Studieren auf Pump: Hochschulkredite sind nicht ohne Risiko

Von: Kristin Kruthaup, dpa
Letzte Aktualisierung:

Berlin. An einen Studienkredit zu kommen, war erstaunlich leicht: Marek Strabe füllte online einen Antrag aus und schickte der staatlichen Bank KfW sein Zwischenprüfungszeugnis zu. Dann zeigte er bei der Post noch einmal seinen Ausweis vor, um sich zu identifizieren. Kurz darauf war er wieder flüssig.

Seitdem überweist ihm die Bank jeden Monat 300 Euro - insgesamt 14 Monate lang. Bis zum Examen wird er sich 4200 Euro geliehen haben.

Strabe, 28 Jahre alt, studiert Jura in Berlin. In wenigen Monaten macht er sein Examen. Bisher hat er für seinen Unterhalt immer gejobbt. „In der Examensvorbereitung wollte ich aber keinen Job”, sagt Strabe, der seinen richtigen Namen nicht in der Zeitung lesen möchte. Denn die intensive Vorbereitung lasse es kaum zu, wie bisher dreimal die Woche im Theater zum Geldverdienen zu stehen. So kam ihm die Idee mit dem Studienkredit. „Ich nehme den Kredit schon sehr ernst”, sagt er. „Aber ich denke, dass das mit der Rückzahlung irgendwie klappt.”

Strabe ist unter Studenten die Ausnahme: Die meisten finanzieren sich über das Geld ihrer Eltern (87 Prozent) und beziehen Bafög (29 Prozent). Nur eine Minderheit (4 Prozent) nimmt einen Studienkredit in Anspruch. Das geht aus der Sozialerhebung des Deutschen Studentenwerks hervor. „Viele Banken haben mit den Studienkrediten das große Geschäft gewittert”, sagt Stefan Grob vom Deutschen Studentenwerk. Die Studienkredite kamen 2005/2006 parallel mit der Einführung der Studiengebühren auf. Doch das Studium auf Pump konnte sich in Deutschland - anders als etwa in Amerika - nicht durchsetzen.

Denn ein Studienkredit birgt Gefahren: „Studenten haben ein Verschuldungsrisiko”, erläutert Grob. Die Kreditnehmer könnten sich beim Berufseinstieg nicht ungetrübt über ihr erstes Gehalt freuen - sondern hätten mitunter einen Berg von Schulden. Denn sie müssen der Bank jeden Cent zurückzahlen - plus Zinsen. Beim Bafög bekommen sie dagegen die Hälfte der Schulden erlassen. „Ein Studienkredit sollte daher nur in Anspruch genommen werden, wenn es gar nicht anders geht”, rät Ulrich Müller vom Centrum für Hochschulentwicklung (CHE). Dort ist er zuständig für den Studienkredit-Test.

Ob es günstigere Alternativen zum Studienkredit gibt, können Studenten etwa beim Studentenwerk erfragen, sagt Grob. Fast überall werde inzwischen eine kostenlose Studienfinanzierungsberatung angeboten.

Bei Jura-Student Strabe führte an dem Kredit kein Weg vorbei. In der Examensvorbereitung brauchte er zusätzlich zu seinen sonstigen Lebenshaltungskosten noch 120 Euro im Monat für den kommerziellen Repetitor. Die Eltern konnten ihm aber nicht mehr Geld im Monat zahlen - und Bafög bekam er keins. Wollte er seinen Nebenjob nicht mehr machen, blieb nur der Studienkredit.

Studienkredite zeichnet aus, dass die Bank Studenten Geld leiht, ohne von ihnen eine Sicherheit einzufordern. „Außerdem wird das Geld in Raten ausgezahlt statt wie bei anderen Krediten auf einen Schlag”, erklärt Müller. Nach der letzten Rate gebe es in der Regel eine Karenzphase: Die Studenten müssen ihre Schulden nicht sofort zurückzahlen, sondern haben eine Pause zwischen der letzten Rate und dem Beginn der Rückzahlung.

Einen solchen Studienkredit gibt es bei rund 40 Anbietern. Platzhirsch auf dem Markt ist die staatliche KfW-Bank, sagt Müller. Überhaupt werden die staatlichen Angebote am stärksten in Anspruch genommen: Von den im Jahr 2011 neu abgeschlossenen Verträgen über einen Studienkredit fielen 92,3 Prozent auf staatliche Anbieter: Das sind der Studienkredit der KfW-Bank, der Bildungskredit des Bundesverwaltungsamts sowie die Studienbeitragsdarlehensangebote in Niedersachsen und Bayern. Weitere 4,1 Prozent fielen auf die Abschlussdarlehen, die von den Studentenwerken angeboten werden. Nur 3,6 Prozent der Vertragsabschlüsse wurden von nichtstaatlichen Anbietern wie der Deutschen Bank verbucht.

„Man kann aber nicht sagen, dass der Studienkredit der KfW-Bank für alle Studenten der Günstigste ist”, sagt Müller. Andere Anbieter erheben zum Teil geringere Zinsen. Auch bekommt den KfW-Kredit nicht jeder: „Es gibt bestimmte Beschränkungen”, erläutert Angelika Kahlenborn von der KfW. Finanziert werde nur ein Erststudium, die Studenten müssen zwischen 18 und 34 Jahren alt sein und an einer Universität in Deutschland immatrikuliert sein. Ein Master im Ausland wird nicht finanziert.

Müller rät, die Anbieter im Detail miteinander zu vergleichen. Entscheidend sei zunächst der Zinssatz. Nach Möglichkeit sollten die Studenten einen festen Zinssatz vereinbaren. Denn bei variablen Zinsen seien die Kosten für Studenten im Vorhinein weniger gut kalkulierbar. Dann sollten sie checken, ob eventuelle Sonderwünsche bei dem Kreditgeber möglich sind. Nicht jeder mache etwa einen Hochschulwechsel mit oder unterstütze einen Auslandsaufenthalt. Schließlich sollten die Studenten darauf achten, ob es Altersbeschränkungen gibt.

Die Suche nach dem richtigen Kredit braucht seine Zeit: „Zwei bis drei Monate dauert das schon”, sagt Strabe. Auch Müller vom CHE empfiehlt Studenten, sich bei der Suche nicht zu stressen. Am besten sei es, zunächst gründlich im Netz zu recherchieren und sich von einer unabhängigen Stelle, etwa vom Studentenwerk, beraten zu lassen. Dann sollten Hochschüler zwei bis drei Angebote einholen. Anschließend gelte immer noch die Devise: Studenten sollten einen Studienkredit nie spontan unterschreiben. Besser sei es immer, erst noch eine Nacht darüber zu schlafen.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert