SuperC: Pumpe fördert endlich Wasser zutage

Von: Robert Esser
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Baustelle Geothermie: Der Glas-Stahldeckel der 1970 Meter tiefen Erdwärmebohrung am SuperC, Templergraben, wurde von Unbekannten erheblich beschädigt. Seit Wochen ist der Bereich abgesperrt, aber auch unter der gesplitterten Scheibe ist längst nicht alles fertig. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Schon das weiß-rote Flatterband vor dem SuperC symbolisiert den Zustand des rund 5,1 Millionen Euro teuren Erdwärme-Projekts der RWTH. Acht Jahre nach dem Start des Vorhabens, das heißes Wasser aus zwei Kilometern Tiefe zur Beheizung des futuristischen Hochschulbaus pumpen soll, ist kein Ende der Baustelle in Sicht.

Jüngster Rückschlag: Unbekannte haben das exklusive Bullauge, das vom Vorplatz den Blick auf drei in die Tiefe führende Geothermie-Rohre am Templergraben freigibt, zum Bersten gebracht. Die Scheibe ist gesplittert.

Direkt darunter, im Veranstaltungskeller des SuperC steht der für die Erdwärme-Bohrung verantwortliche Experte des Lehrstuhls für Markscheidewesen, Bergschadenkunde und Geophysik. Dr. Jörg Krämer deutet auf den provisorischen Holzverschlag, der die sensible Technik über dem Bohrloch vor unbefugtem Zugriff schützt.

Wann und mit welchem Erfolg die gerade in einem Nachbarraum installierte Pumpe anstelle der jetzigen Fernwärme-Speisung arbeitet, ist indes völlig unklar. Und Dr. Krämer räumt ein: „Ich habe von Heizungsanlagen eigentlich keine Ahnung.”

Dafür sind andere Fachleute zuständig - von der Hochschule und vor allem vom Bau- und Liegenschaftsbetrieb (BLB), der für die Ausführung verantwortlich ist. Problematisch ist nämlich laut Krämer, dass wohl noch diverse Kompetenz- und Abstimmungsfragen zu regeln seien, bis das Projekt endlich erfolgreich abgeschlossen werden kann. Sogar die Wahl der lange ersehnten Pumpe müsse keineswegs endgültig sein. „Mein Bauchgefühl sagt: Eine Nummer größer wäre besser”, erklärt Krämer.

Seit Montag läuft der Testbetrieb - allerdings ohne Anschluss ans Heizungssystem des Hauses. Ein Teil der notwendigen Sensorik fehlt noch. Und so lange das SuperC-Gebäude als „Energieabnehmer” nicht an den Kreislauf angeschlossen ist, fallen den Experten verlässliche Aussagen über den tatsächlichen Nutzen des aufwendigen Erdwärme-Projekts schwer. Dennoch geht der BLB nach theoretischen Berechnungen von imposanten Werten aus: Auch wenn der Wasserkreislauf nur 50 Grad Celsius - statt wie erhofft 80 Grad - zutage fördert. „So soll jährlich der Ausstoß von über 130 Tonnen Kohlendioxid vermieden werden”, erklärt BLB-Sprecher Bernd Klass. „Bis zu 450 Megawattstunden Energie könnte die Anlage jährlich einsparen.”

Geschätzt wird in Aachen aber auch der wissenschaftliche Wert des millionenschweren Geothermie-Projekts. Ein Großteil der Kosten wurde über EU-Fördertöpfe bezahlt - was den Verlauf der Arbeiten in den vergangenen Jahren wegen der hochbürokratischen Antragsdokumentation erheblich verzögert habe, wie Krämer sagt. Daneben tauchten immer wieder technische Probleme auf.

Dass die Aachener Hochschule zum Kompetenzzentrum für Geothermie avanciert, scheint übrigens seit Mittwoch unwahrscheinlich. Das Düsseldorfer Wirtschaftsministerium gab bekannt, dass die „International Geothermal Association” (IGA) ihre weltweit einzige Geschäftsstelle von Reykjavik nach Nordrhein-Westfalen verlegt - und zwar nach Bochum. NRW fördert das mit 300.000 Euro.
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