„Amadeus” in Mönchengladbach: Das Hohelied der Mittelmäßigkeit

Von: Armin Kaumanns
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Der eine strampelt, der andere lamentiert: Adrian Linke als Salieri (li.) und Ronny Tomiska als Mozart am Theater Mönchengladbach. Foto: Stutte

Mönchengladbach. Das Hohelied der Mittelmäßigkeit, in Peter Shaffers „Amadeus” ist es gesungen. Ja, dieser Hofkompositeur Salieri, der schmerzlich erkennen muss, dass einzig Mozart gottgeliebt ist - dieser Salieri lamentiert drei Stunden lang auf der Bühne des Mönchengladbacher Theaters mit dem Blick des Todgeweihten über sein und Mozarts Leben.

Hier der mediokre Handwerker und machtversessene Musikfunktionär, dort der unangepasste, infantile Amadeus, der aus seinen finanziell jämmerlichen Lebensumständen Funken unsterblicher Musik schlägt. Shaffers Stoff hat Milos Forman vor 25 Jahren kongenial verfilmt, Reinhardt Frieses Inszenierung in der Theater-Ausweichstätte TiN kupfert reichlich ab, ein dramatischer Bogen kommt nur zäh zustande. Trotzdem erreicht der Abend sein Publikum, das am Ende stehend applaudiert.

Das Stück müsste „Salieri” heißen, hat der doch viertelstundenweise die Bühne ganz für sich und erzählt und erzählt. Adrian Linke füllt die riesige Rolle körperlich sehr präsent aus. Sein Neid, seine Eifersucht, sein Hass auf den immer vor Lachen quiekenden Mozart (Ronny Tomiska) treibt ihn soweit, den Widersacher nicht nur gesellschaftlich und finanziell zu ruinieren, psychisch an den Rand des Wahnsinns zu treiben, sondern auch noch zu vergiften.

Linke stattet die Figur mit einer gequält rauen Stimme aus, die mehr die Laute hervorpresst als die Sprache zu gestalten. Das allerdings hat etwas, das viele im Saal in den Bann schlägt. Ja, Linkes Salieri ist ein faszinierendes Bühnenwesen.

Frieses Regie erschöpft sich allerdings im Bedienen des Publikums. Verliebt in eine Drehbühne, die von schwarzen Männern bedient wird, spult er die Szenen ab. In der Mitte ein Klavier auf dem Kopf, umstanden von einer Kachelwand, die Mozart in Pop-Art-Manier zeigen kann, aber auch Projektionsfläche für blutig rotes oder tödlich schwarzes Licht ist. Einmal quillt gar Blut aus der Zeitung. Zu sehen ist ein von Annette Mahlendorf hübsch konventionell bis ironisch kostümiertes Ensemble, in dem Tomiska einen unterhaltsam ausgelassenen Amadeus gibt, Floriane Kleinpaß als sein Weibchen Konstanze im transparenten Reifrock herumturtelt, Joachim Henschke dem Kaiser Joseph reichlich Fülle verleiht.

Leider bleibt der musikalische Teil der Inszenierung - unentwegt erklingt Mozarts Musik aus dem Off, wenn Salieri Partitur liest oder Amadeus komponiert - unbefriedigend. Musikalisch ist Frieses Inszenierung nicht. Aber sie verschenkt wenigstens die Pointen nicht. Eine lautet: Musik ist einfach, die Ehe schwierig.

Peter Shaffers „Amadeus” ist noch am 15., 21. und 22. Mai, 27. Juni sowie am 1., 4., 9., 14. und 17. Juli im Theater im Nordpark in Mönchengladbach zu sehen.

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