Betörend-poetische Körper-Arbeit beim Schrittmacher Festival

Von: Grit Schorn
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Ringen um existenzielle Selbst
Ringen um existenzielle Selbstbehauptung, innovative Paar-Rituale: Die spanische Kompanie Otra Danza beim Schrittmacher Festival. Foto: Andreas Herrmann

Aachen. Höchst ungewöhnliche und kreative Körper-Poetik: Dafür steht die junge spanische Tanzkompanie Otra Danza. In der vollbesetzten, kühlen Fabrikhalle heizte die sechsköpfige Truppe beim Aachener Schrittmacher Festival den Zuschauern kräftig ein.

„Back” heißt das Programm - der schlichte Titel verweist bereits auf eine Rückführung zum Körper selbst. Lichtspiele und eine stets sich verändernde Projektionswand führen die Zuschauer in eine magische Welt. Die fantastischen Klangteppiche der kanadischen Komponistin Zoé Keating geben das Tempo für die Tänzer vor, der spiegelnde Boden wirkt wie eine heimliche „Unter-Welt” des Geschehens.

Schon der Auftakt ist unwiderstehlich - eine blasse Gestalt wälzt sich am Boden, ein Mann in kreatürlicher Nacktheit. Als ob er erst seine Menschwerdung durchleben müsste, gesellen sich allmähliche andere Figuren hinzu. Glitzernde Spiegel werden ihm entgegengehalten, als müssten die Facetten seiner Persönlichkeit sich erst ordnen und gestalten.

Alle Bewegungen werden auf der großen Projektionswand reflektiert. Die sieht mal wie ein Felsen aus, mal wie wogendes Wasser. Dennoch wirkt die Bühne nicht unruhig, sondern anregend und inspirierend. Immer wieder gibt es überraschende Bewegungsprozesse, die sich wie von selbst auflösen oder in neue Körperwelten führen.

Das Streben nach Vollendung, das Ringen um existenzielle Selbstbehauptung und immer wieder ganz innovative Paar-Rituale hinterlassen in der Arbeit der unorthodoxen Choreografin Asun Noales einen überwältigenden Eindruck. Hier wird faszinierende Körper-Arbeit geleistet, die ihre ganz eigene Poetik und Ausdrucksmittel vorstellt. Auch Witz und Ironie schimmern auf: Nicht auf Händen werden Frauen hier getragen, sondern auf Männerfüßen...

Betörende Szenen der Selbstvergessenheit einer Frau, der Einsamkeit eines Mannes wechseln sich ab mit Bewegungsabläufen, die alle Tänzer einbeziehen. Sie alle scheinen den Raum „erobern” zu wollen, bis zur Erschöpfung vollführen sie ihren etwas „anderen Tanz” (Otra Danza). Das Publikum haben sie längst erobert, was sich in den anschließenden Beifallsstürmen zeigt.

Die deutsch-französische Fabien Prioville Dance Company bestreitet die nächsten Termine beim Aachener Schrittmacher Festival. Der Titel ihres Programms am Sonntag, 20. Februar, und Mittwoch, 23. Februar, jeweils um 20.30 Uhr in der Fabrik Stahlbau Strang, Philips- straße: „Jailbreak Mind”.
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