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Musikstudenten müssen Perfektionisten sein

Von: Marc Herwig, dpa
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Musikstudent Orchester
Bis zum großen Auftritt ist es ein weiter Weg: Wer Profimusiker werden will, muss bis zu acht Stunden am Tag üben. Foto: dpa

Dortmund/Lübeck. Den ganzen Tag nur Musik machen - davon träumt so mancher junge Pianist, Streicher oder Sänger. Leider haben viele diesen Traum. Die Konkurrenz für angehende Musikstudenten ist daher groß. Und vor der Aufnahmeprüfung an einer Hochschule heißt es: Üben, üben, üben.

Ein großer Konzertsaal, ein furioser Auftritt, und ein begeistertes Publikum jubelt einem zu - viele junge Musiker wünschen sich nichts mehr, als das einmal zu erleben. Tausende bewerben sich jedes Jahr um einen der begehrten Studienplätze für Musik in Deutschland. Aber selbst wer die strengen Aufnahmeprüfungen besteht, schafft nur selten den Schritt zum erfolgreichen Solomusiker. Und noch weniger werden umjubelte Stars. Wer seine Chancen realistisch einschätzt und das Studium gut plant, kann aber durchaus einen spannenden Beruf in der Musikbranche finden.

Die Hoffnung auf den große Ruhm ist ohnehin weniger, was Musikstudenten antreibt. „Die Hauptmotivation ist schon, dass sie musizieren wollen”, sagt Thomas Erlach, Studienfachberater an der Universität Dortmund. An ihre berufliche Zukunft dächten viele dabei nicht so sehr. Die meisten hätten von klein auf ein Instrument gelernt, viele lebten regelrecht für die Musik.

Es reicht aber nicht, für die Musik zu leben - ein Profi muss später auch von der Musik leben können. „Natürlich ist es wichtig, Ideale zu haben. Aber man sollte auch realistisch sein und überlegen, ob man eine Chance hat, seinen Traum tatsächlich umsetzen”, gibt Erlach zu bedenken. Gerade die Hoffnung vieler junger Menschen, Solo-Musiker zu werden, platze allzu oft. „Da schaffen es nur ganz wenige, später davon zu leben.”

Deshalb sollten sich angehende Musik-Studenten früh überlegen, was sie später mit dem Studium anfangen wollen, rät Dorothee Göbel, Sprecherin der Hochschule für Musik und Theater München. Die Bandbreite ist riesig: Vom Solo- oder Orchestermusiker reicht sie über Musikmanager, Tontechniker bis hin zum Lehrer an Schulen oder Musikschulen. Besonders viele entscheiden sich für ein Lehramts-Studium. „Viele denken sich: Ich möchte etwas mit Musik machen, und Lehramt ist das, was ich mir zutraue”, hat Erlach beobachtet.

Eine der ersten großen Hürden für angehende Musikstudenten ist die unüberschaubare Vielfalt der Studiengänge in Deutschland. Da gibt es Studiengänge für Populärmusik, alte Musik, Musical, Instrumental-Musik, Musikmanagement, Musiktherapie, Musikpädagogik - und jede Hochschule bietet in diesen Fächern andere Instrumente und Schwerpunkte an. Um das passende Angebot zu finden, müssen Bewerber also genau hingucken, wie ein Studienfach gestaltet ist.

„Dabei darf man auch die Aufnahmeprüfungen nicht außer Acht lassen”, sagt Hanna Prins, Studentin an der Musikhochschule Lübeck. „Da muss man einfach gucken, welche Prüfungen man mit den eigenen Erfahrungen schaffen kann.” Eignungsprüfungen gibt es an allen Unis und Musikhochschulen, und überall sind sie eine echte Hürde für Bewerber - aber nicht überall sind sie gleich streng. Für Lehramtsstudenten liegt die Latte generell etwas niedriger als für Instrumentalisten. An reinen Musikhochschulen sind die Tests oft noch strenger als an Fakultäten der Unis. „Trotzdem sollte man das nicht unterschätzen”, warnt Prins. „Man muss sich wirklich vorbereiten und darf sich nicht nur auf sein Talent verlassen.”

Generell besteht die Eignungsprüfung immer aus einem theoretischen und einem praktischen Teil. Mindestens ein halbes Jahr lang sollte man sich auf die praktische Prüfung vorbereiten, um die geplanten Vortragsstücke möglichst perfekt zu beherrschen, rät Prins. Auch das Spielen unbekannter Stücke vom Notenblatt müsse man üben. „Da kann man sich einfach irgendwelche Volksliederbücher nehmen und von vorne bis hinten durchspielen.” Für die meisten Studiengänge muss man zwei Instrumente sehr gut beherrschen.

„Es ist nicht so, dass man sich bei der Aufnahmeprüfung nicht verspielen darf”, ergänzt Studienfachberater Erlach. „Die Prüfer wollen hören, ob jemand die grundlegenden technischen Fähigkeiten hat, und ob er das Stück, das da in Noten vor ihm liegt, auch wirklich versteht.”

Bei der theoretischen Prüfung komme es vor allem auf das Hören an. „Man muss zum Beispiel zu einem einfachen Volkslied nach Gehör die Noten aufschreiben können”, erklärt Erlach. „Das übt man am besten, indem man ein Liederbuch nimmt, sich die Stücke vorspielen lässt und dann versucht, die Noten aufzuschreiben.” Auch Theoriekurse etwa an Musikschulen könnten eine gute Hilfe sein, fügt Göbel hinzu.

Auch im Studium wechselt es ständig zwischen Theorie und Praxis hin und her: Musikgeschichte, systematische Musikwissenschaft und je nach Schwerpunkt weitere Theoriestunden gehören zum Pflichtprogramm. Wer Profimusiker werden will, müsse oft bis zu acht Stunden am Tag üben, sagt Prins. Aber selbst Lehramtstudenten verbringen ein bis drei Stunden am Tag mit ihrem Instrument.

Im Musikstudium geht es fast familiär zu

Außergewöhnlich am Musikstudium sind auch die Studienbedingungen. „Die Musikhochschulen sind meist klein und sehr persönlich. Und man hat unheimlich viele kulturelle Möglichkeiten”, erzählt die Studentin Hanna Prins aus Lübeck. Bei so vielen Musikern gebe es täglich Konzerte. Allerdings habe der hohe Zeitaufwand für das Studium auch seine Nachteile für das soziale Leben auf dem Campus. „Viele hier beschäftigen sich wirklich nur mit ihrem Instrument.”
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