Stuttgart - Qual der Studienwahl: Englische Fächernamen verwirren viele

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Qual der Studienwahl: Englische Fächernamen verwirren viele

Von: Tobias Schormann, dpa
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Qual der Studienwahl: Englische Fächernamen verwirren viele
Die Wahl des richtigen Studienfachs ist im Zeitalter von Bachelor- und Masterstudiengängen noch schwieriger geworden. Im Zweifel ist es das Beste, sich bei Studierenden zu informieren - etwa bei Beratungsmessen zu solchen Themen, wie hier in Rostock. Foto: Bernd Wüstneck/dpa/tmn

Stuttgart. Im Zuge der Bachelor-Umstellung entstehen immer mehr neue Fächer. Die Studienwahl ist dadurch schwieriger geworden. Oft lässt sich für Schulabgänger nicht mehr auf einen Blick erkennen, was hinter den neumodischen Fächernamen steckt.

Der moderne Student lernt nicht mehr BWL. Er studiert „International Business Management”. Was der Unterschied ist? Im besten Fall keiner. Im schlimmsten Fall entpuppt sich das Fach als etwas ganz anderes, als die Studenten erwartet hatten.

Und dann kann noch hinzukommen, dass andere Hochschulen sich beim Anerkennen der Leistungen querstellen. Denn bei ihnen heißt das Fach „Global Management”. Was natürlich etwas völlig anderes ist. Auf der Bildungsmesse Didacta in Stuttgart waren sich die Experten vor diesem Hintergrund einig: Die Studienwahl ist in Bachelorzeiten komplizierter geworden.

Für Katja von Berg sind die neuen Anglizismen in Fächernamen ein Kreuz. „Blendwerk” nennt die Studienberaterin von der Uni Stuttgart Begriffe wie „International” oder „Management”, mit denen sich heute etliche Studiengänge schmücken. „Keiner will mehr BWL machen - heute wollen alle Eventmanagement studieren. Dass es im Prinzip das Gleiche ist, ist vielen nicht klar”, sagt sie.

Ihre Kollegin Jeannette von Wolff sieht das ähnlich: Englische Namen hätten „einfach mehr Sex-Appeal”, hat die Studienberaterin beobachtet. Die Schattenseite: Ein Fach wie „International Management” klingt reizvoll, „aber man kann sich nichts drunter vorstellen”.

Schulabgänger sollten sich nicht von den neumodischen Namen täuschen lassen: „Manches ist nur alter Wein in neuen Schläuchen”, sagt von Wolff. Studienbewerber müssten sich also genau anschauen, was auf dem Lehrplan steht, um zu verstehen, was sich hinter einem Fachnamen verbirgt. Ratsam sei auch, zum Beispiel Studenten oder Vertreter der Fachschaft zu fragen.

Denn Reizwörter können schnell in die Irre führen, wie die Studienberaterin Katja Störkel-Hampe von der Uni Duisburg-Essen beobachtet hat. „Viele wollen ja irgendwas mit Medien machen.” Das verschaffe einem Studiengang an der Uni namens „Angewandte Kognitions- und Medienwissenschaften” großes Interesse. „Dabei hat das zum größten Teil mit Informatik zu tun.”

Unklare Fächernamen sind aber nur ein Problem, das die Bachelorreform mit sich gebracht hat. Sie stellt Schulabgänger auch dadurch vor neue Entscheidungen, dass es immer mehr Spezial- und Schnittstellenfächer gibt. Ein Ingenieurdiplom im Maschinenbau galt früher als Visitenkarte. Und ein Bachelor in „Environmental Engineering”, also im Umweltingenieurwesen? Das ist die Frage.

Auch traditionelle Fächer wie Biologie splittern sich immer mehr auf: In Bremen etwa spezialisieren sich Studenten auf den Bereich „Biochemistry and Cell Biology”. Und das bereits zum Einstieg im Bachelor. Andere Fachbereiche gehen zusammen: Aus BWL und Informatik wird Wirtschaftsinformatik. Dabei sei die Frage, wie die Aufteilung im neuen Fach ist. „Das kann halbe-halbe heißen, aber auch 80 zu 20”, sagt Katja von Berg. Die Unterschiede liegen wieder mal im Detail.

Bei einigen Fächern stehen Absolventen je nach Variante aber auch ganz unterschiedliche Berufswege offen, erläutert von Wolff. Wirtschaftsjuristen mit einem Bachelor zum Beispiel können später nicht Anwalt oder Richter werden, weil sie keine Volljuristen sind.

Nischenfächer bieten aber auch eine Chance - für jene, die sich mit den klassischen Disziplinen nicht so recht anfreunden können. „Wenn Water Science genau das Richtige für mich ist, sollte ich das auch machen”, rät Katja Störkel-Hampe.

Auch Jeannette von Wolff kennt solche Beispiele: „Einige wollen zum Beispiel nicht Sozialpädagogik studieren. Die arbeiten aber gerne mit kleinen Kindern und sagen dann: Elementarpädagogik, das ist genau mein Ding.” Und mancher möchte später vielleicht gar nicht als Anwalt arbeiten, obwohl er gerne Jura studieren will. Dann eröffnet ihm auch ein Bachelorstudium viele Berufswege, nur eben andere. Das sollte er aber vorher wissen.

Das Studienangebot wächst

Das Studienangebot in Deutschland ist in den vergangenen Jahren deutlich gewachsen: Insgesamt gibt es hierzulande mehr als 14 000 Studiengänge. Das hat die Hochschulrektorenkonferenz (HRK) ermittelt. Vom Herbst 2004 bis zum Herbst 2010 sind demnach fast 3000 Studiengänge hinzugekommen. Das Angebot hat sich also um mehr als ein Viertel (27 Prozent) vergrößert.

Bachelor und Master immer verbreiteter

Vier von fünf Studiengängen in Deutschland (81,9 Prozent) schließen mit einem Bachelor oder Master ab. Im vergangenen Herbst führten der HRK zufolge 11 549 Studiengänge zu den neuen Abschlüssen - das waren 7 Prozent mehr als im Sommersemester 2010.
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