Düsseldorf - Rektoren wollen nach Studentenprotesten Studiengänge überprüfen

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Rektoren wollen nach Studentenprotesten Studiengänge überprüfen

Von: ddp
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Düsseldorf. Angesichts der Studentenproteste gegen Studiengebühren und eine zunehmende Verschulung des Universitätsstudiums haben sich die Rektoren der NRW-Hochschulen auf erste Konsequenzen verständigt.

Es solle überprüft werden, ob Studiengänge „stofflich überladen” sind, teilte das Wissenschaftsministerium am Donnerstag in Düsseldorf mit. Vertreter der demonstrierenden Studenten beschrieben im Landtag die ihrer Meinung nach unhaltbaren Zustände an den Hochschulen. Prüfen wollen die Hochschulen nun auch, „ob auf einzelne Prüfungselemente sowie Anwesenheitsverpflichtungen verzichtet werden kann, ohne das Gesamtqualifikationsziel zu beeinträchtigen”.

Auch Prüfungsformen und der Praxisbezug der umstrittenen neuen Bachelor- und Masterstudiengänge würden untersucht. Dies vereinbarten die Chefs der 14 NRW-Universitäten in einem „Memorandum”. „Wir wollen eine umfassende Bestandsaufnahme. Eine erste Bilanz soll zum Ende des Wintersemesters gezogen werden”, sagte Axel Freimuth, Rektor der Universität Köln und Vorsitzender der Landesrektorenkonferenz.

Zuvor hatten die Rektoren mit Wissenschaftsminister Andreas Pinkwart (FDP) beraten. Zudem haben sich die Universitäten den Regierungsangaben zufolge verpflichtet, ihre gewachsenen finanziellen Spielräume zu nutzen, um künftig verstärkt zusätzliches Lehrpersonal einzustellen. „Die Verbesserung der Betreuungsrelation berührt den Kern hochwertiger Lehre. Mit den Mitteln aus dem Hochschulpakt und den Studienbeiträgen ist hinreichend Geld für einen spürbaren Aufwuchs der Dozentenstellen vorhanden”, sagte Pinkwart.

Bei einer Sondersitzung des Wissenschaftsausschusses im Düsseldorfer Landtag rief der Minister die Hochschulen zu „zügigen” Entscheidungen auf. Mit Ausnahmegenehmigungen könnten schnelle Beschlüsse über möglicherweise notwendige „Korrekturen” an Studiengängen noch im laufenden Semester fallen, sagte Pinkwart. An den Studiengebühren will der Minister in Zukunft festhalten. Vertreter der Studenten kritisierten die Zustände an den Hochschulen in Nordrhein-Westfalen bei der Ausschusssitzung scharf. Die Studenten würden „gegängelt”, sagte Hilmar Schulz von der NRW-Studierendenvertretung.

Der allgemeine Prüfungsstress führe mittlerweile zu einem Ansturm auf die psychosozialen Betreuungseinrichtungen in den Unis. Die Studenten müssten vermehrt Nebenjobs annehmen, um die Studiengebühren bezahlen zu können. Johann-Wolfgang Schoop vom Allgemeinen Studentenausschuss (AStA) der Universität Bonn rügte die geringe Qualität der Lehre.

Es gebe Dozenten, die lediglich eine Lehrveranstaltung pro Semester abhielten. Das System sei darauf ausgerichtet, lediglich die Forschungsbemühungen der Professoren etwa durch Drittmittel zu fördern. „Es gibt für einen Professor keinen objektiven Grund, sich mit seinen Studenten Mühe zu geben”, kritisierte Schoop. Bundesweit wird an den Universitäten seit etwa zwei Wochen für eine Verbesserung der Bildungssituation demonstriert.
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