Lernen auf Pump: Studienkredite können zur Schuldenfalle werden

Von: Verena Wolff, dpa
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Schuldenfalle Studienkredit
Ist häufig genug eine Schuldenfalle erster Güte: in Studienkredit. Foto: dpa

Gütersloh/Berlin. Ein Studium ist eine Investition in die Zukunft. Für viele stellt sich erst einmal aber die Frage, wie sie diese finanzieren sollen. Das gilt vor allem für Studenten, die nicht den Luxus haben, dass die Eltern ihren kompletten Lebensunterhalt bezahlen. Wer mit seinem Geld nicht auskommt, hat eine andere Option: einen Studienkredit.

Dabei müssen Studenten aber genau kalkulieren - denn ansonsten kann es passieren, dass sie sich mit den Schulden übernehmen.

Erste Wahl ist ein Studienkredit daher nicht. „Es geht darum, erstmal die Klassiker zu prüfen: Bafög, Stipendien, Nebenjob”, rät Ulrich Müller vom Centrum für Hochschulentwicklung (CHE) in Gütersloh, das Studienkredite getestet hat.

Den Vorzug sollte immer etwas bekommen, das Studenten nicht zurückzahlen müssen. Sogar jobben kann perspektivisch sinnvoll sein, weil Studenten dabei Berufserfahrung sammeln, die sich später womöglich auszahlt.

Eine Sonderform der Kredite sind Studiengebühren-Darlehen. „Jedes Land, das Studiengebühren einzieht, hat auch einen Landeskredit dafür”, erklärt Müller. „Und die sollte man immer großzügig in Anspruch nehmen.” Für Bafög-Empfänger ist die Rückzahlungssumme gedeckelt - in Nordrhein-Westfalen zum Beispiel liegt sie bei maximal 10.000 Euro.

Generell seien Studienkredite hingegen mit Vorsicht zu genießen, sagt Stefan Grob vom Deutschen Studentenwerk in Berlin. „Sie können in bestimmten Phasen sinnvoll sein, aber wir warnen davor, ein komplettes Studium per Kredit zu finanzieren.” Interessant sei etwa, sich im letzten Studienjahr komplett aufs Examen konzentrieren zu können und nicht mehr jobben zu müssen. Oder für einen Auslandsaufenthalt etwas mehr Geld in der Tasche zu haben. „Wer sich aber das ganze Studium über auf dieses Geld verlässt, läuft damit direkt in die Schuldenfalle.”

Der Schuldenberg kann groß werden: Nach verschiedenen Berechnungen können sich über ein durchschnittliches Studium 60 000 bis 90 000 Euro ansammeln. „Auf einer solchen Schuldenlast sollte man nicht sitzen, wenn man sich eine Existenz aufbauen will”, warnt Grob. Hinzu kommt, dass sich bei der Aufnahme des Kredits oft kaum kalkulieren lässt, wie hoch die Rückzahlungssumme sein wird. Denn die Zinssätze sind bei vielen Angeboten variabel, sie können also während der Laufzeit steigen.

Unpraktisch ist es auch, wenn schon im Studium Zinsen anfallen. „Man muss genau darauf achten, dass die Zinsen in der Auszahlungsphase gestundet werden”, rät Müller. „Denn ich muss oft nicht wenig Zinsen bedienen, während ich studiere - und das kostet pro Monat Geld.”

Dem CHE zufolge sind Studienkredite trotz Kreditklemme in der Finanzkrise vielfach günstiger geworden. Im Vergleich zu 2008 sind die Zinssätze zum Teil deutlich gesunken. Überregionalen Banken haben dabei nicht unbedingt die besten Konditionen. So lag das günstigste regionale Geldinstitut im CHE-Test mit einem effektivem Zins von nur 3,53 Prozent im Rückzahlungszeitraum deutlich unter den Werten von überregionalen Privatinstituten wie der Deutschen Bank (7,9 bis 8,9 Prozent).

Immer wieder als gut bewertet wird der Kredit der KfW-Förderbank, der über ihre Vertriebspartner zu bekommen ist. „Das sind bestimmte Banken, Sparkassen oder die Studentenwerke”, erläutert Christine Volk, Sprecherin der Bank in Frankfurt/Main. Einen Kredit kann ein Deutscher, ein EU-Bürger oder ein Bildungsinländer beantragen, frühestens drei Monate, bevor das Geld fließen soll und nur dann, wenn er bereits immatrikuliert ist.

Für Kurzentschlossene gilt immer der 15. des Vormonats als Frist, wenn das Geld am nächsten Monatsanfang überwiesen werden soll. „Wir zahlen nach Bedarf aus”, erklärt Volk. „Meist aber nicht mehr als zehn Semester.” Außerdem verlangt die Bank zu den sogenannten Rollover-Terminen im April und Oktober eine neue Studienbescheinigung und in regelmäßigen Abständen Nachweise, dass das Studium erfolgreich vorangetrieben wird. „Aber wir wollen keine Sicherheiten: Ein Kredit ist unabhängig vom eigenen Einkommen, von Besitz oder vom Einkommen der Eltern.” Auch werde bei der KfW nicht auf das studierte Fach geschaut wie bei manchen anderen Banken.

Ein Problem bei der KfW - wie bei zahlreichen anderen Banken - ist Müller zufolge ein Auslandsaufenthalt. Denn die meisten Bildungsdarlehen schließen Extra-Geld für ein Semester oder ein Jahr an einer Hochschule außerhalb Deutschlands aus. Die KfW hält das nach Angaben von Sprecherin Volk so: „Auslandssemester finanzieren wir mit dem KfW-Studienkredit, wenn die Immatrikulation an der inländischen Hochschule aufrechterhalten bleibt.” Ein vollständiges Auslandsstudium sei mit dem KfW-Studienkredit nicht finanzierbar.
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