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Latein pauken für die Uni: Neue Regeln ändern nichts am Lernstress

Von: Andreas Thieme, dpa
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Latein pauken für die Uni kostet viel Zeit und Nerven - das unterschätzen viele, wenn sie ein Studienfach wählen, in dem das Latinum vorausgesetzt wird. Foto: dpa

Berlin. Asterix-Fans könnte im Studium der Spaß an Latein-Sprüchen aus dem Comic über dem kleinen gallischen Helden schnell vergehen. Denn viele Studenten, die das Latinum in der Schulzeit nicht erworben haben, müssen es an der Universität in kurzer Zeit nachholen.

Nicht alle wissen aber, worauf sie sich einlassen, wenn sie ein Studienfach mit Latinum-Voraussetzung wählen. In semesterbegleitenden Sprachkursen bis zu 80 Teilnehmern pauken die Studenten Grammatik, lernen Vokabeln - und lesen Julius Caesars „De bello Gallico”. Daran führt oft kein Weg vorbei, denn in vielen Fächern ist Latein nach wie vor Studienvoraussetzung.

Betroffen sind vor allem Geisteswissenschaftler wie Anglisten und Historiker oder Anwärter für das Lehramt. Vor der Umstellung auf Bachelor- und Masterstudiengänge waren laut dem Deutschen Altphilologenverband in Berlin annähernd 120 Studienfächer betroffen.

„Früher musste man das Latinum meist bei Eintritt ins Hauptstudium nachweisen, nun ist der Bachelor weitestgehend frei von Latinum-Anforderungen”, sagt Peter Schott, Leiter der Zentralen Studienberatung der Universität Münster. Die Tendenz gehe aber dahin, dass das Latinum nach der Reform der Studiengänge eher in den Masterstudiengängen angesiedelt ist.

„Zum Teil ist das Latinum auch Zugangsvoraussetzung für die neuen Master-Studiengänge”, sagt Sprachreferent Robert Gieser vom Lehrzentrum Sprachen und Kulturen der Technischen Universität Dresden. Studenten könnten so ihr Bachelor-Studium abschließen, ohne das Latinum abzulegen und den Sprachnachweis theoretisch auch erst später erbingen.

„In vielen Fächern ist das aber noch nicht geklärt”, sagt er. Eine genaue Übersicht sei deshalb schwierig, erklärt Jan Rathjen von der Hochschulrektorenkonferenz in Bonn. Grundsätzlich seien die Fakultäten frei darin, die Latinum-Bestimmungen für die jeweiligen Fächer zu gestalten. Studenten schauen deshalb besser in der Studienordnung ihres Fachs nach, rät Gieser.

Als sicher gilt indes, dass das Latinum an deutschen Universitäten erhalten bleibt. Das hat sich auch nach Einführung der neuen Studiengänge nicht geändert. „Letztlich findet nur eine Verschiebung statt. Der Zeitpunkt der Erbringung hat sich geändert, nicht die Pflicht zur Erbringung an sich”, sagt Studienberater Schott.

Positiv wirkt sich aus, dass sich mit Umstellung auf die neuen Studiengänge universitäre Lateinkurse in das eigentliche Studium über das Credit-Point-System eingliedern lassen. „Die Motivation für Studenten und der Wert des Kurses steigen dadurch”, sagt Prof. Stefan Kipf, Bundesvorstand des Deutschen Altphilologenverbands.

Studenten hadern dennoch mit den Anforderungen der Latinum-Kurse an den Universitäten. Sie kritisieren vor allem die fehlende praktische Anwendung im Studium. Problematisch ist aber auch der Zeitaufwand. „Das ist fast schon ein Vollstudium, wenn man in nur drei Semestern das gesamte Latinum nachholen muss”, sagt Oberstudienrat Walfried Schubert aus Mönchengladbach. Er war 14 Jahre lang Dozent für Latinum-Kurse an der Heinrich-Heine-Universität in Düsseldorf. „Fast jeder Zweite scheitert”, sagt er. „Das ist eine sehr große Hürde, die da zu nehmen ist”.

Dennoch gibt es dem Altphilologenverband zufolge durchaus gute Gründe für das Latinum. „Es bietet eine wichtige sprachliche Allgemeinbildung, ist zudem ein Schlüsselfach der europäischen Tradition und Grundlage kultureller Identitätsbildung”, sagt Prof. Kipf. Viele schieben die unangenehmen Sprachkurse im Studium trotzdem gerne auf und erleben dann ein böses Erwachen. „Es gibt auch Fälle, bei denen dadurch das Studium abgebrochen werden muss”, so Schubert.

Eine Alternative bieten sogenannte Crash-Kurse in den Ferien. Für 500 bis 1500 Euro können Studenten mehrwöchige Intensivkurse bei privaten Anbietern in den Ferien absolvieren - und so zum Latinum gelangen. Täglich wird etwa in der Academica Linguae Sprachschule in Frankfurt/Main in Gruppen acht Stunden lang Latein gepaukt - auch samstags.

„Das erfordert von den Kursteilnehmern eine sehr hohe Motivation. Das Privatleben muss in dieser Zeit quasi abgestellt werden”, sagt Schulleiterin Claudia Sentürk.

Der Altphilologenverband steht diesen Angeboten jedoch skeptisch gegenüber. „Ferienkurse sind oft reines Mittel zum Zweck”, sagt Kipf. Zwar können Studenten in kurzer Zeit ihre Latinum-Verpflichtungen erfüllen, doch bald darauf sei alles wieder vergessen.

„Die Sprache selbst fällt da völlig hinten runter”, kritisiert der Professor. Problematisch sei zudem, dass solche Kurse nicht zertifiziert sind. „Die Qualität ist erstens nicht überall gleich, und zweitens ist nicht sicher, ob der bestandene Kurs auch von der Universität anerkannt wird.”
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