Verflossener Dipl.-Ing. taucht an der Ostsee wieder auf

Von: Axel Borrenkott
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Aachen. Ernst Schmachtenberg jubiliert. Der Rektor der RWTH hat seinen größtmöglichen Triumph dieses Jahres erreicht.

In Mecklenburg-Vorpommern dürfen sich jetzt Master-Ingenieure wieder Diplomingenieure nennen, wenn sie wollen. Die entsprechende Novelle des Landeshochschulgesetzes wurde vorige Woche verabschiedet. „Dem Landtag ist ein großer Wurf gelungen. Ich gratuliere den Hochschulen in Mecklenburg-Vorpommern”, freut sich Schmachtenberg in seiner Eigenschaft als Präsident der TU9, der Allianz der neun führenden Technischen Universitäten.

Eher entsetzt gibt sich eine bemerkenswerte Allianz aller großen Unternehmer-Verbände und der IG Metall: „Die negativen Konsequenzen für die Akzeptanz der neuen Hochschulabschlüsse Bachelor und Master liegen auf der Hand - zum Schaden der Studierenden, der Hochschulen und der Wirtschaft.”

Dieser Appell kam allerdings zu spät. Zum 8. Dezember hatten die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA), der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI), Gesamtmetall, Nordmetall, die Vereinigung der Unternehmensverbände für Mecklenburg-Vorpommern, der Verein Deutscher Ingenieure (VDI), die IG Metall und der Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft die Landtagsabgeordneten in einem anderthalbseitigen Schreiben - auch im Namen der Fachhochschulen - gewarnt: vor dem „erheblichen hochschulpolitischen Schaden”, den eine Zustimmung zu dieser Gesetzesänderung bedeuten würde. „Schädlich” wäre es, einen solchen „Flickenteppich von Qualifikationen” in Deutschland zu verursachen, der außerdem zu einer „ungerechtfertigten Diskriminierung der meisten Bachelor-Absolventen” führen würde.

„Einmaliges Verwirrspiel”

Während der Deutsche Hochschulverband die Entscheidung des kleinen Bundeslandes - mit 700 Absolventen in Ingenieurstudiengängen - begrüßt, passt sie der Hochschulrektorenkonferenz (HRK) überhaupt nicht. „Ein einmaliges Verwirrspiel” werde in Europa entstehen, warnte die HRK-Präsidentin Margret Wintermantel, vergeblich. Ob Europa das so dramatisch nimmt, wird man sehen. Die diplomfreunliche FAZ nannte das jedenfalls „lachhaft”. Der Bologna-Prozess in Deutschland ist aber zweifellos angeknackst. Vor allem das Verhältnis von Technischen Hochschulen und Fachhochschulen dürfte noch für Zündstoff sorgen.

Schmachtenberg kann sich erst einmal zurücklehnen. Er war es schließlich, der die Kampagne für die Wiederbelebung des Dipl.-Ing. im Januar losgetreten hatte. „Den Landtagsabgeordneten zolle ich Respekt für ihre kompromissfähige Lösung und ihre Standhaftigkeit - trotz aller gegenläufiger Versuche der Einflussnahme.”
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