Probieren geht vor: In Chemie ist Spaß am Experimentieren gefragt

Von: dpa
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Im Studium gilt die Devise: Probieren geht über Studieren. „Als Chemiker braucht man Freude am Experimentieren”, sagt Prof. Ullrich Englert von der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule (RWTH) Aachen. Dabei ist auch Fingerfertigkeit gefragt. „Wer zwei linke Hände hat, kommt nicht weit - auch wenn er die Theorie beherrscht.” Foto: dpa

Aachen. Einst suchten die Alchimisten vergeblich nach der Formel für Gold. Heute sind chemische Formeln längst Gold wert, wenn es zum Beispiel um die Patente neuer Medikamente geht. Absolventen im Fach Chemie sind daher auf dem Arbeitsmarkt gefragt.

Die Jobmöglichkeiten sind dabei breit gefächert - denn für Chemie gibt es jede Menge praktische Anwendungen im Alltag.

Im Studium gilt die Devise: Probieren geht über Studieren. „Als Chemiker braucht man Freude am Experimentieren”, sagt Prof. Ullrich Englert von der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule (RWTH) Aachen. Dabei ist auch Fingerfertigkeit gefragt. „Wer zwei linke Hände hat, kommt nicht weit - auch wenn er die Theorie beherrscht.”

Im Studium stehen neben Vorlesungen über Mathematik und Physik von Anfang an auch Laborpraktika auf dem Lehrplan. „Das ist auf der einen Seite anschaulich, auf der anderen Seite aber sehr anstrengend”, sagt Englert. Diese Doppelbelastung halten nicht alle Studienanfänger in dem Fach aus: An der Uni wirft fast jeder Dritte (31 Prozent) das Handtuch. Das ergibt sich aus einer Untersuchung des Hochschul-Informationssystems (HIS) in Hannover, das Daten von Absolventen des Jahrgangs 2006 ausgewertet hat. Demnach hat sich die Abbrecherquote in den vergangenen Jahren stark erhöht - sie lag beim Jahrgang 2004 noch bei 24 Prozent.

Chemie ist keineswegs ein Männerfach: Die Frauenquote liege etwa bei 50 Prozent, sagt Prof. Englert. Einzelgänger seien in dem Fach fehl am Platz - da häufig in Gruppen gearbeitet wird, sei Teamfähigkeit ein Muss. Inzwischen gibt es viele Spezialisierungen in dem Fach: Neben der klassischen Chemie stehen etwa Wirtschafts- oder Biochemie zur Auswahl. Studenten können sich also auf Felder wie die Gentechnik fokussieren oder sich der „Green Chemistry” widmen und untersuchen, wie sich chemische Industrie nachhaltig gestalten lässt.

Absolventen profitieren vom Fachkräftemangel im MINT-Bereich (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften, Technik): In diesen Berufsfeldern gab es im vergangenen Jahr noch mehr als 140.000 offene Stellen. Zwar rechnet der Verband angestellter Akademiker und leitender Angestellter der chemischen Industrie (VAA) zum Ende 2009 mit einem Minus von rund 3500 Stellen im Vergleich zum Vorjahr. Das sind rund ein Prozent weniger als 2008. In einigen Bereichen wie der Pharmabranche und der Spezialchemie sind dem VAA zufolge aber sogar Personalaufstockungen zu erwarten.

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