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Auch für Erwachsene: „Kinderkönigreich“ im Lufo

Von: Eckhard Hoog
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Hier darf ab 1. Juni gemalt werden: In einem rein weißen Raum im Aachener Ludwig Forum kann sich jedermann, ob Klein oder Groß, künstlerisch betätigen, auch auf dem Boden. Direktorin Brigitte Franzen: „Jeder soll sich hier befreit und wie ein Kind fühlen.“ Foto: Andreas Herrmann
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Seit zwei Tagen sind sie mit ihrem goldenen Bus in Aachen, um das „Kinderkönigreich“ im Ludwig Forum mit zu errichten: Künstler der polnischen Gruppe „Reactor – Sculpture Lab“ um Pawel Althamer.

Aachen. Pinsel, Stifte, jede Menge Farbe – alles steht bereit, damit die erwachsenen Besucher des Ludwig Forums sich wieder wie Kinder fühlen können und nach Herzenslust malen, zeichnen, schreiben können, was ihnen so gerade in den Sinn kommt. Und diejenigen, denen ein solches Gefühl altershalber ohnehin noch nicht fremd sein kann, die überhaupt primär angesprochen sind, sie sollen sowieso munter drauflos werkeln: Kinder – in einem komplett weißen Raum im Zentrum des Museums. Jedermann ist dazu eingeladen. „Zeichnerkongress“ nennt der polnische Künstler Pawel Althamer diesen Teil seines großen Projekts „Kinderkönigreich“, das als Programmbeitrag zum Karlsjahr 2014 am 1. Juni im Aachener Ludwig Forum eröffnet wird.

Über vier Monate wird das Haus zu einem solchen „Kinderkönigreich“ umgestaltet – unter Mitwirkung Hunderter Kinder, aber auch mit Einladung an alle kreativ gestimmten Erwachsenen, einfach mitzumachen bei Workshops und Aktionen. „Das wird den ganzen Sommer über ein einziges Happening“, freut sich die Direktorin, Brigitte Franzen, schon jetzt über die sagenhafte Resonanz bei den Schulen in der Region. Der Veranstaltungskalender des Projekts listet vom 1. Juni bis zum 21.September für beinahe jeden Tag ein anderes Highlight auf.

Vier große Bereiche stehen dabei im Mittelpunkt. Der „Zeichnerkongress“ vermittelt gewissermaßen als Einstieg ins Thema und symbolisch, was Kindsein idealerweise bedeutet: Freiheit und Ungezügeltheit. Und ganz nebenbei auch die Beuys‘sche Einsicht: „Jeder Mensch ist ein Künstler.“

Soeben ist in New York, im New Museum, Althamers erste US-Re-trospektive zu Ende gegangen. Auch dort stand dieser weiße Raum als Einladung an alle Besucher im Mittelpunkt, das hieß dort „Draftsmen’s Congress“ und war der große Publikumsrenner.

Wie bei den Konzeptkünstlern geht es Althamer vor allem um Ideen und soziale Prozesse und weniger um Medien wie Malerei oder Skulptur. Seine Arbeiten entstehen aus dem tief empfundenen Bedürfnis heraus, mit Menschen Verbindungen einzugehen und Räume zu schaffen, die den zwischenmenschlichen Austausch fördern. Sein ureigenes Medium ist die „soziale Skulptur“.

„Offene Akademie“

So geht es auch im zweiten Bereich eher um das Miteinander als um die Aktion selbst: dem Künstlerprogramm „Offene Akademie“. Drei Aachener Künstlerinnen und Künstler – Johanna Roderburg, Vera Sous und Martin Schmidl – führen in Workshops in die Künste der Ölmalerei, der Skulptur und der Zeichnung ein. Angesprochen sind Menschen ab 14 Jahren, die jederzeit einsteigen können, sich nicht anmelden und lediglich zehn Euro mitbringen müssen.

Das eigentliche Thema kommt aber wohl eher im dritten Bereich zum Tragen: „Kinderkönigreich – eine wachsende Ausstellung“. Kinder und Jugendliche von bislang 35 Kooperationsschulen und Erziehungseinrichtungen haben bereits Beiträge zum Thema künstlerisch gestaltet, zum Beispiel „Wunschpaläste“ aus Pappe gebastelt; andere werden täglich in der großen Halle ihre Arbeiten fortsetzen. So wächst die Schau – auch mit den Ergebnissen aus den Workshops – stetig an. Das Programm ist dabei keineswegs geschlossen – Eltern, Kinder, Lehrer, Schulklassen, alle können mitmachen. Einfach hingehen oder anrufen!

Eines der Highlights in der „wachsenden Ausstellung“ dürfte der Film „König Hupf“ darstellen, den fünf- und sechsjährige Kinder der Städtischen Kita Aachener Straße, zwei Erzieherinnen und eine Museumspädagogin des Ludwig Forums gedreht haben. Vorlage war das Buch „König Hupf der I.“ von Helme Heine. Die selbst entwickelten Szenen wurden Mit–te Mai im Ludwig Forum vollendet, Kulissen und Kostüme in der Museumswerkstatt gebaut, das Stück anschließend im Museum aufgeführt und als Video aufgezeichnet, wie Mitkuratorin Esther Boehle erzählt. Film und Requisiten sind nun Teil der Ausstellung.

Interessierte Lehrer, die mit ihren Schülern noch am „Kinderkönigreich“ mitwirken möchten, sind zu einer zweistündigen Informationsveranstaltung eingeladen. Termin: Montag, 2. Juni, 16 Uhr, im Ludwig Forum. Anmeldung: entweder Telefon 0241/1907120 oder per E-Mail unter julia.kuechle@mail.aachen.de.

Mit ihrem goldenen Bus sind vor zwei Tagen Künstler der Gruppe „Reactor – Sculpture Lab“ um Pawel Althamer aus Warschau eingetroffen, allesamt Absolventen der Warschauer Kunstakademie. Sie wollen im vierten Bereich zusammen mit Kindern eine Schirm-Skulptur bauen, die am Ende als verwinkelte Höhle bekriechbar sein soll. Die künstlerissche Arbeit der Gruppe ist geprägt von Gemeinschaftsprojekten. Sie arbeitet mit Kindern und vielfach auch mit Menschen zusammen, die am Rande der Gesellschaft stehen.

Aber all das ist längst nicht alles, was Besucher und Akteure des „Kinderkönigreichs“ erwartet: Es gibt noch Tanz-, Video- und Sommerferien-Workshops, eine Fete im Park (19. Juli), Aktionen im Museumsgarten, Performance in St. Elisabeth, Kinoprogramme für Erwachsene und Kinder, Vorträge und Gespräche, ehe zum Höhepunkt am 14. September auf der gesperrten Jülicher Straße die große Parade stattfindet. Motto: „Goldene Zeiten“.

Inspiriert von „Hänschen I.“

Das Projekt, das sich ausdrücklich nicht nur an Kinder, sondern mit seinem Thema „Kindheit“ auch an Erwachsene richtet, ist das größte dieser Art, das Althamer laut Brigitte Franzen jemals durchgeführt hat.

Inspiriert ist das Ganze literarisch – vom Kinderbuch eines Landsmannes Althamers: „König Hänschen I.“ des Schriftstellers und Arztes Janusz Korczak (1878-1942). In der Geschichte wird ein kleiner Junge neuer König seines Landes – und muss am eigenen Leib erfahren, welche Chancen, aber auch welche Gefahren Macht mit sich bringt, wenn nicht Verantwortungsbewusstsein, sondern Egoismus und Willkür die Entscheidungen leiten.

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