Aachen - „Kármán”-Auditorium: Abriss möglich

„Kármán”-Auditorium: Abriss möglich

Von: Alfred Stoffels
Letzte Aktualisierung:
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Seine Tage scheinen gezählt: Es gibt Uberlegungen, das Kármán-Auditorium aus den 1970er Jahren abzureißen - ein Neubau käme billiger als die Grundsanierung. Einige Jahre wird der gewaltige RWTH-Hörsaalkomplex in der Innenstadt aber noch bleiben, viele Studierende stehen vor der Türe. Foto: Harald Krömer

Aachen. Abreißen und neu bauen ist oft billiger als renovieren - diese Erfahrung wird demnächst wohl auch ein Herzstück der RWTH machen: Das Kármán-Auditorium, in der Innenstadt gelegen und einer der zentralen Lehr-, Lern- und Veranstaltungsorte der Hochschule, hat einige Aussicht, seinen angestammten Platz räumen zu müssen.

Zum einen ist der umfängliche Komplex zwischen Templergraben und Annuntiatenbach in die Jahre gekommen, ein Vorgang, dem nur durch teure Sanierung abgeholfen werden kann, zum anderen könnten viele Hörsäle schlicht überflüssig werden - Stichwort demografischer Wandel.

Beim Kármán-Auditorium, das Mitte der 1970er Jahre fertiggestellt wurde, handelt es sich um den größten Organismus seiner Art im TH-Kernbereich. Zur Verfügung stehen acht Hörsäle mit mehr als 2000 Sitzplätzen. Generationen von Studenten haben dort gebüffelt und ebenso fleißig die Cafeteria besucht. Komplettiert wird das Ensemble durch einen „Aufenthaltsbereich” und Seminarräume.

Das Kármán ist aber nicht nur Vorlesungsstätte, sondern auch Schauplatz regelmäßiger Großveranstaltungen, von der Studieninformationsberatung bis zur RWTH-Wissenschaftsnacht „5 vor 12”.

Die Bude ist rappelvoll

Und zur Tradition gehört mittlerweile auch, dass sich der jeweilige Karlspreisträger dort sehen lässt und den Kommilitonen am Vorabend der Preisverleihung Rede und Antwort steht. Und jedes Mal ist die Bude rappelvoll.

Das wird auch noch eine Weile so bleiben, allerdings denken der Bau- und Liegenschaftsbetrieb NRW (BLB) und die TH zurzeit intensiv über die Zukunft der Betonlandschaft nach. Als durchaus mögliche Option ist ins Auge gefasst, das Kármán-Auditorium abzutragen und durch eine übersichtlichere Lösung zu ersetzen. Harald K. Lange, Leiter der Aachener BLB-Niederlassung: „Wir stehen erst am Anfang der Überlegungen. Wenn, wird es erst 2018 oder 2020 so weit sein.”

Tatsache ist, dass es in den kommenden Jahren große Verschiebungen beim Hörsaalbedarf geben wird. Kurzfristig haben die Hochschulen großen Andrang zu bewältigen, weil zwei Schülerjahrgänge gleichzeitig Abitur machen und zudem die Wehrpflicht abgeschafft wird. Das heißt: Zunächst einmal muss mehr Raum geschaffen werden (so entsteht gerade an der Professor-Pirlet-Straße ein neues Hörsaalgebäude).

Danach aber dürfte sich der oben erwähnte demografische Wandel bemerkbar machen, die Studentenzahlen könnten deutlich zurückgehen, auch in Aachen. In dieser Situation bräuchte man kein riesiges Kármán-Auditorium mehr, eine Nummer kleiner täte es auch. Zumal der Altbau einer Grundsanierung bedarf - und die kostet enorm, offensichtlich mehr als ein Neubau.

Toni Wimmer, Pressesprecher der RWTH, erklärte am Mittwoch, trotz der zu erwartenden Turbulenzen in Sachen Studierendenschaft werde die Hochschule „alles tun, um die Zahlen zu halten”, nicht zuletzt durch gezielte Information im Ausland. Ein langlebiges Konzept werde gerade erarbeitet.

Benannt ist das Auditorium nach Theodore von Kármán, der 1881 in Budapest geboren wurde und 1963 in Aachen starb. Er gilt als Pionier der modernen Aerodynamik und Luftfahrtforschung, arbeitete 20 Jahre lang an der späteren RWTH, musste Deutschland 1933 wegen der Nazis verlassen und war später in den USA tätig.
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