Mehr Freiheiten für Studenten: NRW-Unis reagieren auf Proteste

Von: Tonia Haag, ddp
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Studenten demonstrieren in Bonn
Mehrere tausend Studenten aus ganz Deutschland haben gegen die „Bildungsmisere” und für massive Reformen demonstriert. Foto: dpa

Düsseldorf. In diesen Tagen beginnt das erste Semester nach den Studentenprotesten in Nordrhein-Westfalen. Viele Änderungen hatten die Universitätsleitungen in den vergangenen Monaten versprochen, um die Gemüter der Studenten zu beruhigen.

Und tatsächlich wird zum neuen Sommersemester einiges anders sein, wie eine ddp-Umfrage unter nordrhein-westfälischen Universitäten ergeben hat. Manche Probleme lassen sich jedoch nicht so schnell lösen.

An der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf sei den Dozenten empfohlen worden, auf Anwesenheitspflicht in ihren Veranstaltungen zu verzichten, sagt Ulrich von Alemann, Prorektor für Lehre und Studienqualität, und fügt hinzu: „Ich gehe davon aus, dass die Dozenten diesen Empfehlungen folgen.” Zudem würden die Prüfungsbelastung und die Stofffülle in den einzelnen Fächern überprüft. Flächendeckende Ergebnisse gebe es hier aber noch nicht.

Auch in Münster solle ab dem Sommersemester die generelle Anwesenheitspflicht in vielen Veranstaltungen aufgehoben werden, berichtet Brigitte Nussbaum von der Pressestelle der dortigen Universität. Ansonsten sei zwar vieles in Planung, gibt die Münsteranerin zu, aber noch nicht umgesetzt. So seien viele Studiengänge weiterhin inhaltlich überfrachtet. Die Universität könne jedoch nicht einfach anordnen, dass die Stofffülle reduziert werde. „Da kann nur appelliert werden. Für die Studieninhalte sind aber die einzelnen Fachbereiche zuständig”, betont Nussbaum.

Dass über die Stofffülle hinaus noch zahlreiche weitere Probleme bestehen, zeigt ein Internetportal, das die Universität eingerichtet hat, um weitere Missstände aufzudecken. „Seit Anfang März ist das Portal freigeschaltet und es enthält schon rund 100 Einträge”, berichtet Nussbaum. Diese würden nun nacheinander abgearbeitet.

In Dortmund soll es künftig möglich sein, bereits während des Bachelor-Studiums Veranstaltungen zu besuchen, die später auf den Master angerechnet werden können. „So wird der Übergang erleichtert”, sagt der Pressesprecher der Universität, Ole Lünnemann.

An der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule (RWTH) Aachen soll ab dem Sommersemester die Betreuung und Beratung der Studenten verbessert werden. Dies sei allerdings schon vor den Streiks beschlossen worden, betont eine Sprecherin der Verwaltung. Während des Semesters sollen zudem zahlreiche Prüfungsordnungen unter die Lupe genommen werden, mit dem Ziel, wo möglich die Stoffmengen zu reduzieren.

„Bei uns wird geprüft, ob die Zahl der Prüfungen ab diesem Semester reduziert werden kann. Das heißt, dass nicht mehr jedes Modul zwangsläufig zum Beispiel mit einer Klausur abgeschlossen werden muss”, berichtet Patrick Honecker, der Pressesprecher der Universität Köln. Vielmehr könnte das Wissen der Studierenden beispielsweise mit einer Hausarbeit überprüft werden. „Da könnten sie sich die Zeit freier einteilen. Das ist manchen lieber, als vier, fünf Klausuren in einer Woche zu schreiben”, erläutert Honecker. Außerdem soll es in einigen Veranstaltungen künftig ausreichen, regelmäßig teilgenommen zu haben - ohne dass die Anwesenheit formell überprüft wird. Obwohl die Universität gewillt ist, auf die Wünsche der Studenten einzugehen - bei bestimmten Dingen müsse man Abstriche machen, sagt Honecker.

Problematisch sei etwa der Zugang zum Master-Studium für alle. „Es gibt kein Grundrecht darauf”, sagt der Pressesprecher. Überhaupt sei es nicht Sinn der Reform gewesen, dass jeder einen Master-Abschluss mache. „Ein Ziel der Bologna-Reform war es doch, dass Studenten schneller einen berufsqualifizierenden Hochschulabschluss haben - und das ist mit dem Bachelor erreicht worden”, urteilt Honecker.
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