Aachen - „Protestcamp”: Studierende besetzen Campus mit Zelten

„Protestcamp”: Studierende besetzen Campus mit Zelten

Von: Robert Esser
Letzte Aktualisierung:
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Abenteuer Bildung: In einer kleinen Zeltstadt vor dem Super C am Templergraben haben Studierende am Montag einen einwöchigen Bildungsstreik ausgerufen. Die Uni lässt sie - noch - gewähren. Foto: Andreas Steindl

Aachen. Allzu gemütlich wird es nicht bleiben. Vor das 30 Meter hohe SuperC am Templergraben haben Studenten am Montag ein knappes Dutzend Zelte in die Grünanlagen gepflanzt. „Protestcamp” nennen das die Demonstranten. Und liefern den Anlass dafür auf gelben Bannern, die vor der Universität im Sonnenlicht flattern: „Bildungsstreik!”

Am Montagmorgen, 6 Uhr, besetzten rund 30 Studierende den schmucken Campus. Sie wollen über Nacht bleiben und hoffen, dass nun weitere Unterstützer ihre Pflöcke an der Hochschule einschlagen. „Wir sind froh, dass wir noch hier sein können. In anderen Städten wurden Protestcamps direkt geräumt”, erklärt Organisator Jens Wegener. Nicht so in Aachen. „Der Kanzler hat uns sogar Dixi-Klos angeboten”, sagt er. Die braucht man aber nicht. Unmittelbar am „Protestcamp” bietet das „C-Caffè” neben Latte Macchiato auch Sanitäranlagen an. Und während dort Studenten gut gelaunt auf der Terrasse an veredelter Bohnenbrühe nippen, wehren sich die Demonstranten einige Meter weiter dagegen, die Suppe auslöffeln zu müssen, die ihnen die deutsche Bildungspolitik eingebrockt hat.

Der Katalog der Forderungen ist lang. „Kita-, Ausbildungs- und Studiengebühren verschärfen die soziale Segregation und machen das Bildungssystem völlig unzumutbar”, kritisiert Andreas Schmidt vom AStA der Fachhochschule Aachen. Pia Okon und Viviane Thoma sind von der Katholischen Hochschule zum „Protestcamp” gestoßen. „Das Studiensystem ist viel zu starr, der Druck zu hoch. Das verhindert selbstbestimmtes Lernen, das zu kritischem Denken befähigt”, sagt Okon. „Wir werden ausschließlich dafür beschult, nützlich für den Arbeitsmarkt zu sein. Ein Studium muss mehr leisten”, sagt sie. Als Schülervertreterin meldet sich Julia Merscheid zu Wort: „Die Kopfnoten müssen abgeschafft werden, genauso das Turbo-Abitur nach acht Jahren und das dreigliedrige Schulsystem.” Wer nach den ersten vier Schuljahren auf der Hauptschule lande, sei als Zehn- oder Elfjähriger schon fast aller Karrierechancen seines späteren Lebens beraubt.

Mit dem „Protestcamp” wolle man den Kampf gegen die Bildungsmisere - in Aachen für alle Schüler und Auszubildende, 30000 RWTH-Studierende, 9000 FH-Studenten und 700 Kommilitonen an der Katholischen Hochschule - jetzt erneut auf die Straße tragen. Zwischen den Zelten sollen Workshops zu Themen wie „Gewerkschaft und Studium”, zum Umgang mit Erwerbslosigkeit sowie öffentliche Vorlesungen für Aufmerksamkeit sorgen. Bis zum Ende des Camps an diesem Freitag informiert eine Zeittafel vor Ort über sämtliche Veranstaltungen. „Alle sind eingeladen”, bekräftigt Wegener. Vor allem am Mittwoch, 9. Juni. Dann sollen mehr als 2000 Demonstranten ab 10.30 Uhr der Neuauflage des Bildungsstreiks bei einem Protestzug durch Aachen Gewicht verleihen. Treffpunkt ist das Camp.

Schüler streikten zuerst

Seit dem ersten Schülerstreik im Sommer 2008 hat sich in Sachen Bildungsreform allerdings kaum etwas geändert. „Unser Protestcamp verstehen wir deswegen auch als freundlichen Gruß an den Koalitionstisch in Düsseldorf”, sagt AStA-Sprecher Schmidt. Es soll ungemütlicher werden.
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