Neuer Masterstudiengang „Lexikographie” an der Uni Erlangen

Von: Sarah Stendel, ddp
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Erlangen. Schnell bei Wikipedia die Bedeutung eines Fremdworts nachlesen oder bei Leo einen spanischen Satz übersetzen? Durch kostenfreie Online-Enzyklopädien ist die Versuchung groß geworden, sich beim Nachschlagen auf schnelle Quellen im Netz zu stützen.

Die Qualität der Beiträge ist allerdings oft zweifelhaft, wie Stefan Schierholz, Professor für Germanistische Linguistik an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) betont: „Manche Schüler oder Studenten schreiben ganze Aufsätze auf Basis dieser Internetquellen und scheitern daran. Ich wäre oft froh, wenn ich sie auf hochwertige Seiten hinweisen könnte.”

Internet-Lexika haben ihre Tücken: Wie schnell sich etwa über Wikipedia falsche Informationen verbreiten, zeigt die Bericherstattung um die vielen Vornamen von Bundeswirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg.

Unter den zahlreichen weiteren Vornamen sei auch Wilhelm, wurde im Februar von mehreren Medien gemeldet. Doch das erwies sich als Fehler. Irgendjemand hatte den Namen Wilhelm einfach in die unkontrollierte Enzyklopädie eingestellt.

Bei Online-Wörterbüchern, die nicht von kundigen Linguisten erstellt wurden, passiert so etwas leicht etwa mit den berüchtigten „false friends” - Wörtern, die in der Fremdsprache so vertraut wirken, aber eben eine ganz andere Bedeutung haben wie das englische Adjektiv „actual” (deutsch: tatsächlich) oder das portugiesische Hauptwort „moça”, das im Brasilianischen „Mädchen” bedeutet, im europäischen Portugiesisch aber „Dirne”.

Ein Schritt zur Verbesserung von sowohl Online- als auch gedruckten Wörterbüchern soll an der FAU nun mit der Einführung des neuen Masterstudiengangs Lexikographie getan werden. Ab dem Wintersemester 2009/2010 können sich Sprach- und Wörterbuch-Interessierte hier zum Lexikon-Spezialisten ausbilden lassen.

In vier Fachsemestern sollen die theoretischen Grundlagen zum Erstellen von Wörterbüchern gelehrt werden. Schierholz wird dafür zusammen mit zwei Kollegen der Anglistik und Germanistik als Dozent tätig sein. „Das ist eine Berufsausbildung, die es so noch nicht gibt. Die Verlage freuen sich auf unsere Lexikographen”, sagt der 53-Jährige zuversichtlich.

Neben Wörterbuchbenutzungsforschung und theoretischer Lexikographie stehen auch Seminare zu Computergrundlagen und Internet-Lexika auf dem Lehrplan. Laut Schierholz werden die Online-Wörterbücher die gedruckten Versionen jedoch keinesfalls ablösen sondern vielmehr parallel hinzu kommen.

Ziel sei es, eine hohe Qualität von mehr Wörterbüchern online zu erreichen. „Die Vernetzungsmöglichkeiten lassen sich im Internet noch weiter ausreizen, schließlich gibt es keine Raumbeschränkung. Außerdem werden Bilder in Zukunft eine weitaus wichtigere Rolle spielen als bisher”, erklärt der Professor.

Er sei oft enttäuscht darüber, dass so viele schlechte Lexika benutzt würden: „Die Verlage wollen eben möglichst viel verkaufen, dabei wissen wir aus der kritischen Forschung längst, dass an den Büchern einiges verbesserungswürdig ist.”

Durch die Kooperation mit acht Partneruniversitäten im europäischen Ausland soll als eine Besonderheit des Studiengangs ein breites Netzwerk an internationalen Kontakten aufgebaut werden. Das zweite Semester ist als Auslandssemester angelegt, in welchem die Dozenten und Studenten aller Partneruniversitäten an einer Universität zusammen kommen. Durch die international angestrebte Zahl von lediglich 30 Absolventen pro Jahr könne man durchaus von einem „Elitestudiengang” sprechen, so Schierholz.

Die erste Studentin, die sich für den neuen Masterstudiengang in Erlangen eingeschrieben hat ist Manuela Staffen. „Ich lese in meinen Lexika manchmal wie in einem Buch und verliere mich richtig darin.

Bei diesem Studiengang hat es bei mir einfach Klick gemacht”, erklärt die 38-Jährige ihre Entscheidung. Der gebürtigen Oberpfälzerin ist die Begeisterung für ihre Wörterbücher, die sie liebevoll „meine Schätzchen” nennt, anzumerken.

„Sprache ändert sich von Tag zu Tag, mit einem Lexikon ist man nie fertig. Ich denke, das hat Zukunft”, so Staffen. Außerdem sei auch sie oft frustriert bei der Benutzung von schlechten Wörterbüchern, besonders von solchen, die im Internet zugänglich sind: „Da gibt es viel zu verbessern”.

Das glaubt auch Schierholz: „Bei den Online-Enzyklopädien kann man richtig was bewegen. Das ist ein weites Feld, in welchem Lexikographen für Qualitätssicherung stehen.”
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