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Beifallsorkan im Opernhaus in Lüttich

Von: Guido Rademachers
Letzte Aktualisierung:
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„Ariadne auf Naxos” von Richard Strauss in Lüttich: die Spaßmachertruppe mit Daniela Fally als Zerbinetta (Mitte). Foto: Opéra Royal de Wallonie

Lüttich. Richard Strauss und sein Librettist Hugo von Hofmannsthal nehmen in „Ariadne auf Naxos” genüsslich den eigenen Laden auseinander. Das ganze Theater: Schauspiel, Tanz und Oper, Komödie und Tragödie, Hochengagiertes und banal Eitles stürzen zusammen und zersplittern zu einem Gesamtkunstwerk der tausend Scherben.

Viel Text, viel Gesang und eine Herausforderung für jeden Musiker.

Patrick Davin am Dirigentenpult des Lütticher Orchesters weiß, dass Strauss´ opulentes Schwelgen im funkelnden Scherbenhaufen am besten klingt, wenn man selber nicht mitschwelgt.

Entsprechend sorgt er für Transparenz und spürt analytisch den Details nach: den rhythmischen Verschiebungen, den Klangnuancen und kleinen Verästelungen vom ironisch kurzen Klavierkommentar bis zum trockenen Bläsersolo.

Die Tempi wählt er bedächtig - zum Vorteil für die Sänger, deren Deutsch so überraschend gut verständlich ist.

Und der Gesang wirkt differenziert. Giuseppina Punti etwa bringt - bei schöner Mittellage, aber leicht abgenutzt klingender Höhe - in der Partie des Komponisten im Pathos auch die kurze Irritation unter. Und Olivier Zwarg mit samtig-weichem, kultiviert vibrierendem Bariton als Musiklehrer im Pragmatismus die Enttäuschung.

Monique McDonald beginnt ihre Ariadne mit einem wunderschön tragenden Piano. Das füllige Aufblühen, das man von einem Richard-Strauss-Sopran erwarten sollte, gerät ihr anschließend zu scharf. Janez Lotric als ihr Partner Bacchus buttert hingegen unwiderstehlich durch seine Gesangslinien (und über die harten deutschen Konsonanten hinweg): reines Tenorglück in sentimentalster Fassung.

Alles aber wird getoppt von Daniela Fally in der mörderischen Partie der Zerbinetta. Den Trapezakt in der vokalen Stratosphäre meistert sie mit atemberaubender Virtuosität. Ihr anmutig-jugendlich klingender Sopran bewahrt auch in der absoluten Höhe Charme. Die Spitzentöne fallen ihr wie von alleine zu.

Ihre Koloraturen sind genau definiert und doch nur perfekt beherrschtes Mittel zum Ausdruck: ein Aufbrausen, ein Kokettieren, ein augenzwinkerndes Spiel mit dem Publikum. Am Ende der großen Arie brach im Zuschauerraum ein wahrer Beifallsorkan los.

Die Regie des renommierten Sängers Laurence Dale stellt sich, wie eigentlich immer in Lüttich, ohne eigene Ambitionen ganz in den Dienst der Musik.

Belanglos wird sie deshalb nicht. Jedenfalls nicht im „Vorspiel”, das in einem zur Künstlergarderobe umgebauten Abstellraum stattfindet. Bruno Schwengls Ausstattung belässt alles in der Entstehungszeit der Oper um 1916.

„Ariadne auf Naxos” von Richard Strauss ist noch am 29. und 31. Januar sowie am 3. Februar (jeweils 20 Uhr) in der Opéra Royal de Wallonie in Lüttich zu sehen. Karten und Infos unter 0032/4/2214722.

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