion gelangt. „Die Beutekunst gerät leicht in Gefahr, missbraucht zu werden”, sagte er. Die innenpolitische Diskussion in Russland werde leicht mit den Gräueln des Zweiten Weltkriegs verknüpft.

Seit vergangenem Jahr seien Listen mit einem Bestand von tausenden Büchern in der Universitätsbibliothek Tiflis aufgetaucht, von denen ein Großteil deutschen Ursprungs sei. Bei den Verhandlungen mit der Ukraine hätten die Verhandlungspartner die Möglichkeit eines Koppelgeschäfts angedeutet: „Wir könnten uns geneigter zeigen, wenn ihr Druck ausübt auf Moskau und damit die ein oder andere Ikone in unsere Klöster zurückkehren kann”, gab Berger die Diskussionen wieder.

In Verhandlungen mit Russland berufe sich Deutschland auf die klare Rechtslage des Völkerrechts. Die Gegenseite berufe sich auf die Duma-Gesetzgebung, wonach während und nach dem Krieg beschlagnahmte und verschleppte deutsche Kunst die Kompensation für eigene verlorene Kunstwerke sei. Die Verhandlungen seien langwierig und zäh. Sie könnten nur dann erfolgreich sein, wenn sie nicht auf öffentlichen Marktplätzen stattfänden und stattdessen Vertraulichkeit gewahrt werde. Auf der anderen Seite wachse die Ungeduld bei Museumsleuten und die Gefahr, allein vorzupreschen.

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