Praxiswissen ist Trumpf: Bewerbungstipps für Akademiker

Von: Tobias Schormann, dpa
Letzte Aktualisierung:
Praxiswissen ist Trumpf: Bewerbungstipps für Akademiker
„Die zweite Säule zählt”: Mit Praktika und Berufserfahrung punkten Akademiker bei einer Bewerbung. Foto: dpa

Aachen. Zwischen Hörsaal und Büro liegen oft Welten. Beim Berufseinstieg heißt es für Akademiker daher umschalten: Denn allein mit ihrem Abschluss und Fachwissen können Bewerber nur selten punkten, wenn es um die erste Stelle nach dem Studium geht.

Sie müssen vielmehr zeigen, dass sie in der Praxis etwas taugen. Dabei geht es darum, sich gut zu verkaufen. Denn die Krise hat es auch für gut ausgebildete Bewerber schwieriger gemacht, einen Job zu finden.

Um Arbeitgeber von sich zu überzeugen, reichen gute Noten und theoretische Kenntnisse in der Regel nicht. Praxiswissen sei Trumpf, sagt Lothar Dröge von der Arbeitsagentur Aachen. Im Maschinenbau könne es zwar vorkommen, dass Bewerber in eine fachliche Unterhaltung über Thermodynamik verwickelt werden. In anderen Fächern wie Germanistik dürfte aber kaum jemand hören wollen, welche Vorlesungen man besucht hat. Wichtiger seien hier Praktika und Berufserfahrung. „Die zweite Säule zählt.”

Geisteswissenschaftler und Quereinsteiger haben es in der Regel schwerer, den beruflichen Nutzen ihres Studiums herauszustellen. „Die müssen konstruieren”, sagt Dröge. Damit ist aber keine Hochstapelei gemeint - das sei die falsche Devise. Denn versprechen Absolventen zu viel, rächt sich das hinterher im Vorstellungsgespräch. „Das ist wie mit einem Duft: Man darf nicht zu dick auftragen.”

Vielen sei aber gar nicht bewusst, was sie im Studium alles für die Berufswelt gelernt haben, hat Dröge beobachtet. Germanistik etwa habe viel mit Kommunikation zu tun - das Wissen darüber sei auch im Job wichtig. Und wer in der Fachschaft Verantwortung übernommen hat, kann damit soziale Kompetenzen belegen.

Solche „Soft Skills” sind heute überall gefragt - denn niemand will einen Fachidioten. Auch ein Informatiker muss zeigen, dass er technische Lösungen einem Normalsterblichen erklären kann. Wenn er als Tutor tätig war, kann das ein entscheidender Pluspunkt sein.

Es sei durchaus zulässig, sich von seiner Schokoladenseite zu zeigen, sagt die Karriereberaterin Madeleine Leitner aus München. Bewerber sollten sich dazu in den Arbeitgeber versetzen und sich überlegen, was aus seiner Sicht attraktiv an ihnen ist und was eher stören könnte. In der schriftlichen Bewerbung gehe es dann darum, die eigenen Vorzüge zu betonen. Damit sie für den Arbeitgeber gleich erkennbar sind, sollten Bewerber sie an prominenter Stelle - etwa zu Beginn des Anschreibens - nennen oder fett hervorheben.

Vollständigkeit muss dagegen nicht sein. Absolventen sollten sich Leitner zufolge immer fragen: Ist dies eine Information, die mir zu einem Vorstellungsgespräch verhilft? Dann gehöre sie in die Bewerbung. Dass sie das Fach gewechselt haben und der Abschluss erst im zweiten Versuch geklappt hat, bleibe dagegen besser unerwähnt, wenn Bewerber fürchten, deshalb aussortiert zu werden.

Generell gehöre auch der Titel der Abschlussarbeit auf den Lebenslauf, ergänzt Dröge. Das sei aber nur dann sinnvoll, wenn er beruflich etwas zu sagen hat. „Wenn ich über die Geschichte der römischen Säulen geschrieben habe und mich in der PR bewerbe, bringt das natürlich nichts.”

Absolventen müssen sich auf Nachfragen im Vorstellungsgespräch gefasst machen, wenn in der Bewerbung etwas erklärungsbedürftig bleibt. Auf die Frage „Warum hat Ihr Studium so lange gedauert?” legten sie sich also besser eine Antwort zurecht, rät Dröge. „Und die sollte nicht sein: Weil ich einen Segelschein gemacht habe.”

Ein Abschluss garantiert keinen guten Job:
Ein Hochschulabschluss ist immer noch die Eintrittskarte für viele Stellen - er verschafft Absolventen aber nicht automatisch einen guten Job. So finden längst nicht alle Absolventen beim Berufsstart eine angemessene Stelle, wie das Hochschul-Informations-System (HIS) in Hannover ermittelt hat.

Jeder siebte FH-Abgänger (14 Prozent) und jeder achte Uni-Absolvent (13 Prozent) ist demnach ein Jahr nach dem Abschluss inadäquat beschäftigt. „Das heißt, er hat einen Job, für den er den Abschluss nicht bräuchte und der unter seinem fachlichen Niveau liegt”, erläutert HIS-Experte Gregor Fabian. Dabei bleibt es zum Glück für Betroffene aber nicht: Zehn Jahre nach dem Abschluss liegen die Werte bereits deutlich niedriger.

Infolge der Krise dürften es Absolventen gerade in Fächern wie den Geisteswissenschaften schwieriger als bislang haben, sofort eine angemessene Stelle zu finden, sagt Fabian. „Vor allem in den klassischen Professionen wie Jura, Medizin oder den Ingenieurswissenschaften gilt aber weiter der Satz: Ein Studium ist die beste Jobversicherung, die es gibt.”

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert