Berlin - Mit dem Meister an die Hochschule: Tipps zum Studieren ohne Abi

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Mit dem Meister an die Hochschule: Tipps zum Studieren ohne Abi

Von: Aliki Nassoufis, dpa
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Der Weg in den Hörsaal blieb Berufstätigen ohne Abitur bisher oft versperrt - das ändert sich künftig für Meister und andere Fachkräfte. Foto: dpa

Berlin. Ohne Abitur war der Weg an die Hochschule bislang oft lang und schwierig. Bewerber mussten sich nicht selten mit 16 unterschiedlichen Regelungen der Bundesländer auseinandersetzen. Das soll sich jetzt ändern.

Die Kultusminister haben im März beschlossen, Meistern und anderen Fachkräften ohne Hochschulreife den Zugang zum Studium zu erleichtern. Wer diese Neuregelung nutzen will, muss aber auch künftig genau prüfen, welche Fächer ihm offenstehen.

Bisher gibt es kaum Studenten, die ohne entsprechenden Schulabschluss an die Hochschule kommen. „Derzeit haben nur 0,6 Prozent aller Neueinschreibungen an Universitäten kein Abitur”, sagt Tiziana Zugaro, Sprecherin des Bundesbildungsministeriums in Berlin. An Fachhochschulen seien es 1,9 Prozent.

Damit belegt Deutschland im Vergleich mit 22 anderen EU-Staaten einen der hinteren Plätze, wenn es um den Hochschulzugang ohne Abitur geht. Das geht aus dem „Europäischen Studentenreport” des Hochschul-Informations-Systems (HIS) in Hannover hervor. In Schweden haben dagegen mehr als ein Drittel der Studierenden kein Abitur, sondern qualifizierten sich im Beruf für die Hochschule. In Spanien und Schottland kommt jeder dritte bis vierte Hochschüler auf diese Weise an seinen Studienplatz.

Die schlechte Position Deutschlands beim Studium ohne Abitur hat vor allem eine Ursache: „Es gibt bislang keine flächendeckenden Regelungen”, sagt Zugaro. So könnten die Hochschulen bei den Zusatzprüfungen beispielsweise schriftliche oder mündliche Wissenstests verlangen - oder beides zusammen. Wie dies in einem Bundesland - oder an einer Hochschule - geregelt ist, müssen Bewerber bislang immer im Einzelnen genau klären.

Das Deutsche Studentenwerk (DSW) in Berlin hat dies seit längerem als „Flickenteppich” kritisiert. Das ist mittlerweile auch bei den Kultusministern angekommen. Beim Bildungsgipfel in Dresden im vergangenen Herbst wurde der Beschluss gefasst, künftig mehr Menschen ohne Abitur an die Unis zu lassen. Die Kultusministerkonferenz einigte sich dann im März auf bundesweit einheitliche Standards.

Meister, Techniker und Fachwirte können demnach künftig jedes Fach ihrer Wahl studieren. Berufstätige mit mindestens zweijähriger Ausbildung plus dreijähriger Berufspraxis erhalten ein fachgebundenes Zugangsrecht - ihr Studienfach muss ihrer beruflichen Fachrichtung entsprechen. Einige Länder planen sogar noch liberalere Regeln: Rheinland-Pfalz zum Beispiel will die vorgeschriebene Phase der Berufspraxis auf zwei Jahre verkürzen. Wann diese Regelungen in den einzelnen Ländern umgesetzt werden, ist allerdings noch unklar.

Hintergrund ist der Fachkräftemangel, der mit den bisherigen Studentenzahlen nicht gedeckt werden kann - und der trotz der Wirtschaftskrise bestehenbleibt. Die Idee ist daher, erfahrene Fachkräfte aus der Praxis durch ein Studium fit für den modernen Arbeitsmarkt zu machen.

Wer sich so weiterbilden will, muss sich aber über die damit verbundenen Veränderungen in seinem Leben klar sein. „Sie müssen ihre Finanzplanung komplett umstellen”, sagt DSW-Sprecher Stefan Grob. Während bislang jeden Monat ein geregeltes Einkommen auf dem Konto landete, ist diese Summe nun nicht mehr selbstverständlich.

„Einige haben dafür extra etwas angespart, von dem sie eine zeitlang leben können”, sagt Grob, der selbst erst eine Ausbildung absolvierte und dann noch studierte. „Doch niemand sollte die Finanzierung eines Studiums unterschätzen - oder die Einschränkungen, die mit einer fehlenden Absicherung einhergehen.” Wer als Meister einen Studienplatz ergattert, kann sich beim Bund aber um ein sogenanntes Aufstiegsstipendium bewerben.

Neben der Finanzierung ist das Studium aber auch eine geistige Herausforderung. „Es gibt zwar in jedem Job einen gewissen Lerndruck”, sagt Grob. Und wer studieren wolle, sei meist auch am Lernen interessiert. „Dennoch muss man sich als Student auf Vorlesungen, Seminare und andere Lerngruppen einlassen.” Das sei ein anderes und eher theorielastiges Lernen als im Beruf.

„Hinzu kommt, dass man als Meister schon älter ist als die meisten anderen Studienanfänger”, sagt Grob. Das erschwere es, Anschluss zu finden. Auch stellten Erstsemester, die vom Betrieb an die Hochschule wechseln, möglicherweise andere Ansprüche an das Studium. „Jüngere Studenten genießen vielleicht eher die Freiheiten des Hochschullebens, während sich ältere meist mehr aufs Studium konzentrieren.”


Studieren geht auch schon vor dem Abitur

Auch Jugendliche, die noch kein Abitur haben, können in Sonderfällen schon studieren. An der Technischen Universität Berlin beispielsweise dürfen sie neben der Schule Vorlesungen und Seminare besuchen. Der Vorteil: Die Leistungen werden aufs Studium angerechnet.

„Voraussetzung ist, dass sie eine gymnasiale Oberstufe in Berlin oder Brandenburg besuchen”, erklärt Claudia Cifire von der Studienberatung der Universität. Außerdem müssen sie sich für diese Stunden von der Schule freistellen lassen und den ausgefallenen Unterricht nachholen.

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