Oberhausen - 100 Porträts von Marilyn Monroe im Schloss Oberhausen

100 Porträts von Marilyn Monroe im Schloss Oberhausen

Von: Tonia Haag und Carsten Linnhoff
Letzte Aktualisierung:
So entspannt, so gelassen: Lei
So entspannt, so gelassen: Leif-Eric Nygards Aufnahme von Marilyn Monroe in der Ludwiggalerie in Oberhausen. Foto: dpa

Oberhausen. Drei Tage lang hatte der junge Assistent des New Yorker Starfotografen Bert Stern immer wieder neue Filme in die Kamera gelegt. Sein Chef hatte 1962 für die Modezeitschrift „Vogue” ein Sex-Symbol vor der Linse: Marilyn Monroe.

Der Assistent hieß Leif-Eric Nygard. Er war aufgeregt. Seine Eltern wollten nicht glauben, wen sein Chef da fotografierte. In letzter Sekunde traute er sich und fragte die Monroe, ob auch er sie ablichten dürfe. Und Marilyn sagte Ja.

Nygard gelang ein Foto, das zu den Höhepunkten einer Ausstellung in der Ludwiggalerie im Schloss Oberhausen zählt. Das Bild zeigt eine entspannte, fast schläfrige Monroe, die mit dem Kopf hin zum Fotografen auf einem Bett liegt - nackt, das Becken leicht verdreht, um die Scham zu verbergen. „Wir wissen, dass sie eine große Schauspielerin war, aber dieses Foto strahlt eine so große Ruhe und emotionale Gelassenheit aus, das konnte sie so nicht inszenieren”, sagt Ausstellungsmacherin Ina Brockmann. Sie hat mit der Direktorin der Ludwiggalerie, Christine Vogt, die Schau aufgebaut.

Sie zeigen die Monroe aus der Sicht von fünf großen Fotografen. George Barris, Allan Grant, Tom Kelley und besonders Milton H. Greene sowie Bert Stern haben „MM” vor der Kamera immer zu besonderen Momenten verleitet. Christine Vogt: „Die Monroe kam ja aus dem Klischee nicht raus, die sie immer umgeben hat: das blonde Dummchen. Aber die ausgesuchten rund 100 Fotos zeigen Momente, die frei von diesem Klischee sind.”

Die Oberhausener Ausstellung will die vielen Facetten der Monroe zeigen. Vor allem die Bilder ihres Geschäftspartners und engen Vertrauten Milton H. Greene geben Einblicke in das Privatleben der Diva. Hier ist Monroe mit ihrem Mann Arthur Miller zu sehen, dort schwimmt sie im Pool, auf einem weiteren Bild richtet sie ihre Strümpfe. Doch auch das Image des Sexsymbols wird bedient - nicht zuletzt durch die Pinup-Aktbilder von Tom Kelley, die Monroe 1949 anfertigen ließ und die drei Jahre später über die Veröffentlichung in einem Kalender und im „Playboy” in den Spinds zahlreicher Amerikaner landeten.

Bei der Auswahl der Exponate haben die Fotografen oder deren Erben mitgeholfen. So entstand eine Mischung aus Bildern, die der Besucher schon viele Male gesehen hat. Aber auch bisher noch nicht veröffentlichte Momentaufnahmen sind dabei.

Den Schwerpunkt bilden Aufnahmen von Bert Stern, die unter dem Titel „The Last Sitting” bekannt wurden. Die Fotoreihe im Auftrag der „Vogue” machte den Werbefotografen nach Monroes Tod weltberühmt. „Bei all diesen Fotos ist das Motiv wichtig”, erklärt Christine Vogt. Marilyn Monroe wollte durch das Shooting mit Stern einen bewussten Image-Wandel. Sie hatte mit ihrer Produktionsfirma in Hollywood große Probleme und wurde gerade gefeuert. Stern auf der anderen Seite der Kamera beschritt neue Wege in der Modefotografie. Üblich waren zu dieser Zeit Mode-Zeichnungen und -Skizzen in der „Vogue”. Die Schwarz-Weiß-Fotografie war in der Szene eine Revolution. „Und dann wollte die Redaktion nicht so, wie Stern”, erzählt die Kuratorin. Das Lieblingsbild des Fotografen, Marilyn Monroe im Chinchilla-Pelz, wurde nie gedruckt. In Oberhausen ist es zu sehen.

Stern war der Diva in dem drei Tage dauernden Shooting im Juni 1962 im Bungalow 264 des Bel-Air Hotels erstaunlich nahe gekommen. Entstanden seien unter anderem die einzigen Nacktbilder, die Monroe nach ihren frühen Pin- up-Aktbildern habe machen lassen, sagt Christine Vogt. Doch die Nacktbilder waren bei weitem nicht das einzige, was Stern aus dem Shooting mitnahm.

Seine Bilder, die er selbst für die Ausstellung zusammensuchte, zeigen Monroe mit vielen Gesichtern: als unnahbare Diva genauso wie mädchenhaft lachend oder verschlafen aus dem Bett aufstehend. Obwohl es Sterns Auftrag war, Modefotos zu machen, verfolgte er auch ein anderes Ziel: Das eine Foto von der Monroe machen, das die Nachwelt immer mit ihr verbinden wird. Und zumindest er glaubte, es sei ihm gelungen, als er von einer Leiter herab die liegende, lachende Marilyn fotografierte. Im kollektiven Gedächtnis jedoch hat sich das Bild nicht verankert.

Dafür sind bei Sterns Shooting Fotos entstanden, die mehr über Monroe erzählen, als sie es vielleicht beabsichtigt hatte. So ist in Oberhausen etwa ein Bild zu sehen, das den Fotografen und sein Modell gemeinsam auf dem Bett zeigt. Möglich wird dies, weil Stern in einen Spiegel fotografiert, vor dem noch eine letzte Flasche Wein und ein halbleeres Glas zu sehen sind. Das Bild sei „zu später Stunde” entstanden, ist neben der Fotografie zu lesen. Auch von Monroe eigentlich zensierte Fotos hat Stern für die Ausstellung herausgesucht. Bereits nach ihrem Tod hatte er sie veröffentlicht und damit eine Diskussion über Persönlichkeitsrechte ausgelöst.

Marilyn Monroe selbst bekam von der Wirkung der Stern-Bilder in der Öffentlichkeit nichts mehr mit. Sie starb am 5. August 1962, einen Tag vor der Veröffentlichung der Fotoserie.

Die Ausstellung „Marilyn Monroe - In Fotografien von George Barris, Allan Grant, Milton H. Greene, Tom Kelley, Leif-Eric Nygard und Bert Stern - The Last Sitting” ist bis zum 13. Januar in der Ludwiggalerie in Oberhausen, Konrad-Adenauer-Allee 46, zu sehen.

Öffnungszeiten: dienstags bis sonntags von 11 bis 18 Uhr.

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