Party machen oder pauken: So finden Studenten die passende WG

Von: Sascha Rettig, dpa
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Zimmer frei: Bei der WG-Suche müssen Studenten überlegen, ob sie lieber Kumpel als Mitbewohner oder eine Zweck-WG wollen. Foto: dpa

München/Mainz. Der eine findet Putzpläne spießig, den anderen nervt Partylärm der Mitbewohner: Beim Zusammenleben in einer Wohngemeinschaft gibt es viele Dinge, die für Streit sorgen können.

Umso wichtiger ist es, eine WG zu finden, die wirklich zu einem passt. Die hundertprozentig perfekte WG gibt es zwar nicht. Aber wer ein paar Tipps berücksichtigt, sollte am Ende zumindest nicht total danebenliegen.

Bevor die Suche losgeht, sollten Studenten zunächst klären, was sie suchen: „Es ist wichtig, genau zu wissen: Was will ich? Was brauche ich? Und was erwarte ich von einer WG?”, nennt Johanna Luhmann vom Münchner Studentenwerk die wichtigsten Fragen. „Dabei sollte man sich klar darüber werden, wie groß die WG und das Zimmer sein sollen, wie viel Intimsphäre man braucht und mit wie vielen Mitbewohner man ein Bad teilen würde.”

Doch nicht nur das: Es muss auch klar sein, wie teuer die Miete inklusive aller Nebenkosten sein darf und welche WG-Form und -Größe für einen infrage kommt. „Manchen reicht durchaus eine Zweck-WG, bei der auf das gemeinschaftliche Miteinander weitestgehend verzichtet wird”, hat Bettina Kaufmann-Grebe von der psychotherapeutischen Beratungsstelle der Universität Mainz beobachtet. „Das hat den Vorteil, dass es billiger ist, als allein eine Wohnung zu mieten. Und man ist nicht ganz allein.” Für andere gehörten das gemeinschaftliche Kochen und Partys auf jeden Fall dazu.

Haben Studenten diese Punkte abgewogen, kann die Suche konkret werden: „Dafür gibt es eine Vielzahl von Möglichkeiten”, sagt Luhmann. „WG-Angebote findet man über das Internet ebenso wie über Zeitungsannoncen oder Aushänge an schwarzen Brettern.” Meist wird dann ein Besichtigungstermin vereinbart, an dem Bewerber und Bewohner sich erst einmal gegenseitig beschnuppern können.

Häufig gleicht dieses erste Treffen einer Casting-Situation oder einem Vorstellungsgespräch, bei der beide Seiten prüfen, ob sie sich sympathisch sind. Das passiert in Einzelgesprächen oder auch in einer Runde mit mehreren Kandidaten. „Dabei lässt sich herausfinden, ob gemeinsame Interessen existieren, wie gut sich die anderen Mitbewohner untereinander kennen, welche Regeln in der WG bestehen und wie mit auftretenden Konflikten umgegangen wird”, erklärt Kaufmann-Grebe.

Dabei sollten laut Luhmann nicht nur alle rechtlichen Fragen zur Zimmermiete geklärt werden. Bewerber sollten auch die Möglichkeit nutzen, die eigenen Vorstellungen mit denen der anderen abzugleichen. Die betreffen etwa die Tagesabläufe, den Lärmpegel oder den größten Konfliktstoff überhaupt: das Putzen. „Es gibt sehr unterschiedliche Formen des Zusammenlebens, weshalb klar angesprochen werden sollte, was einem wichtig ist”, rät Luhmann.

Verstellen sollten Bewerber sich in dieser Interview-Situation nicht. „Das macht keinen Sinn und fliegt früher oder später sowieso auf. Zusammen zu wohnen ist ja schließlich eine sehr persönliche Angelegenheit”, sagt Kaufmann-Grebe. „Stattdessen sollte ein Bewerber so natürlich wie möglich auftreten und einfach er selbst sein.”

Natürlich ist es nicht ausgeschlossen, dass man wiederholt abgelehnt wird. „In solchen Fällen sollte immer nachgefragt werden, woran es denn gelegen hat”, rät Luhmann. „Vielleicht sollte man außerdem nach mehreren Absagen auch noch einmal für sich überdenken, ob eine Wohngemeinschaft überhaupt das Richtige für einen ist.” Falls ja, sollten Studenten sich nicht entmutigen lassen und weiter suchen.

Wer sich dem Stress der Suche und der Vorstellungsgespräche nicht aussetzen will, kann einen einfacheren Weg wählen: Die Studentenwerke vermieten bundesweit WG-Zimmer. „Anders als auf dem freien Markt ist es dabei allerdings nicht möglich, sich die Mitbewohner auszusuchen”, erläutert Sofia Emexidis vom Studentenwerk Köln. „Auf dem Bewerbungsbogen gibt man zwar das Haus und die Wohnform an, in der man wohnen will, kann sich aber nicht auf ein konkretes Zimmer bewerben.”

Vielmehr werden die Wohngemeinschaften zusammengewürfelt - wenn auch nach bestimmten Kriterien. „Die WGs werden geschlechtlich und bezüglich der aufeinandertreffenden Nationalitäten harmonisiert”, erklärt Emexidis. „Wir wollen schließlich offensichtliche Konflikte vermeiden.” Eine Garantie dafür, dass das klappt, gibt es nie - egal, ob Studenten eine Zufalls-WG wählen, ihre Mitbewohner vorher genau unter die Lupe nehmen oder mit Freunden zusammenziehen.

Nicht voreilig beim ersten Angebot zusagen

Studenten sollten die Entscheidung für eine WG nicht übers Knie brechen. „Es ist sinnvoll, sich Zeit zu lassen, alles noch einmal zu überdenken und gegebenenfalls einen zweiten Termin vereinbaren”, rät Bettina Kaufmann-Grebe von der Universität Mainz.

Wer eine rundum perfekte WG will, kann lange suchen. „Deshalb sollte gut überlegt sein, bei welchen Kriterien Kompromisse möglich sind und wo nicht.” Wichtig sei auch das Bauchgefühl: „Man muss sich wirklich vorstellen können, dass man mit den Menschen über Monate tagtäglich zusammenleben kann.”

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