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Auf samtweichem Klangteppich

Von: Pedro Obiera
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Aachen Oper
Begeisterten beim Accordate-Konzert: das Orchester der Musikhochschule, (von links) Prof. Herbert Görtz, Klaviersolist Benyamin Nuss und GMD Kazem Abdullah im Aachener Rathaus. Foto: Andreas Schmitter

Aachen. Eng wurde es im Krönungssaal des Aachener Rathauses. Sowohl auf dem Podium als auch im Besucherparkett.

Ein 90-köpfiges Orchester gehört an sich nicht zu den Standardformationen der Accordate-Konzerte, die ansonsten durch exquisite Kammermusik das kulturelle Leben der Stadt bereichern. Aber wenn es um die Nachwuchsförderung geht, weicht man gern von der Leitlinie ab. Jugendliche haben ohnehin freien Zutritt zu allen Accordate-Konzerten. Ein Auftritt des Orchesters der Kölner Musikhochschule mit Musikern der Standorte Aachen und Wuppertal wurde jetzt sogar zum Nulltarif für alle angeboten. Und der Andrang war so groß, dass etliche Musikfreunde zurückgewiesen werden mussten. Mehr als 750 Besucher lassen die sicherheitsrechtlichen Vorschriften nicht zu.

Jugendliche Spielfreude

Wer Einlass gefunden hatte, konnte sich an einem Konzert erfreuen, das von jugendlicher Spielfreude und professionellem Anspruch geprägt war. Die Musiker erarbeiteten unter der Leitung von Herbert Görtz innerhalb von zwei Wochen an jeweils dreitägigen Intensivphasen in Aachen und Wuppertal ein attraktives Programm, das durch den hochbegabten Nachwuchspianisten Benyamin Nuss und Generalmusikdirektor Kazem Abdullah noch zusätzliche Glanzlichter erhielt.

Der frischgebackene GMD aus Amerika ließ es sich nicht nehmen, George Gershwins „Rhapsody in Blue“ quasi als Heimspiel zu dirigieren. Mit allem Feeling für die rhythmischen und klanglichen Finessen des ebenso populären wie diffizilen Ohrwurms, wobei er dem jungen Pianisten, der auch die anspruchsvollen Kadenzen mit Bravour meisterte, aber auch dem ad hoc zusammengestellten Orchester eine denkbar sichere Stütze bot.

Dass Benyamin Nuss derzeit nicht grundlos ins Rampenlicht der internationalen Öffentlichkeit rückt, rechtfertigte er mit seinem ebenso engagierten wie kontrolliert souveränen Auftritt, dem man auch seine Begeisterung für den Jazz anhören konnte. Und was Herbert Görtz in den knappen Probenzeiten aus dem mit Studenten aller Fachbereiche bestückten Orchester zustande brachte, beeindruckt nicht minder.

Mit einem samtweichen, dynamisch subtil atmenden Klangteppich und einem erstklassigen Englischhorn-Solo wurde man Jean Sibelius‘ ausdrucksintensiver Elegie des „Schwans von Tuonela“ bereits zum Auftakt des Abends auf hörenswertem Niveau gerecht. Stilistische Flexibilität, ein ausgepichtes Klanggefühl und spieltechnische Virtuosität verlangt schließlich Maurice Ravel in seiner berühmten Bearbeitung von Modest Mussorgskys an sich herb geschnittenem Klavierzyklus „Bilder einer Ausstellung“. Und die hohen Anforderungen erfüllten die Nachwuchstalente in nahezu vollem Maß. Die anstürmende Aggressivität beim „Gnom“, die fein schattierten Blechbläserakkorde in den „Katakomben“, heikle Soli in Trompete, Tuba und Saxophon: All das bewältigten die jungen Künstler mehr als achtbar.


Und das alles klang im voll besetzten Krönungssaal auch noch erheblich besser, als mancher befürchtet haben mag. Standing Ovations für ein schönes Konzert und einen vorbildlichen Beitrag zur Nachwuchsförderung.


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