Aachen - SPD gibt Demonstranten Rückendeckung

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SPD gibt Demonstranten Rückendeckung

Von: Gerald Eimer
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Trübes Wetter, trübe Stimmung: Kaum mehr als 150 Schüler und Studenten demonstrierten gestern für eine bessere Bildung. Foto: Ralf Roeger

Aachen. Der Frust saß tief bei den Bildungsstreik-Organisatoren: Kaum mehr als 150 Demonstranten haben sie am Mittwoch auf die Beine bringen können, die bei strömenden Regen vom Super C am Templergraben zur SPD-Geschäftsstelle an der Heinrichsallee zogen.

Im November gingen noch deutlich mehr als 2000, im April immerhin noch 800 Schüler und Studenten auf die Straße, um gegen Studiengebühren und Kopfnoten und für ein gerechteres Bildungssystem Stimmung zu machen.

Die schlappe Teilnehmerzahl führte Mitorganisator und Abschlussredner Arno Börne in erster Linie aufs Wetter zurück. Er munterte die wenigen und völlig durchnässten Mitstreiter am Ende damit auf, dass sie im Laufe des mehrmonatigen und bundesweit angelegten Protests „schon einiges erreicht” hätten.

„Die Bildung ist in aller Munde”, sagt er, und selbst die schwarz-gelbe Bundesregierung habe inzwischen eingesehen, dass trotz der Krise nicht an der Bildung gespart werden dürfe.

An den Grundforderungen der Bildungsstreikenden hat sich seit vergangenem Jahr dennoch nichts geändert: Kostenlose Ausbildung von der Kita bis zum Studium, kostenlose Lernmittel, Abschaffung der Kopfnoten, Rücknahme der verkürzten Abiturzeit, weniger Leistungsdruck im Studium.

Während der Demo skandierten die Schüler und Studenten: „Wir sind hier, wir sind laut, weil man uns die Bildung klaut.” Auf Transparenten hieß es: „Ohne Bildung sind alle doof” und „Rettet die Bildung, nicht nur die Banken”.

Die SPD-Geschäftsstelle sei bewusst als Endpunkt der Demonstration gewählt worden, sagen Andreas Schmidt vom FH-AStA und Einhard-Schülerin Julia Merscheid. „Wir wollen sie an ihre Versprechen erinnern.”

Für Mathias Dopatka, bildungspolitischer Sprecher der SPD und selbst Mitglied beim Bildungsstreik, war das kein Problem. „Wir haben sehr große Schnittmengen”, sagt er. Und so betonte er im Gespräch mit den Demonstranten, dass es bei den kommenden Koalitionsverhandlungen im Land auch um eine grundlegende Änderung der Bildungspolitik gehen wird. „Wir wollen keine faulen Kompromisse eingehen.” Neben der Abschaffung von Studiengebühren und Kopfnoten geht es der SPD auch um den Ausbau der Ganztagsschulen und die Berücksichtigung des Elternwille bei der Schulwahl für ihre Kinder.

Bereits kurz nach Mittag zerstreuten sich die Demonstranten, einige zogen sich wieder zum sogenannten Protestcamp am Super C zurück, wo sie noch bis Freitag für Bildungsreformen demonstrieren wollen.

Aus Sicht der Polizei ist die Demonstration völlig störungsfrei verlaufen, die Verkehrsbehinderungen in der Innenstadt hielten sich in Grenzen. Und auch das zunächst befürchtete Gedränge im Hochschulviertel ist ausgeblieben. Trotz der Demonstration konnten mehrere 1000 Schüler ungehindert den Vorträgen beim Studieninformationstag der RWTH folgen.

Junge Union und RCDS gehen auf Distanz

„Mit dieser Art von Protest ist eine sachliche Auseinandersetzung mit dem Thema kaum möglich”, heißt es in einer Stellungnahme der CDU-Nachwuchsorganisationen Junge Union und RCDS zu dem aktuellen Bildungsstreik.

„Wir würden uns freuen, wenn die Protestierenden nach einer Woche Protestcamp eine einheitliche Liste von glasklaren Forderungen präsentieren können. Eine Liste mit konstruktiven Vorschlägen”, heißt es in einer von Dominik Ben Klein und Markus Schmidt-Ott unterzeichneten Mitteilung.

Längst nicht alle Aachener Studenten teilen die Positionen der Organisatoren des Bildungsstreiks, sind Klein und Schmidt-Ott überzeugt. Die meisten seien mit der Verwendung der Studiengebühren zufrieden. Nur wenige Protestierende würden ihrer Meinung nach in überfüllten Hörsälen sitzen.
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