NRW-Universitäten entrümpeln Studiengänge

Von: dpa
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Studiengebühren Studenten Universität
Noch nie haben in Nordrhein-Westfalen so viele junge Menschen ein Studium aufgenommen wie im gerade begonnenen Wintersemester. Foto: dpa

Düsseldorf. Die Universitäten in Nordrhein-Westfalen entrümpeln ihre überfrachteten Studiengänge. Wissenschaftsminister Andreas Pinkwart (FDP) kündigte am Montag in Düsseldorf erste Schritte an: Demnach soll auf Anwesenheitslisten in Vorlesungen weitgehend verzichtet werden.

Mehrere Universitäten wollen zum Sommersemester auch die Stofffülle und die Prüfungsdichte verringern. Außerdem wollen sie den Austausch mit ausländischen Universitäten verbessern.

Politik und Hochschulen reagieren damit auf Proteste von Studierenden, die im vergangenen Jahr über viele Wochen immer wieder gegen verschulte Bachelor-Studiengänge demonstriert hatten. Die Grünen nannten die Ankündigungen „Flickschusterei”. Eine Verbesserung der Lehre sei nicht in Sicht, kritisierte die Hochschul-Expertin der Landtagsfraktion, Ruth Seidl, in einer Mitteilung.

Pinkwart räumte ein, das Reformtempo sei nicht an allen Hochschulen gleich hoch. Alle Universitäten müssten aber ihre Studienbedingungen nachbessern. „Die Hochschulen haben Studiengänge identifiziert, in denen ein großer Anteil des Lehrstoffs der alten Diplom- und Masterstudiengänge in den Lehrplan der kompakteren Bachelor-Studiengänge übernommen worden ist”, berichtete Pinkwart. „Diese Überfrachtung zu verändern, ist ein länger dauernder Prozess.” Das Ministerium wolle aber durch Ausnahmegenehmigungen möglichst zügige Verbesserungen ermöglichen.

Auch Studierende, die in den vergangenen Semestern unter unzumutbaren Studienbedingungen gelitten haben, dürfen noch auf Hilfe hoffen. Wer plausibel erklären kann, warum verlangte Leistungen nicht erbracht werden konnten, sollte sich an die Hochschulleitung oder auch ans Wissenschaftsministerium wenden. „Wir gehen dem nach und werden versuchen, Wege zu finden”, versprach Pinkwart.

In den vergangenen drei Monaten hatten Wissenschaftler und Studierende der 13 Präsenz-Universitäten in NRW sowie der Fernuniversität Hagen ihre Bachelor- und Master-Studiengänge auf den Prüfstand gestellt. Acht der 13 Präsenz-Universitäten wollen schon zum Sommersemester die Prüfungsdichte verringern, sechs von ihnen wollen auch die Stofffülle abspecken - aus Sicht der Grünen eine magere Zwischenbilanz. An den 16 Fachhochschulen sowie den sieben Kunst- und Musikhochschulen in NRW seien die Probleme weniger gravierend, sagte Pinkwart.

Manche Erleichterung ist inzwischen bereits umgesetzt, etwa im Fach Psychologie an der Universität Köln. „Es gab zu viele Hausaufgaben und Testat-Klausuren, die für die Studierenden kaum zu leisten waren”, berichtete Pinkwart. Nun sei die Zahl der Hausarbeiten halbiert worden. In anderen Hochschulen sollen Prüfungen in Module aufgespalten werden, so dass nur eine Teilprüfung wiederholt werden muss, wenn man durchfällt. Bielefeld will Klausuren häufiger durch andere Leistungsnachweise ersetzen. Die RWTH Aachen erfasst bereits online die Arbeitsbelastung ihrer Studierenden in allen Bachelor- und Masterstudiengängen.

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