Aachen - „Sauce Hollandaise” macht bestechlich

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„Sauce Hollandaise” macht bestechlich

Von: Wolfgang Schumacher
Letzte Aktualisierung:

Aachen. Welche Sorte einer „Sauce Hollandaise” ist ergiebiger und welche gar geschmackvoller - die von Lieferant A oder die von Lieferant B? Um den Küchenchefs des Aachener Studentenwerks jene wichtige und für das leibliche Wohl der Studierenden durchaus relevante Entscheidung zu erleichtern, scheint es wiederholt Versuche von Bestechung und Vorteilsgewährung in den Garküchen gegeben zu haben.

Jedenfalls im Jahr 2005 wurde es wohl so schlimm mit den Vertreterbesuchen in den Küchen, dass die Geschäftsleitung des Studentenwerks den umtriebigen Verkäufern strikt den Zutritt verbot - sie gaben sich dort wohl die Klinke in die Hand.

Und es wurde, das kam jetzt in einem Strafprozess gegen den ehemaligen Küchenchef Uwe N. (44) und den Saucen-Vertreter Werner T. (57) ans Licht, eine viel strengere Beschaffungsordnung für die Mensen erlassen, um Vorteilsnahme, Untreue- oder gar Bestechungstatbestände künftig auszuschließen.

So ganz gelang das leider nicht: Im Nachfolgejahr 2006 kam es dann zum Knall im Studentenwerk, verschiedene Küchenleiter und anderes Personal wurden wegen „gewisser Vorfälle”, hieß es im Prozess, entlassen.

So ging es auch dem Angeklagten N., den am Mittwoch Amtsrichterin Melanie Werz zu einer Geldstrafe von 1600 Euro verurteilte - wegen Vorteilsnahme. 2500 Euro muss der Angeklagte T. zahlen, der einen der Lebensmittel-Großlieferanten des Studentenwerks vertritt - wegen Vorteilsgewährung.

Eigentlich waren in dem bereits vier Verhandlungstage andauernden Prozess die schwerwiegenderen Delikte wie Untreue und Bestechlichkeit angeklagt. Denn N. hatte zugegeben, im Jahr 2006 drei Handys vom Vertreter angenommen dann teils verkauft oder Mitarbeitern geschenkt zu haben. Vertreter T. wusch am Mittwoch noch seine Hände in völliger Unschuld.

Richterin glaubte kein Wort

Er habe ausdrücklich die Handys, die aus einer allgemeinen Rabattaktion seiner Firma stammten, als Spende für die traditionelle Weihnachtstombola des Studentenwerks gestiftet - ganz ohne Hintergedanken!

Doch die Richterin glaubt ihm kein Wort und bekräftigte ihren Eindruck, dass gerade im schwelenden Glaubenskrieg der Köche um die Hollandaise-Saucen beim Küchenchef N. eine Entscheidung zugunsten seiner Firma herbeigeführt werden sollte.

Ein Zeugin aus „dem Einkauf” - über die dortigen Schreibtische sollten ab 2006 einfach alle Bestellungen abgewickelt werden - beschrieb die Hollandaise-Falle: „Einige Köche meinten, die billigere Variante sei genau so gut. Andere meinten, die teurere sei besser.”

Also behandelte „der Einkauf” die Frage als unentschieden, die Köche konnten beide Marken ordern, unter anderem weil N. auf der teuren Sorte (jener mit Handygeschenk) bestand.

Doch weit über die Saucen-Frage hinaus muss der ehemalige Küchenchef der Mensa „Vita” am Aachener Klinikum eine enge Verbindung zum Handelsvertreter T. gehabt haben.

Als N. im Sommer 2006 in Urlaub fuhr, kam der Küchenchef der Mensa Ahornstraße am Klinikum zum Einsatz. Die Aussage des 59-Jährigen: „Als ich in die Vorratskammern schaute, lagerte dort viel zu viel Ware. Dabei waren wir angehalten, möglichst wenig Überbestände zu haben.”

Ins Auge des altgedienten Küchenmannes stachen, so der Zeuge, Unmengen von „Kaltschalen, Suppen und Saucen” - zum Teil waren sie bereits abgelaufen. Man hätte mit den Kaltschalen „ganze Schwimmbecken füllen können”, erklärte er bildhaft.

Und zwei Lieferungen kamen ohne offizielle bestellt zu sein. Sie gingen bei der ordentlichen Urlaubsvertretung von N. postwendend zurück und läuteten den Anfang vom Ende dieser Mensen-Hollandaise-Connection ein.
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