MINT-Fächer studieren: Jobaussichten für Techniker sind blendend

Von: Berit Waschatz, dpa
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Immer noch studieren vor allem Männer Technik-Fächer. Nur jeder vierte Student ist weiblich. Dabei könnten die Jobaussichten gar nicht besser sein. Foto: dpa

Hamburg. Fast jeder hat in der Tasche ein Mobiltelefon oder im Auto ein Navigationsgerät. Ohne Elektrotechniker würde es diese Geräte nicht geben. Und ohne den Maschinenbauer würde das Auto nicht fahren. Noch nie waren alle Arten von Ingenieuren so gefragt wie heute: Allein im Mai fehlten 70.000 Fachkräfte, wie der Verein Deutscher Ingenieure mitteilt.

Wer sich etwa für ein Elektrotechnik-Studium interessiert, muss Spaß an technischen Fächern haben und Fantasie mitbringen. Man braucht dabei nicht zwingend Spitzennoten in Mathematik und Physik, sagt Hermann Rohling, Vizepräsident der Technischen Universität Harburg. Wichtiger sei, dass die Studenten fantasievoll sind und mit beiden Beinen im Leben stehen. Sie müssen wissen, was sich etwa im Bereich Mobiltelefone oder Navigation technisch entwickelt hat, sagt Rohling.

Das Studium besteht in den ersten Semestern vor allem aus Mathematik. „Die Differenzierung in technischen Studiengängen ist nicht so groß”, sagt Rohling. Alle fangen mit den grundlegenden Dingen an - egal ob Elektrotechniker oder Maschinenbauer. Zunächst werden die Kenntnisse aus der Schule aufgefrischt. Anschließend werden sie stetig erweitert.

Doch im Studium geht es auch praktisch zu. In praxisbezogenen Seminaren wenden die Studenten ihr Wissen gleich an. „Da lernen sie etwa den Umgang mit den Messgeräten”, erklärt Rohling. In kleinen Gruppen bearbeitet jeder eine andere Aufgabe und führt sie dann vor. So hätten seine Studenten in der Ultraschall-Sensorik zuletzt einen Apparat gebaut, der auf Töne reagiert.

Den Arbeitsaufwand während des Elektrotechnik-Studiums vergleicht der Professor mit einem Fulltime-Job. Im Semester stehen Vorlesungen und praxisbezogene Seminare auf dem Stundenplan. Die Klausuren werden im Anschluss in der vorlesungsfreien Zeit geschrieben.

Auch Maschinenbau-Studenten sollten Zeit und Fleiß mitbringen. Denn das Studium ist umfangreich. Auch hier gilt: Leistungskurse in Mathematik, Chemie oder Physik sind keine Pflicht. Wer sie belegt hat, ist jedoch klar im Vorteil. Denn das verschafft einem gerade zu Beginn des Studiums etwas Zeit, erklärt Juri Müller von der Fachschaft Maschinenbau an der Universität Paderborn.

Ein Maschinenbau-Studium ist vor allem für die interessant, die gerne mit Technik herumspielen. „Es muss nicht gleich direkt darum gehen, dass man Maschinen baut”, erklärt der Student. Der Bereich Maschinenbau umfasst fast alle Produkte des täglichen Bedarfs: die Einkaufstüte, Möbel, aber auch Lebensmittel.

Im Studium geht es dann vor allem um Modellierung und Berechnung. Das ist nötig, um eigene Produkte aufzubauen, erklärt Müller. Denn am Ende des Grundstudiums muss man selbstständig eine Aufgabe lösen können, bei der man die Grundlagen anwendet, die man gelernt hat. Spaß macht Müller vor allem das Lösen technischer Probleme.

„Im Studium gibt es Klausuren, wo man nicht nur rechnen muss”, sagt er. Es wird vielmehr ein konkretes Problem benannt, für das man eine Lösung suchen muss. „Die Aufgaben drehen sich im Studium um Probleme, die man aus dem Alltag kennt.”

Die harte Arbeit lohnt sich. Denn die Jobaussichten sind für Techniker blendend. Derzeit wird händeringend nach Fachkräften gesucht. Maschinenbauer oder Elektrotechniker kommen bei großen Firmen wie dem Flugzeugbauer Airbus, dem Autohersteller Volkswagen oder dem Industriekonzern Siemens unter.

Noch dazu können sich Ingenieure über deutlich höhere Gehälter als andere Akademiker freuen, sagt Ellen Walther-Klaus, Geschäftsführerin der Initiative der deutschen Wirtschaft „MINT Zukunft schaffen” in Berlin.

Technische Fächer bleiben eine Männerdomäne

Die technischen Fächer bleiben eine Männerdomäne: In den vergangenen zehn Jahren lag der Frauenanteil im Durchschnitt immer bei rund 20 Prozent. Das geht aus einer Studie des Stifterverbands für die Deutsche Wissenschaft hervor. Hermann Rohling, Vizepräsident der Technischen Universität Harburg, beklagt diesen Zustand als rein deutsches Phänomen. In Italien oder Griechenland würden deutlich mehr Frauen technische Fächer studieren.

Viele Studenten in den Ingenieurswissenschaften bringen ihr Studium nicht zu Ende. Im Fach Maschinenbau brechen 34 Prozent der Studenten ihr Studium ab. In Elektrotechnik sind es 33 Prozent. Im Durchschnitt hört jeder Vierte in den Ingenieurswissenschaften (25 Prozent) vor dem Abschluss auf, so die Zahlen des Hochschul-Informations-Systems (HIS). Die meisten Studenten kommen mit den Anforderungen nicht zurecht.

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