Lehrer werden Master: NRW ändert Lehrerausbildung

Von: Franziska Broich, dpa
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Seit Jahrzehnten haben Lehramtsanwärter ihr Studium mit dem Staatsexamen abgeschlossen. Ab dem Wintersemester 2011/2012 kann man Lehramt in NRW nur noch auf Bachelor und Master studieren. Foto: dpa

Düsseldorf. Elisabeth Schmitz hat Glück gehabt. Denn der Lehrerin gefällt ihr Beruf. „Wenn jemand erst im Referendariat bemerkt, dass der Lehrerberuf eigentlich nichts für einen ist, ist es zu spät, um hinzuschmeißen”, sagt Schmitz.

Sie hat 2009 ihr Staatsexamen in Deutsch und 2007 in Geschichte an der Universität Köln abgelegt. Rückblickend, erzählt sie, habe es zu wenige Praxisphasen während des Studiums gegeben.

Aus diesen Gründen hat die Landesregierung beschlossen, die Lehrerausbildung in Nordrhein-Westfalen zu reformieren. Studenten, die ihr Lehramtsstudium im Wintersemester 2011/2012 beginnen, schließen es nicht mehr mit dem Staatsexamen, sondern mit einem Bachelor und Master ab.

Das Lehramtsstudium dauert nun für alle Lehrer zehn Semester. Außerdem wird das Referendariat von 24 auf 18 Monate verkürzt, aber dafür ein Praxissemester im Master eingeführt. Dazu kommt ein zwanzigtägiges Eignungspraktikum vor dem Studium und zwei Praktika während des Bachelorstudiums.

Professor Bardo Herzig, Direktor des Zentrums für Bildungsforschung und Lehrerbildung an der Universität Paderborn, sagt: „Das ist eine Riesenchance, und ich bin fest davon überzeugt, dass sich die, auch im Sinne einer stärker Theorie and Praxis verzahnenden Ausbildung, positiv niederschlagen wird.”

Allerdings werde es sehr stark davon abhängen, wie die Hochschulen das Studium gestalteten: Obwohl die Landesregierung für das Lehrerstudium Richtlinien vorgibt, unterscheiden sich die Bachelor- und Masterstudiengänge an den Universitäten in Nordrhein-Westfalen.

Kritik hat auch der Allgemeine Studierendenausschuss (AStA) der Universität Köln. Der AstA prangert an, dass es keine rechtskräftige Masterplatz-Garantie für die Lehramtsstudenten gebe. „Der Lehramts-Bachelor ist auf dem Arbeitsmarkt wertlos und reicht insbesondere für den Lehrberuf nicht aus”, erklärt Thomas Köppen vom AstA in einer Pressemitteilung. Das Schulministerium erläutert auf der Internetseite zu der Reform, dass Lehramts-Bachelor unter Umständen auf den Masterstudienplatz warten oder die Hochschule wechseln müssen.

Zugleich wird aber der Seiteneinstieg für Lehrer einfacher. Ab dem 1. Oktober 2011 fällt das Anerkennungsverfahren für das Studium von Quereinsteigern weg. Ein achtsemestriges Hochschulstudium mit einem Masterabschluss ist ausreichend.

Zusätzlich müssen die Seiteneinsteiger entweder eine zweijährige pädagogische Tätigkeit, die Betreuung eines Minderjährigen oder zwei Jahre Berufserfahrung nachweisen. Die Quereinsteiger machen dann berufsbegleitend eine 24-monatige Ausbildung in zwei Fächern, die ihrem Studium am ähnlichsten sind. Abschließend legen sie eine Staatsprüfung ab.

Schmitz arbeitet heute in einer Kölner Aufbaurealschule. „In meinem Referendariat habe ich viele Erfahrungen im Unterrichten und im Umgang mit den Schülern gesammelt”, berichtet sie. Schmitz zweifelte niemals daran, dass der Lehrerberuf für sie das Richtige sei. Doch sie kennt Kommilitonen, die nach ihrem Lehrerstudium vor dem Aus standen, weil sie im Referendariat bemerkten, dass sie nicht gerne vor einer Klasse stehen und unterrichten. Diese Gefahr wird mit der Reform deutlich kleiner.
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