Aachen - TH-Campus: Anwohner fürchten Blechlawinen

TH-Campus: Anwohner fürchten Blechlawinen

Von: Christoph Classen
Letzte Aktualisierung:

Aachen. Aus politischer Perspektive sind die Campus-Projekte der RWTH an Melaten und Westbahnhof bislang unumstritten. Die Parteien sprechen sich unisono für die gigantische Hochschulerweiterung aus.

Die Stimmungslage bei den Bürgern, insbesondere bei den Anwohnern des Planungsgebiets, ist dagegen weit weniger eindeutig. Viele fürchten, dass der Verkehr vor ihren Haustüren unerträgliche Ausmaße annimmt.

Die Sorgen sind nicht unbegründet. Daraus machte Verkehrsplaner Axel C. Springsfeld keinen Hehl. „Zusätzliche Belastungen wird es geben”, sagte der Experte in der Bezirksvertretung Mitte, in der er sein Verkehrsgutachten zu den Campus-Projekten vorstellte. Allerdings: Selbst wenn die ambitionierten Planungen noch ausgebremst werden, wird auf den umgebenden Straßen zukünftig mehr los sein. Springsfeld prognostizierte, dass Aachen bis 2015 auch ohne die RWTH-Erweiterungen um 4000 Einwohner und 9000 Arbeitsplätze wachsen wird.

Mit der Realisierung der Campus-Projekte werden die Zahlen natürlich größer. Springsfeld rechnet dann mit einer Steigerung der Einwohnerzahl um 9000, die der Arbeitsplätze werde sich um 17.000 erhöhen, wovon je 5000 allein an den beiden Campus-Standorten entstünden.

Sicher ist: Auf den umgebenden Straßen werden die Hochschulerweiterungen zu mehr Verkehr führen. Laut Gutachten wird der Campus Melaten täglich 28.770 Wege und Fahrten, der Campus Westbahnhof pro Tag 37.600 Wege und Fahrten erzeugen. Wird das derzeitige Erschließungskonzept zu Grunde gelegt, bedeutet das für die Halifaxstraße eine Zunahme des Verkehrs um 150 Fahrzeuge in der Spitzenstunde, im Seffenter Weg sind es zur gleichen Zeit 50 mehr. Auf der Ahornstraße würden 50 Autos weniger gezählt.

Springsfeld stellte allerdings auch mehrere Varianten vor, welche die Belastung auf den einzelnen Straßen verändern würden. Bei einer Unterbindung der Zufahrt in den östlichen Seffenter Weg von Westen würde dieser um 150 Autos in der Spitzenstunde entlastet. Im Umkehrschluss bedeutet das aber, dass Halifaxstraße (+ 300), Ahornstraße (+ 100) und auf der Hörn (+ 50) unter teilweise erheblichen Mehrbelastungen zu leiden hätten.

Bei einer Unterbindung der Ausfahrt aus dem östlichen Seffenter Weg in Richtung Melaten oder einer vollständigen Abbindung des östlichen Seffenter Weges für den Individualverkehr ließe sich die Straße sogar um 250 Fahrzeuge entlasten. Für Halifaxstraße, Ahornstraße und Auf der Hörn würde dies laut Gutachten ebenfalls zu einer Zunahme in den oben genannten Ausmaßen führen.

Sondersitzung im Februar

Die Verwaltung sprach sich für keine der von Springsfeld vorgestellten Varianten aus. Zu groß seien die zusätzlichen Verkehrsbelastungen für Ahornstraße, Auf der Hörn und besonders für die Halifaxstraße. Stattdessen möchte sie den Seffenter Weg in eine Tempo-30-Zone integrieren und die Straße baulich der „abknickenden Vorfahrt von Melaten auf den Pariser Ring” unterordnen. „Wenn man den einen was Gutes tut, schadet man anderen”, erklärte der Gutachter.

Die Bezirksvertretung Mitte vertagte ihre Entscheidung auf die Sondersitzung am 5. Februar, weil von der CDU noch Beratungsbedarf angemeldet wurde. Die Bezirksvertretung Laurensberg beschäftigt sich am Dienstag, 20. Januar (17.30 Uhr, Bezirksamt Laurensberg) mit dem Verkehrskonzept. Der Verkehrsausschuss will am Donnerstag, 29. Januar, (17 Uhr, Verwaltungsgebäude Marschiertor) entscheiden.

Auch ohne Campus mehr Einwohner und Jobs

„Zusätzliche Belastungen wird es geben”, sagt der Verkehrsplaner Axel C. Springsfeld - aber das hänge nicht nur von den Campus-Projekten ab. Auch ohne die RWTH-Erweiterungen werde Aachen bis zum Jahr 2015 um 4000 Einwohner und 9000 Arbeitsplätze wachsen, prognostiziert der Verkehrsplaner.

Deutlich höher werde der Zuwachs sein, wenn die geplanten Campus-Projekte realisiert werden. Dann rechnet der Verkehrsplaner mit 9000 zusätzlichen Einwohnern in der Stadt. Neue Arbeitsplätze würden dann gar 17.000 geschaffen - davon je 5000 an den beiden Campus-Standorten an Melaten und am Westbahnhof.
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