Zacherl Freisteller

Aachener Maler macht in Petersburg Furore

Von: Eckhard Hoog
Letzte Aktualisierung:
Wie altmeisterliche Fresken wi
Wie altmeisterliche Fresken wirken viele seiner Bilder: Eric Peters in seinem Aachener Atelier. In St. Petersburg wurde er jetzt wie ein Star gefeiert. Foto: Andreas Herrmann

Aachen/St. Petersburg. „Die haben den ganz großen Teppich ausgerollt.” Noch immer staunt Eric Peters über den kolossalen Aufwand, mit dem seine Gastgeber ihn in St. Petersburg zur Begrüßung bedacht hatten.

Drei TV-Teams, darunter das Erste Russische Fernsehen, und Hunderte Journalisten belagerten den Raum zur Eröffnungspressekonferenz, teppichgroße Plakate verkündeten seit Wochen in der ganzen Stadt: Das Staatliche Russische Museum präsentiert das Werk von Eric Peters. Und am Tag der Vernissage selbst musste die halbe Straße vor dem Marmorpalast abgesperrt werden, so groß war der Ansturm.

Ein Aachener Maler macht Furore an der Newa - und wie! Und wo! Was für eine Adresse: Vier Paläste belegt das Russische Museum in St. Petersburg, 315.000 Werke nennt es sein Eigen sowie sage und schreibe 2000 Mitarbeiter, die 500 Menschen vom Bewachungspersonal noch nicht einmal mitgerechnet.

Der Künstler empfand die Eröffnung durchaus als Ausnahmesituation. Irgendjemand drückte ihm plötzlich ein Mikrofon in die Hand: „Da habe ich erst erfahren, dass ich auch sprechen sollte. Eine ziemliche Ehre, die haben sich echt ins Zeug geschmissen.”

Dabei ist der 58-Jährige eigentlich einiges gewöhnt, was die Begeisterung des Publikums für seine Bilder angeht. In den USA hat er Fans unter den Sammlern, die können es gar nicht erwarten, bis „ihr” Maler endlich wieder ein Gemälde fertiggestellt hat. Aber das dauert - lange, sehr, sehr lange......

Monumentales Format

Wir sind zu Besuch bei Eric Peters in seinem Haus im Frankenberger Viertel in Aachen mit den allseits beliebten Straßenzügen und Gebäuden aus der Gründerzeit. Der Japanische Garten mit Teich, sprudelndem Brunnen und Buddha-Büste macht augenfällig: endlich mal ein Künstler, der von seiner Arbeit leben kann - und das offensichtlich sogar gut. Eine steile Eisentreppe führt ins Obergeschoss eines weitläufigen Hinterhofbaus - das Atelier.

Halbfertige Bilder warten auf Staffeleien und Tischen auf ihre Vollendung. Porträts, Stillleben, Tiere, Nashörner, das Gesicht der mexikanischen Künstlerin Frida Kahlo über dem Kopf eines Hirsches - all das zumeist in monumentalem Format und wie in altmeisterlicher Manier eines Vermeer oder Rembrandt auf den Malgrund gezaubert. Wären da nicht jene sehr seltsamen und irritierenden Motiv- und Objekt-Arrangements, die einer skurrilen Fantasie entsprungen zu sein scheinen, voller Symbolik, Ironie und verschlüsselter Rätsel - man könnte fast meinen, ein alter holländischer oder italienischer Meister hätte hier im Hinterhof der Aachener Bismarckstraße seine Zeit bis heute überdauert.

Die technische, die malerische Meisterschaft, die hier zum Zuge kommt, raubt einem den Atem - kein Wunder, dass Eric Peters mit seinen Bildern in St. Petersburg, Rio de Janeiro und Houston solch einen Wirbel ausgelöst hat. Man mag es kaum glauben: Der gebürtige Stolberger hat nach seinem Design-Studium an der Fachhochschule Aachen als Mode-Designer angefangen. „Als junger Mann ist man immer auf der Suche”, erklärt er selbst seine berufliche Mutation. Irgendwann, nach Umwegen über ab-strakte Phasen, hat er es dann gemerkt: „Dass ich so malen kann.” Und war selbst überrascht - märchenhaft.

Eric Peters deutet auf einen riesigen Tisch: Gut und gerne zwölf Quadratmeter misst darauf ein milchig-weißes, aus mehreren Schichten bestehendes, rund ein Zentimeter dickes Rechteck mit rauer Oberfläche - der Malgrund, auf dem das nächste Gemälde entsteht. Später klappbar wie ein dreiflügeliger Altar - damit man es noch transportieren kann. Es ist für das Russische Museum in St. Petersburg bestimmt, erklärt der Künstler. Die Ausstellung dort geht in diesen Tagen zu Ende, doch das Museum will ein Bild behalten. Und weil Peters die 59 präsentierten Gemälde - die im Übrigen aus Platzgründen und wegen ihres riesigen Formats zur Hälfte in der Petersburger Lazerev-Galerie gezeigt werden -, nicht selbst, sondern verschiedenen Privatsammlern gehören, muss er eben ein ganz neues schaffen.

Das Nicht-Sagbare

Über das Motiv spricht Eric Peters grundsätzlich nicht. „Wenn man die Idee in Worte fasst, ist sie auch schon weg”, meint er. Kunst, das ist für ihn die Realisierung des Nicht-Sagbaren. Nur so viel mag er verraten: „Manche Ideen gründen auf Erlebnissen, die Jahre zurückliegen.” Und: Das Motiv sei für ihn eigentlich gar nicht wichtig. „Entscheidend ist die Malerei.” So hat er zuletzt in beinahe unendlicher Zahl das Porträt der Nofretete immer wieder aufs Neue variiert. „Die letzten zweieinhalb Jahre hab’ ich nichts anderes gemacht.”

Nofretete - ein Name mit Symbolkraft: „Die Schöne ist gekommen.” Eric Peters lotet sie aus, die Möglichkeiten der Schönheit, unermüdlich, bis zum Exzess. Und das mit Hilfe von Mitteln, die dem Laien die Haare zu Berge stehen lassen: Er malt nicht wie die Kollegen mal eben auf einer fertigen Leinwand - nein, die nutzt er nur als möglichst dichten, wasserfesten Untergrund, um darauf zunächst gröbste Böschungsmatten, die man sonst im Landschaftsbau verwendet, und Schicht um Schicht flüssiges Papier aufzutragen. Er liebt Papier. Wenn alles trocken ist, beginnt das eigentliche Werk. Und nun kommt das Allerhaarsträubendste: Zwölf Quadratmeter große, echte Gemäldeschinken malt der Mann überwiegend mit winzigen, spitzen Pinseln.

Die Engelsgeduld, mit der er sich Millimeter für Millimeter über bis zu acht Monate an einem Bild abarbeitet, hat ihre Ursache: „Jeden Tag beginne ich mit einem 40 Minuten bis zu einer Stunde dauernden - sagen wir - Training.” Peters betreibt Yoga, er meditiert. Beigebracht haben ihm das zwei tibetanische Mönche, die vor Jahren das Pub-likum tagelang im Aachener Ludwig Forum mit der Herstellung eines Sand-Mandalas fasziniert hatten.

Der Kreis hat sich nun auf wunderbare Weise geschlossen: Die Schau in St. Petersburg mit angeregt hat die Peter und Irene Ludwig Stiftung, namentlich deren wissenschaftliche Mitarbeiterin Barbara Thiemann. 1994 wurde im Russischen Museum St. Petersburg ein Museum Ludwig gegründet.

Eric Peters blickt indessen bereits aufs nächste Jahr voraus: Dann ist Texas an der Reihe mit einer Ausstellung.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.