Würselen - Auch Ludwigs Goldschatz geht nach Köln

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Auch Ludwigs Goldschatz geht nach Köln

Von: Eckhard Hoog
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Das sind die neuen Goldschmuck
Das sind die neuen Goldschmuckarbeiten, die Albert Sous in seinem Würselener Kuppelbau „Tresor” Anfang Oktober präsentiert: reliefartige Körperhüllen in hauchdünnem Gold. Die rund 100 Stücke umfassende Goldsammlung der Ludwigs, die von ehemals 400 übrig geblieben sind, gehen auf testamentarisch geäußerten Wunsch von Irene Ludwig Ende des Jahres nach Köln ins Museum für Angewandte Kunst. Foto: eho

Würselen. Eine manische Leidenschaft muss das Aachener Ehepaar Peter und Irene Ludwig angetrieben haben, dass beide über Jahrzehnte hinweg nicht nur Tausende Objekte an zeitgenössischer Kunst, sondern auch erlesenste Antiquitäten in unüberschaubarer Zahl auf der ganzen Welt zusammengekauft haben.

Wie unglaublich dieser Trieb nach ästhetischer Vollkommenheit und ein grenzenloses „Haben-Wollen” ausgebildet waren, das dokumentiert nun ein neues Detail der kolossalen Sammlung: „Ludwigs Gold”.

So nennt es der Würselener „Edelmetaller”, Bildhauer und Goldschmied Albert Sous, zu dessen bekanntesten Objekten im öffentlichen Raum der Kugelbrunnen in der Aachener Adalbertstraße gehört. In gut drei Jahrzehnten erwarben die Ludwigs nicht weniger als 400 goldene Schmuckstücke und Tafelsilber des Würselener Künstlers - eine ganz eigene Sammlung in der Gesamtkollektion.

Handschriftlich testamentarisch hat Irene Ludwig vor ihrem Tod am 28. November 2010 verfügt, was damit geschehen soll: Nichts dürfe verkauft werden, heißt es. Alles soll, wie fast der gesamte unschätzbar wertvolle Nachlass, nach Köln gehen: in das Museum für Angewandte Kunst. Ende des Jahres ist es so weit, dann findet die Übergabe statt. Der Weg dahin war abenteuerlich, erzählt Albert Sous, der bis zuletzt intensiven Kontakt hatte mit Irene Ludwig. Das größte Problem war: die Schmuckobjekte aufzuspüren.

250 der 400 Stücke gelten als zu Lebzeiten verschenkt und in alle möglichen internationalen Winde zerstreut. 150 persönliche, besonders liebgewonnene Ringe, Ketten, Broschen und Armbänder sollen sich bis zuletzt im Besitz Irene Ludwigs befunden haben - verteilt auf Banktresore und die Häuser in Aachen und in der Schweiz am Vierwaldstätter See.

Die Ludwig-Stiftung, namentlich dessen geschäftsführender Vorstand Walter Queins, und Sous begaben sich auf die Suche und wurden rund 100-mal fündig. Von 50 weiteren Stücken fehlt bis jetzt noch jede Spur. Aufbewahrt werden die 100 Goldstücke zurzeit im Aachener Haus der Ludwigs, das rund um die Uhr bewacht wird.

Der Berliner Fotograf Ulrich Schwarz hat die Aufgabe, die Objekte in den nächsten Wochen zu fotografieren, Albert Sous liefert für das Kölner Museum die dazugehörige Legende mit Angaben über Material und Herstellungstechnik. Gegen Ende des Jahres erwartet Sous eine Ausstellung von „Ludwigs Gold”, rechnet erfahrungsgemäß aber damit, dass letztlich nicht mehr als 15 bis 20 Stücke einen Platz in der Dauerausstellung finden werden. Der Würselener Goldschmied kennt die Verhältnisse, viele seiner Arbeiten finden sich im Deutschen Goldschmiedehaus Hanau und im Schmuckmuseum Pforzheim. Die eigene Sammlung seiner Schmuckarbeiten wird ab 30. März 2012 im Römerthemen-Museum Zülpich ausgestellt.

Irene Ludwig ließ sich mit Sous-Schmuck am Hals und an den Fingern nicht nur gerne fotografieren, sondern auch malen: Auf einem fotorealistischen Porträt des Paars von dem französischen Künstler Jean-Olivier Hucleux trägt sie eine Perlenkette und einen kapitalen Ring aus der Hand des Würselener Meisters.

Am 24. April 1995 gratuliert Peter Ludwig Sous zu dessen 60. Geburtstag in einem Brief: „Der Schmuck, den wir in großer Fülle bei Ihnen erwerben konnten, ist Quell steter Freude. Es gibt kaum eine Aufnahme meiner Frau, auf der sie nicht Ihren Schmuck trägt. Und wir hören immer nur Worte der Bewunderung für die Herrlichkeiten, die Sie in Edelmetall gefertigt haben.”

Albert Sous spekuliert vorsichtig, weshalb Irene Ludwig Köln so außerordentlich großzügig bedacht hat - allein die Sammlung russischer Avantgarde wird auf einen Wert von weit über 200 Millionen Euro geschätzt: „Das hat sie sicher mit Bedacht getan ...”
Einen wunderbaren Eindruck davon, warum der Sous’sche Schmuck eine derartig große Faszination auf die Ludwigs ausgeübt hat, kann man sich in den nächsten Tagen selbst verschaffen: in der 23. „Ausstellung im Tresor” in Albert Sous’ Kuppelbau an der Ravelsberger Straße in Würselen.

Die Präsentation seiner neuen Schmuckarbeiten dauert zwar nur drei Tage (1., 2. und 3. Oktober, 11 bis 19 Uhr), doch seine Atelier-Ausstellungen fanden bislang immer einen Publikumszuspruch, von dem manche Museen nur träumen können. Innerhalb einer Woche finden sich bei ihm bequem mehr als 1000 Menschen ein.

Der ausufernde Goldpreis zeitigt ästhetische und stilistische Wirkungen: Hauchdünnen Goldblättern verleiht Sous durch eine spezielle Prägetechnik ungeahnte Stabilität, wenige Gramm davon formt er zu plastischen Reliefs, figürlichen Torsi oder Dessous. Er nennt sie „Körperhüllen” - technisch knüpft er dabei an die Meisterschaft der Etrusker und alten Ägypter an.

Ausstellung „Ein Hauch von Gold” im Tresor, Atelier Albert Sous, Würselen, Ravelsberger Straße 8. Am 1., 2., und 3. Oktober, 11-19 Uhr, Tel. 02405/91697.
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