Aachen - Abdullahs grandioser Einstand als Mahler-Dirigent

Abdullahs grandioser Einstand als Mahler-Dirigent

Von: Pedro Obiera
Letzte Aktualisierung:
Kazem Abdullah
Kazem Abdullah und das Aachener Orchester ernteten stehende Ovationen

Aachen. Mit stehenden Ovationen bedankte sich das Publikum des 5. Sinfoniekonzerts im gut besuchten Eurogress für eine rundum gelungene Interpretation von Gustav Mahlers 5. Sinfonie. Ein grandioser Einstand von Kazem Abdullah als Mahler-Dirigent, mit dem sich sein ehrgeiziger Plan, in der nächsten Spielzeit die noch komplexere 3. Sinfonie in Angriff zu nehmen, ruhigen Gewissens vertreten lässt.

Mahler und erst recht dessen populäre „Fünfte“ gehören mittlerweile zum Standardrepertoire des Aachener Sinfonieorchesters, was die Probleme und Schwierigkeiten des Werks nicht aus dem Weg räumt. Bei allem Respekt vor der Leistung von Abdullahs Vorgänger Marcus Bosch: Als Mahler-Interpret konnte er nicht immer überzeugen. Die Aufschreie und Stilbrüche der Musik versuchte Bosch quasi mit der akustischen „Brechstange“ hörbar zu machen. Das Ergebnis war ein oft schrilles, unausgewogenes Klangbild, angetrieben von hektischer Unruhe.

Genau diese Fehler vermeidet Abdullah. Das Werk erklingt unter ihm druckvoll, mächtig, vorwärtsdrängend, dabei immer kontrolliert. Er schlägt Tempi an, die den Fluss der Musik nicht stören und gleichzeitig jedes Detail hörbar werden lassen. Das Klangbild bleibt auch in den dynamischen Höhepunkten transparent. Was die problematische Balance zwischen Streichern und Blech angeht, kann zwar auch Abdullah keine Wunder vollbringen. Aber so gut, rund und plastisch hat man Mahler im Eurogress lange nicht mehr hören können.

Erstklassige Sopranistin

Es sind allenfalls Details, über die es sich streiten lässt. Etwa das sehr langsame Tempo des berühmten Adagiettos, das die Musik in sentimentale Gefilde abzudrängen droht, auch wenn es in Leonard Bernstein ein berühmtes Vorbild findet. Immerhin vermag das Aachener Sinfonieorchester auch diese Längen ohne Spannungsabfälle zu formen. Kurzum: Das Orchester präsentierte sich in Top-Form, begeisterte durch exzellente Soli nicht nur in Trompete und Horn und beeindruckte im Gesamtaufriss durch Leuchtkraft, Volumen und spieltechnische Versiertheit.

Vorzüge, die auch den feinen Orchesterpart in Alban Bergs kostbaren, leider viel zu selten zu hörenden „Fünf Liedern nach Ansichtskartentexten von Peter Altenberg“, den „Altenberg-Liedern“, bestimmten. Die filigranen Stimmverläufe, die fein dosierten expressiven Ausbrüche und nicht zuletzt die gleißenden Klangfarben kehrten Abdullah und sein Orchester makellos heraus. Eine perfekte Kulisse für die nicht minder überzeugende Sopranistin Aman- da Majeski, die die schwierigen Gesänge scheinbar mühe- und schwerelos gestaltete. Ohne Forcieren gelangen der Amerikanerin die kniffligsten Aufschwünge, und es blieb ihr angesichts ihrer erstklassigen technischen Voraussetzungen genügend Freiraum für eine durchdachte Gestaltung der Textinhalte, die erheblich mehr enthalten als banale Ansichtskartenfloskeln.

Zuvor gab es einen hochromantischen Einstand mit Alban Bergs „Sieben frühen Liedern“, die durch die etwas dickliche, wenn nicht gar schwülstige Orchesterfassung nicht unbedingt an Klasse gewinnen. Was den Rang der auch hier hochwertigen Interpretationen nicht schmälern soll.

Rundum berechtigter Beifall für alle Beteiligten.

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