Aachen - „Lebendige Schleife” vor dem SuperC zum Welt-Aids-Tag

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„Lebendige Schleife” vor dem SuperC zum Welt-Aids-Tag

Von: Nadine Schwarz
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150 Luftballons steigen vor de
150 Luftballons steigen vor dem SuperC am Welt-Aids-Tag als Solidaritätsbezeugung für Betroffene in den Himmel. Foto: Harald Krömer

Aachen. Fünf vor Drei: Ein roter Luftballon stupst gegen das freitragende Obergeschoss des SuperC der RWTH am Templergraben. Unter der Gebäudekonstruktion warten 149 weitere Ballons darauf, als Solidaritätsbezeugung für Aids-Kranke in den Himmel zu schweben.

Gehalten werden sie von 80 größtenteils jungen Menschen, die sich in Form einer „lebendigen Aidsschleife” aufgestellt haben. Sie sind dem gemeinsamen Aufruf der Aids-Hilfe Aachen, des Schwulenreferats der Hochschule, des Allgemeinen Studierenden-Ausschusses (Asta) sowie des Aufklärungs- und Präventionsprojekts „Mit Sicherheit verliebt” (MSV) am gestrigen Welt-Aids-Tag gefolgt.

Neben der gemeinschaftlichen Hauptaktion informierten die Organisationen unter dem Motto „Positiv zusammen leben - Aber sicher!” an verschiedenen Stellen im Stadtgebiet über das Thema Aids, um Vorurteile abzubauen.

Vorurteile bestehen noch

Die bestehen nämlich offenbar auch 23 Jahre nach dem ersten Welt-Aids-Tag im Jahr 1988 noch in den Köpfen der Menschen. So musste sich Franziska Froning vom MSV, die den Stand im Kármán-Auditorium betreute, auf die Frage an Passanten, ob sie eine Ansteckschleife haben wollten, Sätze anhören wie: „Ich habe doch kein Aids.” Oder: „Die brauche ich nicht, ich bin hetero.”

„Für viele suggeriert die Ansteckschleife leider keine Solidaritätsbezeugung, sondern gilt als Zeichen dafür, dass man selber Aids hat”, erklärte Hanna Kuhn, die sich ebenfalls für das MSV engagiert.

Ähnlich enttäuscht waren die Mitarbeiter von Missio am Dom, die zum Welt-Aids-Tag sogenannte „Engelslichter” (Papiertütchen für Teelichter) gratis anboten. „Wir haben sogar Lichter zurückbekommen mit dem Kommentar ,Für so etwas haben wir kein Verständnis”, berichtete Waltraud Lück, ehrenamtliche Mitarbeiterin bei Missio. Ihre Kollegin Dr. Elisabeth Gladziwa konnte sich den Unterschied zur großen Resonanz bei der Nacht der offenen Kirche nur so erklären: „Das sind heute nur Touristen, die hier vorbei kommen, die sind nicht christlich interessiert, so wie in der Kirchennacht.”

Es gab aber auch einige positive Reaktionen, wie Sara Kleineheer vom Asta berichtete. Schon um 8 Uhr warteten dort die Leute darauf, dass der Asta aufmachte. „Die meisten wollten wohl Karten für den Eishockey-Uni-Cup kaufen, aber so sind sie auch auf den Aids-Tag aufmerksam geworden und haben viel Interesse für das Thema gezeigt”, freute sich Kleineheer.

Julian Mumme vom Schwulenreferat, der im Kondom-Kostüm Passanten in der Innenstadt informierte, sagte, dass gerade Jüngere noch mehr Interesse zeigten und Mädchen dem Thema aufgeschlossener gegenüber stünden als Jungs.

Auch wenn Kleineheer und Kuhn sich über die rege Beteiligung bei der „Lebendigen Aids­schleife” und das Interesse an einigen Ständen freuten, bleibt doch noch eine Menge Aufklärungsarbeit zu leisten. Das machten sie am Donnerstag unter anderem mit einem Fragebogen, auf dem Fragen zur Bedeutung oder Ansteckungsgefahr des Virus abgefragt wurden.

Aufklärung in Schulen

Um Vorurteile abzubauen, geht das MSV auch außerhalb von Aids-Tagen in Schulen und klärt sechste bis neunte Klassen über Verhütung, Geschlechtskrankheiten und Aids auf. Neben diesen Schulbesuchen wirbt Hanna Kuhn auch im Rahmen der „International Federation of Medical Students Association” (IFMSA) auf dem Plakat „get to zero” für null Diskriminierung, null Aids-Tote und dafür, die jährlichen Neuinfektionen mit der Viruserkrankung von 3000 auf null zu reduzieren - ein großes Ziel, das die für die nächsten fünf Jahre weltweit gültigen Plakate wohl nicht mehr erleben werden.

Hanna Kuhn zog nach der Aktion am SuperC trotzdem ein positives Fazit: „Ich fand es schön, dass doch noch so viele Leute zum SuperC gekommen sind, trotz des trüben Wetters.” Kleineheer bemerkte außerdem erfreut die größere Spendenbereitschaft in diesem Jahr, die um etwa 100 Euro gestiegen sei.

Zehn nach Drei: Endlich folgen die restlichen Ballons ihrem Vorgänger - als Solidaritätsbezeugung ihrer Sender.
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