Aachen - Abenteuer im Land der Rumpelwichte

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Abenteuer im Land der Rumpelwichte

Von: Eckhard Hoog
Letzte Aktualisierung:
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An Bühnenzauber mit Dampf und Funken wird in „Ronja Räubertochter” im Theater Aachen nicht gespart - aber in Maßen: Die Premiere mit Nadine Kiesewelter in der Titelrolle und Felix Strüven als Räubersohn Birk endete am Freitag mit grenzenlosem Jubel des kleinen Publikums. Foto: Ludwig Körfer

Aachen. Die Rumpelwichte sind die heimlichen Helden im neuen Familienstück des Aachener Theaters: Putzig tauchen die knuddelig pelzigen Fantasiewesen im tiefsten Forste auf, umkurven Ronja und Konsorten.

Sie piepsen aus einem clownigen Gesicht ein neugieriges „Wieso? Wieso?” heraus und greifen auch schon mal - wenn sie gut in Stimmung sind - zur Waldgitarre.

Die Bühnenversion von Astrid Lindgrens Klassiker „Ronja Räubertochter” hatte in der Inszenierung von Cordula Däuper Premiere. Welch eine Begeisterung - das kleine Publikum brüllte sich am Ende die Seele aus dem Leib.

Wenigstens ein sehnlichst herbeigerufener Zugabe-Wunsch wurde erfüllt mit dem Lied des Tages: „Wie sind die Räuber, das sind wir, essen Fleisch und trinken Bier...” Draußen warteten schon die Busse.

Glühende Augen

Mit Bühnenzauber wird diesmal nicht gespart im früher „Weihnachtsmärchen” genannten Kinderstück des Theaters Aachen. Wenn sich Ronja (Nadine Kiese-walter), Tochter des Häuptlings der Mattis-Bande, und Birk (Felix Strüven) von der konkurrierenden Borka-Gang vor ihren streitenden alten Räubervätern im Wald verstecken, dann droht jede Menge Gefahr: Graugnomen mit glühenden Augen entsteigen auf geheimnisvolle Weise dem Boden; und richtig gefährlich wird es, wenn die fliegenden Wilddruden ihre Fänge ausfahren.

Da wabern die Dämpfe und sprühen die Funken - aber alles in Maßen. Wenn die ganze Aufregung den Höhepunkt erreicht, folgt zur Beruhigung wieder ein stimmungsvolles Lied zur Nacht - das der heulenden Wölfe zum Beispiel. So erlebt der kleine Zuschauer ein wohldosiertes Wechselbad der Gefühle in einer stimmigen, geradlinig erzählten Geschichte mit vielen lustig-kernigen Typen.

Die Mattis-Burg, der tiefe Wald im tageszeitlich wechselnden Licht - das liebevoll gestaltete Bühnenbild von Jochen Schmitt, treffend illuminiert von Pascal Moonen, zaubert ein herrlich fantasieanregendes Räuberwelt-Panorama auf die Bühne.

Und die Typen sind zum Kringeln: Allen vor-an der komische Glatzen-Per, zum Totlachen witzig und selbstironisch dargestellt von Joey Zimmermann, der alle Voraussetzungen für seine dankbare Rolle bestens mitbringt.

Atemlose Stille herrscht im Saal, als Mattis verbreitet, keine Tochter mehr zu haben, nachdem Ronja mit einem kühnen Sprung über die Höllenschlucht sich selbst in die Hände der gegnerischen Räuberbande begeben hat, um den Plan des Vaters zu vereiteln, ihren Freund Birk als Geisel zu nehmen. Derart vom Vater verstoßen zu werden - das geht Menschen ab sieben offensichtlich ganz schön unter die Haut.

Ab da wird es richtig spannend - zum Glück übermannt den Räuberhauptmann die Liebe zur Tochter, und er spricht das Zauberwort aus: „Bitte, komm zurück!” Aber bis dahin sind für Ronja und Birk im Wald der Druden und der Gnomen noch einige Abenteuer zu überstehen.

Damit der Zuschauer auch nicht vergisst: „Alles bloß Theater”, werden die schönen Lieder mit der Gitarre (Musik: Malcolm Kemp) sichtbar auf der Bühne begleitet.

Und mit welch unscheinbaren, aber genialen Hilfsmitteln man im Theater die unterschiedlichsten Vogelstimmen nachahmen kann, das bekommt der kleine Zuschauer gleichfalls vorgeführt.

Gleichsam im Vorübergehen des Spiels und heimlich schleichend vermittelt sich die sympathische Botschaft, dass streiten nichts nutzt und miteinander sprechen allemal viel besser ist - ganz im Sinne der großen Autorin, die hier eine spannende und Spaß machende Umsetzung ihrer schönen Geschichte erfährt.

Und am Ende gibt es noch eine faustkämpferische Stunt-Einlage, die es in sich hat - sitzen ab sieben Jahren eigentlich doch sowieso schon die Großen im Publikum. Die können das vertragen.

Die Darsteller geben ihr ganzes Herzblut dahin, allein Nadine Kiesewalter in der Rolle der Ronja zu erleben, ist ein Gedicht - zum Verlieben. Unbeschreiblich, was sie aus der Lindgren´schen Figur alles herauskitzelt.

Die ist nicht nur frech, aufmüpfig, schlau, raffiniert, temperamtenvoll sowieso und hat ein großes Herz - sondern einfach nur süß, und das ist das Schwerste von allem!

Felix Strüven spielt den Birk hinreißend vergnüglich leicht und locker, und Rainer Krause endlich mal genial als Räuberhauptmann mit Herz zu sehen, ist eigentlich überfällig. Joey Zimmermann als Glatzen-Per - keine Frage - erntet verdienten Szenenapplaus, als er auf seinem Rollator unverhofft Gas gibt.

Im Übrigen ist das gesamte Ensemble ein Erlebnis: Bettina Scheuritzel als Lovis genauso wie Thomas Hamm als kerniger Borka, Elke Borkenstein als Undis genauso wie Jürgen Esbach als Klein Klipp.

Beifall und Jubel, die nicht enden wollen.

„Ronja Räubertochter” nach Astrid Lindgren im Theater Aachen. Weitere Vorstellungen bis zum 24. Februar. Die Vorstellungen für Schulklassen sind weitgehend ausverkauft, für Familien gibt es aber noch Karten.

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