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Accordate: Verlassener Liebhaber lässt Gefühlen freien Lauf

Von: Alfred Beaujean
Letzte Aktualisierung:

Aachen. Der Musikfreund muss sein Gedächtnis strapazieren, wenn er sich an den letzten in Aachen stattgefunden Liederabend von Rang erinnern will. Was einst zum lebendigen Musikleben gehörte, ist leider Rarität geworden.

Um so erfreulicher, dass es den „Accordate”-Aktiven gelang, mit Christoph Pregardien den neben Thomas Quasthoff heute hervorragendsten deutschen Liedgestalter nach Aachen zu holen. Und noch erfreulicher, dass fast 800 Musikbegeisterte den Krönungssaal des Rathauses bis auf den letzten Platz füllten.

Prégardien stellte neun wenig bekannte Lieder Schuberts nach Gedichten von Ernst Schulze Schumanns „Dichterliebe” nach Heinrich Heine gegenüber, wobei die Schubert-Lieder sich zu einer Art Zyklus formten: hier wie dort das ewig-romantische Thema des verlassenen Liebhabers. Aber welcher Unterschied: bei Schubert-Schulze die Unmittelbarkeit der Aussage, bei Schumann-Heine die zwiespältige Gebrochenheit, wie sie für die Persönlichkeit des Komponisten wie des Dichters bezeichnend war.

Sehr einfühlsam

Prégardien geht dem mit unheimlicher Einfühlsamkeit nach, sein heller, makellos geführter Tenor durchmisst das ganze Spektrum lyrischer Ausdruckskunst, ohne dabei zu aufgesetzten oder deklamatorischen Mitteln zu greifen. Alles, die zarte Lyrik wie der dramatische Ausbruch, wird aus der strömenden melodischen Linie gewonnen, und das bei größter Textverständlichkeit. Das ist - vor allem bei Schumanm - nie aufdringlich und geht gerade des-halb unter die Haut.

So etwas ist natürlich nur mit einem kongenialen Mitstreiter am Flügel wie Ulrich Eisenlohr zu machen, der insbesondere die reiche Klavierpoesie Schumanns wunderschön aufblühen ließ, soweit das unter den akustischen Gegebenheiten des Krönungssaales möglich ist.

Wobei man einmal mehr die traurige Tatsache konstatieren musste, dass die „Musikstadt” Aachen für eine Veranstaltung von derart exzeptionellem Rang keinen zulänglichen Raum besitzt. Der Ruf nach dem Haus für Musik darf nicht verstummen.
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