Aachen - Bei den Karls-Ausstellungen läuft der Countdown

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Bei den Karls-Ausstellungen läuft der Countdown

Von: Eckhard Hoog
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Die ersten Glanzstücke der Karls-Ausstellung wurden am Donnerstag im Aachener Centre Charlemagne ausgepackt und eingehend geprüft: Elfenbeinschnitzereien aus dem 9. Jahrhundert – Restaurator Michael Rief und die Kurierin Aurora Ancarani aus Ravenna bei der Arbeit. Foto: Andreas Herrmann

Aachen. Der Countdown läuft. Nächste Woche Donnerstag eröffnet Bundespräsident Joachim Gauck in Aachen die drei Karls-Ausstellungen „Macht Kunst Schätze“. Im Centre Charlemagne am Katschhof, dort, wo die künstlerischen Glanzstücke der karolingischen Zeit zum Zuge kommen, sind die Preziosen fast alle bereits eingetroffen – absolute Spitzenstücke aus allen Teilen Europas.

Aber ausgepackt wurden erst am Donnerstag die ersten beiden Kisten, denn das geschieht nach alter Museumsväter Sitte grundsätzlich nur in Anwesenheit der abgesandten Kuriere der jeweiligen Leihgeber. Und die waren jetzt eingetroffen: Paul Williamson, Hauptkurator des Londoner Victoria and Albert Museums, und Aurora Ancarani, Leiterin der Denkmalpflege in Ravenna.

Aus dem 9. Jahrhundert

Wie kostbar die vier Elfenbeinarbeiten sein mögen, das lässt sich allein an der Größe der innen aufwendig gepolsterten, klimatisierten Transportkisten ablesen. Hunderte solcher Objekte hätten tatsächlich hineingepasst. Aber für den Elfenbein-Einband des Lorscher Evangeliars, um 810 am Hofe Karls des Großen entstanden, und drei Diptychon-Fragmente, etwa handtellergroße Medaillons mit dem Abbild Christi und Symbolen der Evangelisten aus dem ersten Viertel des 9. Jahrhunderts, kann keine nur erdenkliche Schutzmaßnahme übertrieben sein. Unersetzliche Stücke eben, von denen sich die Museen in London und Ravenna vorübergehend getrennt haben.

Akribisch mit Lupe und Speziallampe vergleicht Michael Rief, Re-staurator am Suermondt-Ludwig-Museum, die Medaillons des Diptychons mit Foto-Dokumenten. An seiner Seite nacheinander: Aurora Ancarini, die das eine Objekt aus Ravenna begleitet, und Paul Williamson. Alles wird peinlich genau protokolliert.

In Aachen kommt eine überaus seltene „Verheiratung“ zustande: Die Medaillons aus England und Italien stammen tatsächlich von ein und demselben Bildwerk, in der Karls-Ausstellung „Kunst“ werden sie zusammengeführt. Peter van den Brink, Direktor des Suermondt-Ludwig-Museums und neben Sarvenaz Ayooghi Mitkurator dieser Schau, demonstriert zusammen mit dem Kollegen aus London den Beweis:

Die Schriftzüge eines Textes auf den Rückseiten der Medaillons passen haargenau zusammen. Der Text an sich – geschätzt wird, dass er aus dem 13. oder 14. Jahrhundert stammt – ist schwer lesbar und bezieht sich auf Ravenna. Welche Geschichte die Stücke hinter sich haben, die zu ihrer Trennung führten, das lässt sich allenfalls ahnen. Irgendwann setzten geldgierige Frevler die Säge an und zerteilten das Bildwerk.

Das ganz große Auspacken findet im Centre Charlemagne erst zwei Tage vor der Eröffnung, am 17. Juni, statt. „Dann kommen zehn Kuriere“, sagt Sarvenaz Ayooghi. „Außerdem treffen die Handschriften ein. Auf den letzten Drücker.“ Aber das sei für diese hochempfindlichen Exponate sowieso das Allerbeste.

Gespannt sind die Aachener Kuratoren und Restauratoren auf den heutigen Tag, denn heute kommt das Gegenstück zum Londoner Elfenbein-Einband des Lorscher Evangeliars aus den Vatikanischen Museen: der rückseitige Buchdeckel – womit ein Hauptwerk der Elfenbeinschnitzkunst aus der Zeit Karls des Großen ebenfalls in Aachen wieder vereint ist.

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