Eupen - 7200 Besucher genießen den Eupen Musik Marathon

7200 Besucher genießen den Eupen Musik Marathon

Von: Jan Mönch
Letzte Aktualisierung:
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Gehören noch lange nicht zum alten Eisen: Foreigner. Auf sechs Bühnen bot am Wochenende der 18. Eupen Musik Marathon den Musikfreunden alles, was das Herz begehrt. Und das Wetter spielte erstaunlicherweise auch noch mit. Foto: Edgar Kleinert und Martin Felder

Eupen. So wie Jan Phillip Eißfeldt ging es am Wochenende einigen. „Wir genießen es hier sehr, die letzten zwei Tagen waren wir auf Festivals, wo es geregnet hat”, sagte der Hamburger Musiker, besser bekannt unter dem Pseudonym Jan Delay.

Die Macher vom Eupen Musik Marathon jedenfalls richteten so einige ungläubige Blicke gen Himmel. Denn während Nordrhein-Westfalen und auch die Aachener Region von Unwettern überzogen wurden, sahen die Gemüter in Eupen sich zwei Tage lang von kaum mehr als einem Nieselregen behelligt.

Swing auf der Klötzerbahn

Kurzum: Die 18. Auflage des Spektakels ging trockenen Fußes über die sechs Bühnen. Und auf denen schlug der Veranstalter Chudoscnik Sunergia den Fächer der Musiklandschaft in seiner ganzen bunten Pracht auf - und wenn Andy Kockartz, Ren Janssen, Marc Cürtz, Daniel Rauw und ihre vielen Helfer am Werk waren, dann ist das keine hohle Phrase.

Auf der Klötzerbahn hießen die Protagonisten Jazz und Swing, während auf dem Hof der Regierung das Augenmerk auf kindgerechtes Programm gerichtet war. Im Stadtpark gaben sich die Elek-tropopper Se-or Torpedo, das Kocani Orkestar vom Balkan sowie Ad Bantu und die Afrobeat Academy die Klinke in die Hand.

Die beiden Eupener Kirchen wiederum warteten gemäß dem Ambiente mit Klassik auf, und auf der Hauptbühne am Werthplatz schließlich durften sich Sonntagabend die großen Namen austoben.

Wie das geht, hatten zuvor die Aschaffenburger Edelprolls Boppin´B vorgemacht. „Aus dramaturgischen Gründen wäre es schön, wenn ihr einen Schritt Richtung Bühne macht”, schlug Kontrabassist Didi vor. Denn kaum zwei Dutzend Persönchen hatten sich dorthin verloren. Eine Schande - denn die Truppe ist eine fleischgewordene Liebeserklärung an Rock ´n´ Roll und Outfits der Fünziger.

So wurde eine Lehrstunde darin gegeben, wie man aus dem Nichts eine johlende Menge zaubert - neben einem umfangreichen Repertoire an Coversongs nämlich mit guter Laune, dicker Hose und dem unerschütterlichen Bewusstsein, so oder so cooler als der Rest der Welt zu sein. So konnte Frontmann Michael die Eupener schließlich doch noch willkommen heißen „in der internationalen Gemeinschaft des Rock ´n´ Roll.”

Dass nicht jede Combo dieser Aufgabe gewachsen ist, zeigten später die Indie-Routiniers Muff Potter. Allzusehr verließen die Münsteraner sich auf den Ohrwurmcharakter ihrer Hits. Der Titelsong vom aktuellen Album „Gute Aussicht” geriet angesichts der nur leidlich aktiven Menge ungewollt selbstironisch.

Ganz auf ihren Namen verlassen konnten sich Foreigner. Die Amerikaner haben ihre kommerziell beste Zeit zwar hinter sich. Was nicht bedeutet, dass nur die Älteren sich erinnern, wenn Gassenhauser vom Schlage „Cold As Ice” oder „Juke Box Hero” im Set stehen. Schließlich könnte man dergleichen noch am vergangenen Wochenende im Club gehört haben. Mit einem vielleicht etwas selbstgefälligen, aber rundum gelungenen Auftritt bewiesen die Mannen um das einzige verbliebene Originalmitglied Mick Jones, dass sie nur in der Theorie zum alten Eisen gehören. In der Praxis regiert die Riff-Breitseite.

Den Eupen Musik Marathon aber - keine hohle Phrase - regierte der Headliner: Die Einschätzung von Veranstalter Andy Kockartz („einer der besten Entertainer Deutschlands”) bewahrheitete sich voll und ganz. Jan Delay hätte zweifellos auch als Animateur auf Ibiza, als Clown bei Roncalli oder als Büttenredner Karriere machen können.

Großartige Disco No. 1

Bloß wäre er so nie an die großartige Band Disco No. 1 geraten, die beileibe keine austauschbare Begleitkapelle ist - was sich in Eupen vor und auf der Bühne abspielte, ist mit „Wahnsinn” nur unzureichend beschrieben. Und wenn das Publikum selbst zu einem Cover der Backstreet Boys kein Halten mehr kennt, dann spricht das eine deutliche Sprache.

Eine Frage blieb so aber offen: Wer soll diesen Auftritt beim Eupen Musik Marathon Numero 19 noch toppen? „Jeder Headliner ist zu toppen”, verspricht Andy Kockartz. Bestimmt keine hohle Phrase. Nicht nach 18 Jahren Erfahrung.
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