Aachener Krönungssaal erlebt eine Sternstunde der Kammermusik

Von: Thomas Beaujean
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Aachen. Mit dem Auftritt des Pacifica Quartets erlebten die Zuhörer im wieder einmal vollbesetzten Krönungssaal des Aachener Rathauses einen Auftakt der neuen Saison der Kammermusikreihe Accordate, wie er spektakulärer nicht hätte ausfallen können.

Die vier jungen Amerikaner entpuppten sich als Streichquartett-Formation von absoluter Weltklasse, die zu Recht mit Preisen überhäuft und Grammy-ausgezeichnet sind.

Ein frühes und ein mittleres Beethoven-Quartett umrahmten das 5. Streichquartett des über hundertjährigen Nestors der amerikanischen Musik, Elliott Carter. Schon die Wiedergabe von Beethovens B-Dur-Quartett op. 18 Nr. 6 demonstrierte nicht nur die überragende spieltechnische Qualität dieses Ensembles, sondern auch einen geradezu überbordenden Gestaltungswillen. Da wurde nahezu jede Phrase auf ihren Gestaltungsgehalt abgeklopft und mit feinsten dynamischen und agogischen Nuancierungen umgesetzt. Das war bei dem frühen, noch Joseph Haydn verpflichteten Werk fast zu viel an Differenzierung, ohne dass es willkürlich oder maniriert gewirkt hätte.

Vor allem die Primaria Simin Ganatra erwies sich dabei als eine Musikerin von mitreißendem Musiziertemperament, spieltechnisch absolut makellos und bei allem Risiko des spontanen Musizierens immer souverän. Ihre Partner Sigurbjörn Bernhardsson, Masumi Per Rostad und Brandon Vamos standen ihr kaum nach, wenngleich die wesentlichen Impulse von der Primaria ausgingen.

Dieser Musizierstil, der verbunden ist mit einem phänomenalen Zusammenspiel, bei dem aber auch jede klangliche Nuance abgestimmt ist und von den Spielpartnern nachvollzogen wird, kam der Wiedergabe des 3. Rasumowsky-Quartetts C-Dur in geradezu idealer Weise entgegen.

Die genauestens austarierte Klangbalance, die Durchsichtigkeit des Klangbildes, die die Binnenstrukturen des komplexen Werks optimal ausleuchtet, verbunden mit einer Intensität des Musizierens, die auf das Publikum übersprang: Hier war eine Sternstunde der Kammermusik zu erleben, die ihren Höhepunkt in der atemberaubenden Wiedergabe der Schlussfuge des zweiten Beethoven-Quartetts erfuhr: So virtuos, dabei klanglich jederzeit genauestens austariert, so locker hingelegt hört man das nur ganz selten.

Einen schärferen Kontrast als Carters vielsätziges, klanglich und motivisch aufgesplittetes 5. Streichquartett hätte kaum gesetzt werden können. Da fällt es schwer, beim ersten Hören kompositorische Strukturen auszumachen. Der Wechsel von punktuellen Klängen und expressiven, kurzen melodischen Linien wurde vom Pacifica Quartett in kompetenter und gestalterisch kongenialer Weise umgesetzt.

Für die Standing Ovations eines hingerissenen Publikums bedankten sie sich mit der Zugabe eines Schostakowitsch-Satzes.
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